Fed senkt Wachstumsprognose "USA kann sich nicht von Europa abkoppeln"

Die US-Notenbank hat ihre Wachstumsprognose gesenkt. Fed-Chef Ben Bernanke macht dafür die Schuldenkrise in der Euro-Zone verantwortlich: Man könne sich nicht von den europäischen Problemen abkoppeln.
Fed-Chef Bernanke: Wachstumsentwicklung "enttäuschend"

Fed-Chef Bernanke: Wachstumsentwicklung "enttäuschend"

Foto: CHIP SOMODEVILLA/ AFP

Washington - "Die Geldpolitik der Fed kann die USA nicht von den europäischen Problemen isolieren", sagte Bernanke am Mittwoch in seiner Pressekonferenz nach der Zinsenscheidung. Falls sich die wirtschaftliche Lage in den USA verschlimmere, dann stehe die Fed jedoch bereit, um zusätzliche Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft zu ergreichen.

Insgesamt bezeichnete Bernanke die Wachstums- und Arbeitsmarktentwicklung in den USA als enttäuschend. Das Wachstum habe sich zwar im dritten Quartal beschleunigt, es gebe aber weiter signifikante Abwärtsrisiken. Bei einer Eintrübung der wirtschaftlichen Entwicklung könne die Fed die Geldpolitik weiter lockern.

Bernanke schloss hier auch den erneuten Kauf von Hypothekenbesichtern Anleihen (MBS) nicht aus. Diese könnten kommen, wenn dies die Umstände erforderten. Der Häusermarkt sei ein wichtiger Sektor. Die US-Notenbank werde das ihr möglich tun, um Wachstum und den Arbeitsmarkt zu stützen. Die Geldpolitik der US-Notenbank sei jedoch bereits jetzt "sehr aggressiv".

Er selbst sei sehr unzufrieden mit dem aktuellen Zustand der US-Wirtschaft. Die Arbeitslosigkeit sei zu hoch.

Fed senkt Wachstumsprognosen für 2011 und 2012

Kurz vor der Pressekonferenz Bernankes hatte die US-Notenbank hatte ihre Wachstumsprognose für das laufende und das kommende Jahr gesenkt. So erwarten die Zentralbanker im Schnitt nur noch ein Plus von 1,6 bis 1,7 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr. Im Sommer hatten sie noch ein deutlich höheres Plus von rund 2,8 Prozent vorhergesagt.

2012 soll die Wirtschaftsleistung in den USA dann um 2,5 bis 2,9 Prozent zulegen (Junischätzung: 3,5 Prozent). Für den Arbeitsmarkt, neben dem Immobiliensektor die zweite Achillesferse der US-Wirtschaft, erwartet Bernanke im kommenden Jahr eine leichte Besserung. In diesem Jahr werde die Arbeitslosenquote noch über 9 Prozent verharren, 2012 dann auf 8,5 bis 8,7 Prozent sinken. Auch diese Werte sind für die USA, die jahrelang so gut wie keine Arbeitslosigkeit kannten, extrem hoch.

Im September hatte die Fed beschlossen, zur Stützung der lahmenden Konjunktur bis Mitte kommenden Jahres für 400 Milliarden Dollar lang laufende Anleihen zu kaufen. Parallel dazu sollen aus der in der Krise auf 2,9 Billionen Dollar aufgeblähten Bilanz kurz laufende Papiere im selben Umfang abgestoßen werden. Mit dieser nach dem historischen Vorbild der 60er-Jahre "Operation Twist" genannten Operation will die Fed die langfristigen Zinsen niedrig halten. An der Preisfront droht nach Einschätzung der Fed vorerst keine Gefahr: Für 2011 erwartet die Zentralbank im Schnitt eine Kerninflationsrate von 1,85 Prozent, im nächsten Jahr sollen es 1,75 Prozent werden.

la / reuters
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