Jahresprognose ETF-Markt wächst deutlich langsamer

Wegen der anhaltenden Börsenturbulenzen hat nun auch der globale Branchenprimus Blackrock seine Wachstumsprognose für den ETF-Markt heruntergeschraubt. Statt von bis zu 30 Prozent geht Blackrock jetzt nur noch von maximal 15 Prozent Zuwachs im laufenden Jahr aus.
Börse in New York: Der Markt für gelistete Indexfonds wächst nicht mehr so schnell wie einst

Börse in New York: Der Markt für gelistete Indexfonds wächst nicht mehr so schnell wie einst

Foto: SPENCER PLATT/ AFP

Frankfurt am Main - "Wir gehen jetzt davon aus, dass der ETF-Markt 2011 um 10 bis 15 Prozent wachsen wird", sagte Kevin Feldman, der bei Blackrock für ETF-Marktanalysen verantwortlich ist, am Dienstagabend in einem Interview. Bislang hatte der US-Vermögensverwalter seine Prognose vom Jahresanfang aufrecht erhalten, in der er von 20 bis 30 Prozent Wachstum ausgegangen war.

"Unsere Prognose vom Januar beruhte auf der durchschnittlichen Wachstumsrate der vergangenen fünf Jahre", sagte Feldman. "Anfang dieses Jahres war beispielsweise nicht abzusehen, wie sehr sich die Euro-Krise ausweiten und den Aktienmarkt belasten würde."

Das Wachstum des verwalteten Vermögens der börsennotierten Indexfonds (ETFs) hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: der Wertentwicklung der zugrundeliegenden Anlageklassen und Neuinvestitionen. Weil rund zwei Drittel des weltweiten ETF-Vermögens auf Aktien entfallen, ist vor allem die Performance der Aktienmärkte entscheidend. Und diese liegen seit Jahresanfang überwiegend im Minus - der globale Aktienindex MSCI Welt beispielsweise rund 5 Prozent.

Oktober bester Monate 2011

Ende September hatte das verwaltete Vermögen der Branche noch in etwa auf dem Niveau von Ende 2010 notiert. Daraufhin hatte die Deutsche Bank  - einer der größten ETF-Anbieter weltweit - ihre Branchenprognose drastisch nach unten geschraubt. Das Institut, welches der zweitgrößte europäische ETF-Anbieter ist, geht für 2011 seitdem von 5 bis 10 Prozent Wachstum beim verwalteten Vermögen aus. Anfang Januar waren es noch rund 30 Prozent gewesen.

Kräftige Zuflüsse im Oktober haben dazu geführt, dass das weltweit in ETFs verwaltete Vermögen Blackrock zufolge bis Ende Oktober auf 1,39 Billionen Dollar angewachsen ist. Das waren rund 6 Prozent mehr als Ende 2010. "Der Oktober war vom weltweiten Wachstum her bislang der beste Monat in diesem Jahr", sagte Feldman. "Erfahrungsgemäß sind die letzten Monate im Jahr immer die stärksten, wenn es um ETF-Zuflüsse geht." Der Blackrock-Manager begründet das beispielsweise damit, dass institutionelle Investoren dann vermehrt Aktienpositionen gegen ETFs tauschen würden, um Gewinne aus Einzelwetten mitzunehmen und für den Rest des Jahres mit dem breiten Markt auf Nummer sicherzugehen.

Dass die Kritik an börsennotierten Indexfonds, welche in den vergangenen Monaten verstärkt laut geworden ist, das Wachstum hemmt, glaubt Feldman nicht. Unter anderem haben die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Internationale Währungsfonds (IWF) und der Finanzstabilitätsrat auf die Risiken für das weltweite Finanzsystem hingewiesen, die von ETFs ausgingen. Dabei kritisierten sie vor allem Derivate- und Wertpapierleihegeschäfte innerhalb der Portfolios. Denn dadurch sei für viele Investoren kaum nachvollziehbar, welche Investitionsrisiken wo lägen.

"Ich denke nicht, dass die jüngsten Diskussionen um mögliche Risiken von ETFs die Investoren verunsichert und das Wachstum des Marktes dadurch gehemmt haben", sagte Feldman. "Sie haben allenfalls die Vorlieben der Anleger in Bezug auf die Konstruktionsweisen von ETFs verändert."

Von Carsten Lootze, Reuters
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