Börse heute Dax im Zins-Schock

Der Dax hat nach der unerwartet deutlichen Anhebung der Euro-Leitzinsen ins Minus gedreht. Am Neuen Markt dagegen wurden die Indizes nur gering gedrückt. Großer Gewinner war der Euro. Microsoft waren weiter gefragt.

Frankfurt am Main - Der Dax notierte bis gegen 15.15 Uhr bei rund 7272 Punkten, was einem Minus von 0,3 Prozent entspricht. Bis zur Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) hatte das Börsenbarometer mit einem Zugewinn von über 1,1 Prozent deutlich im Plus gestanden. Danach bröckelten die Kurse kontinuierlich ab. Der M-Dax behauptete seinen Tagesgewinn von 0,5 Prozent auf 4572 Stellen.

Am Neuen Markt wurden die Indizes von der Zinsentscheidung nur geringfügig gedrückt. Der Nemax-50 gewann nach einer guten Nasdaq-Vorgabe 2,9 Prozent auf 6679 Zähler. Der Nemax-All-Share legte um zwei Prozent auf 5914 Punkte zu.

Die EZB erhöhte den Hauptrefinanzierungssatz überraschend deutlich um 0,5 Prozentpunkte auf 4,25 Prozent. Auf eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte hatte sich der Markt eingestellt. Zinserhöhung wirken auf Aktienkurse oft negativ, da sie die Refinanzierung für die Unternehmen teurer machen. Außerdem ließ der Zinsschritt den Euro steigen, was als schädlich für Exportfirmen gesehen wird.

Händler: EZB eröffnet Börse neue Chancen

Händler sagten in ersten Reaktionen, die EZB habe dem Aktienmarkt eine große Chance eröffnet, was auf dem Parkett auch verstanden und positiv aufgenommen worden sei. Durch den höheren Zinsschritt könne man nun erst mal längere Zeit auf eine Erhöhung der Leitzinsen verzichten, was beruhigend wirke. Auch sei der Euro angesprungen, was wohlwollend zur Kenntnis genommen worden sei. "Die anfängliche Überraschung ist allerdings sehr groß gewesen", sagte ein Händler.

Der Markt reagierte unter anderen mit steigenden Umsätzen auf die Zinsentscheidung und überwand damit seine von Händlern als "Käufersturheit" beschriebene Haltung, die von den unsicheren Börsenaussichten und der Unsicherheit über die Zinsentscheidung getragen wurde.

Deutsche Telekom rutscht ins Minus

Von den 30 Dax-Werten lagen um kurz nach Bekanntwerden der Zinsentscheidung am Nachmittag je die Hälfte im Minus und im Plus. Auf der Verliererseite standen weiterhin die Versorger. RWE büßten 2,33 Prozent auf 39,9 Euro ein, Veba verloren 3,1 Prozent auf 52,88 Euro und Viag waren 4,7 Prozent billiger bei 20,80 Euro zu haben. Händler sprachen mit Blick auf die in den Blickpunkt gerückten Versorger von einer "Werterotation". Der Markt suche sich jeden Tag ein neues "Spielfeld", ohne dass es fundamentale Gründen dafür gebe. Deutsche Telekom rutschten leicht ins Minus.

Siemens legten 2,1 Prozent auf 166,85 Euro zu. Goldman Sachs stufte Siemens erstmals als Outperformer ein und nannte als Kursziel 190 Euro(siehen . Die Siemens-Beteiligung Epcos erholte sich von einem Durchhänger im frühen Handel und stieg um 1,8 Prozent auf 142,90 Euro. Kursaufschläge verzeichneten auch Infineon. Die Aktien der Siemens-Tochter legten bei hohen Umsätzen von 2,1 Millionen Stück ein Plus von knapp vier Prozent auf 83,60 Euro hin. Händler sprachen von Phantasie wegen der Aufnahme in den Dax und eine Empfehlung.

ThyssenKrupp und Microsoft gefragt

Mit die höchsten Kursgewinne hatten die sich seit Tagen von ihrem Tiefstand erholenden Aktien von ThyssenKrupp (plus 2,9 Prozent auf 18,59 Euro). SAP profitierten Händlern zufolge von einer Empfehlung (plus 2,7 Prozent auf 623 Euro). Nach einem freundlichen Frühgeschäft rutschten die zuletzt schwächeren Aktien der Allianz und der Münchner Rück wieder in die Minuszone.

Deutliche Kursgewinne verbuchten weiterhin Microsoft in Frankfurt: Die Aktie stieg bis gegen 15 Uhr um knapp drei Prozent, gab damit aber gegenüber den Tageshochs wieder nach. Das Urteil gegen den Software-Riesen war erwartet worden und wurde am Markt mit Erleichterung aufgenommen.

Europa: Weiter im Plus

Die europäischen Börsen behielten auch nach der EZB-Entscheidung die Kursgewinne vom Morgen bei. Die Finanzplätze in Paris, London und Zürich legten um etwa 0,3 Prozent zu. Der Euro Stoxx 50 stieg um 0,6 Prozent auf 5301 Punkte.

Devisen: Euro nach Zinsentscheid im Höhenflug

Zum großen Gewinner der Entscheidung der Frankfurter Währungshüter avancierte der Euro. Er verbesserte um einen halben Cent und wurde am Nachmittag bei 0,9674 Dollar gehandelt. Damit war die gemeinsame Währung 2,0217 Mark wert. Am Vortag hatte die EZB den Referenzkurs mit 0,9554 Euro angegeben.