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Anlage: Deutschland im Goldrausch

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Euro-Krise Ein Schutzwall aus Gold?

Die Griechen stürzten die Finanzmärkte in dieser Woche einmal mehr in Turbulenzen. Turbulenzen, die den Goldpreis wieder steigen lassen. Denn nichts fürchten die Deutschen so sehr wie Inflation und Währungsreform, belegt eine aktuelle Studie.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Die Griechen haben das geschafft, worauf Goldexperten seit Monaten warten - die Ankündigung ihres Premierministers Giorgos Papandreou, ein Referendum zu den Sparpaketen durchführen zu wollen, ließ den Goldpreis nach dem Kursrutsch im September wieder deutlich steigen.

Selbst, als Papandreou von diesem Plan wieder Abschied nahm, stieg der Goldpreis weiter. Es bleibt die Frage, wie es mit dem Euro weitergehen wird. Eine Unsicherheit, die den Wert des Goldes wieder steigen lassen. "Gold  ist zwar nicht wirklich ein strukturell knappes Gut - aber es ist eine Angstwährung", bestätigt Ralf Müller-Rehbehn, Fondsmanager bei VCH.

Ist Gold also das einzig Wahre in der Krise? Zumindest in den Augen der Deutschen lautet die Antwort ja. Das hat eine aktuelle Erhebung der Steinbeis-Hochschule Berlin herausgefunden. Gut 50 Prozent der Deutschen fürchten eine Währungsreform. Gold wäre in so einem Fall der ideale Wertaufbewahrungsgegenstand. Und rund 70 Prozent fürchten sich vor einem Anstieg der Inflation.

Mehr als 80 Prozent der Deutschen kaufen Gold genau aus diesen Gründen. Vor allem in den vergangenen drei Jahren. Denn mehr als 40 Prozent des Goldes, das in den Händen der Deutschen Haushalte liegt, wurde in den vergangenen drei Jahren erworben, immerhin im Wert von 70 Milliarden Euro.

Damit haben die Deutschen offenbar gute Chancen, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. "Die jüngsten Ereignisse rund um die Eurokrise machen einmal mehr deutlich, wie wichtig Gold als Teil der Vermögensanlage ist", sagt Rohstoffexperte Martin Siegel. Denn die Verschuldung der Länder steigt ebenso an wie damit der finanzpolitische Spielraum der Regierungen schwindet. "Der einzige Ausweg ist die Gelddruckmaschine der Notenbank", so Siegel."

Und das Summen dieser Maschine zöge eine steigende Inflation nach sich. Kein Wunder also, wenn die Menschen nach Sicherheit suchen. Und diese in den Augen Siegels sogar noch vergleichsweise günstig kaufen können.

Kauf-statt Verkaufswellen

"Der Markt ignoriert die ansteigenden Preise noch. Ansonsten hätte der Goldpreis schon längst neue Höchstkurse verzeichnet", so der Rohstoffexperte. Und selbst wenn man davon ausgeht, dass die Geldentwertung nicht steigt, sondern nur stabil bliebe; zumindest den Deutschen wäre es egal. Zwar halten sie Gold aufgrund der Preissteigerungen der vergangenen Jahre nicht mehr für so attraktiv wie vor einige Jahren, doch die Kaufbereitschaft steigt weiter, beobachten die Forscher.

"Die Tatsache, dass viele Investoren trotz der Preisanstiege im letzten Jahr nach wie vor bereit sind in Gold zu investieren, kann als Verunsicherungsindiz gewertet werden", schreiben die Wissenschaftler um Professor Jens Kleine vom Steinbeis Research Center for Financial Studies: "So wird Gold zwar als teuer angesehen, aber von den Anlegern aufgrund der Furcht vor einem Geldwertverlust weiter gekauft."

Das zeigt sich auch im Timing der Goldkäufe. Die Steinbeis-Hochschule beobachtet drei Wellen. Die erste rollte 2007/2008, zu Zeiten der Lehman-Insolvenz. Die zweite Welle begann im Jahr 2010, als die Probleme Griechenlands offenkundig wurden. Und die dritte Welle läuft seit Mitte 2011. Getrieben übrigens auch von den Zentralbanken der Welt. Denn die haben erstmals seit zwanzig Jahren mehr Gold gekauft als verkauft, beobachtet die Postbank .

Der Vermögensverwalter und Fondsmanager Bert Flossbach bringt es auf einen einfachen Nenner: Gold ist immer Gold, so sagt er und rät seinen Kunden zu 15 bis 20 Prozent Gold im Portfolio. Einen Schutzwall aus Gold.

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