Frankreich-Rating S&P begründet Panne mit Computerfehler

Die US-Ratingagentur führt die versehentliche Herabstufung Frankreichs auf eine technische Panne zurück. Der peinliche Vorfall hatte die Kapitalmärkte heftig durchgeschüttelt. EU-Binnenmarktkommissar Barnier will am Dienstag neue Vorgaben für Ratingagenturen vorstellen.
S&P-Zentrale in New York: Der peinliche Vorfall sorgte für heftige Reaktionen an den Finanzmärkten

S&P-Zentrale in New York: Der peinliche Vorfall sorgte für heftige Reaktionen an den Finanzmärkten

Foto: BRENDAN MCDERMID/ REUTERS

New York - Die irrtümliche Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs durch Standard & Poor's ist nach Angaben der Ratingagentur auf einen technischen Fehler ohne jeden Bezug zur Bonität des Landes zurückzuführen. Das Problem hing den Angaben zufolge mit einem Angebot des Unternehmens zur Bewertung der Risiken in den Bankensektoren einzelner Länder (BICRA) zusammen. Demnach wurden die Angaben zum französischen Bankensektor im Dezember 2010 zu Testzwecken auf die Hauptseite von Standard & Poor's geschaltet, die BICRA-Bewertungen anderer Staaten wurden dann aber nicht auf dieses Portal gestellt.

Als am Donnerstag eine neue BICRA-Bewertung veröffentlicht wurde, wurde für Frankreich automatisch "nicht verfügbar" angegeben. Das System interpretierte dies irrtümlich als Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes, woraufhin eine entsprechende Nachricht an einige Abonnenten geschickt wurde. Es seien "umgehend" Schritte eingeleitet worden, damit sich ein solcher Fehler nicht noch einmal ereignen könne, erklärte Standard & Poor's. Die Agentur arbeite zudem mit den Behörden zusammen, die den Vorfall untersuchten.

Die Falschmeldung, dass Frankreich die Bestnote "AAA" verliert, hatte in Frankreich für Empörung gesorgt. Frankreichs Finanzminister François Baroin forderte eine Untersuchung der Vorgänge. EU-Kommissar Michel Barnier sprach am Freitag von einem "schwerwiegenden Vorfall" und drohte mit Sanktionen. Die französische Finanzmarktaufsicht AMF leitete Ermittlungen ein und nahm Kontakt zur Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) auf.

Am Dienstag will der Binnenmarktkommissar neue Vorgaben für die seit der Finanzkrise 2008 in der Kritik stehenden US-Ratingagenturen vorstellen. Sie sehen unter anderem vor, ihnen vorübergehend die Veröffentlichung der Benotung von Euro-Krisenstaaten zu verbieten.

Eine tatsächliche Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs hätte nach Einschätzung von Finanzexperten Auswirkungen auf den Euro-Rettungsfonds EFSF, der dann wahrscheinlich höhere Zinsen zahlen müsste, um Krisenländer unterstützen zu können. Die Euro-Schuldenkrise würde sich dadurch verschärfen.

mh/afp/dpa/reuters
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