Cevian Finanzinvestor steigt bei Bilfinger ein

Der Fonds Cevian wird mit 12,6 Prozent Ankerinvestor von Bilfinger Berger. Auf Vorstandschef Roland Koch kommen harte Zeiten zu, denn Cevian mischt sich aktiv ein, setzt auf schnelle Wertsteigerungen. Koch sagt schon mal, was er definitiv nicht machen wird.
Keine kurzfristigen Ausschüttungen. Roland Koch, Chef des Baukonzerns Bilfinger Berger, sagt seinem neuen Ankerinvestor schon mal, was nicht geht

Keine kurzfristigen Ausschüttungen. Roland Koch, Chef des Baukonzerns Bilfinger Berger, sagt seinem neuen Ankerinvestor schon mal, was nicht geht

Foto: DPA

Stuttgart - Wenige Monate nach seinem Wechsel an die Unternehmensspitze sitzt Ex-Politiker Roland Koch bei Bilfinger Berger  mit dem Fonds Cevian ein umtriebiger Ankerinvestor im Nacken. Der für seine aktive Investorenrolle bekannte Fonds erwarb 12,6 Prozent des Kapitals an dem mit üppigen Barreserven ausgestatteten Mannheimer Bau- und Dienstleistungskonzern und schwang sich damit zum größten Aktionär auf.

Cevian strebe zwar nicht an, den Anteil auf mehr als 30 Prozent zu erhöhen, sagte Cevian-Partner Jens Tischendorf der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Cevian sehe aber "klares Wertsteigerungspotenzial" und wolle das Unternehmen mit einem Sitz im Aufsichtsrat "nicht nur von außen beobachten, sondern auch von innen unterstützen", machte er die Marschroute deutlich. Der Fonds wurde in Deutschland vor allem als Aktionär des unlängst in die USA verkauften Kranherstellers Demag Cranes bekannt.

Kurzfristige Ausschüttungen wird es nicht geben, Koch vorab nicht informiert

Der zur Jahresmitte auf den Chefsessel bei Bilfinger gewechselte ehemalige hessische Ministerpräsident Koch begrüßte den neuen Investor, der für Pensionskassen, Stiftungen und Staatsfonds mehr als 3,5 Milliarden Euro Kapital verwaltet. Die Entscheidung von Cevian stelle "eine Bestätigung der erfolgreichen strategischen Ausrichtung des Konzerns" dar, sagte Koch.

Der über die Beteiligung nicht vorab informierte Vorstandschef zog sogleich ein rote Linie: Bilfinger wolle "ein am langfristigen Erfolg orientiertes Unternehmen bleiben", erteilte Koch kurzfristig höheren Ausschüttungen eine klare Abfuhr. Nach dem Verkauf des australischen Baugeschäfts sitzt Bilfinger auf einer Kriegskasse von gut einer Milliarde Euro. An der Börse kletterten die Aktien des mit knapp drei Milliarden Euro bewerteten Konzerns um 1,6 Prozent.

Cevian lobte den Kurs von Bilfinger Berger, den schon Kochs Vorgänger eingeschlagen hatte: Das Baugeschäft abzuschmelzen und den Konzern mit Zukäufen bei Ingenieur-Dienstleistungen etwa für Energieversorger oder Immobilienkunden rentabler zu machen. Bilfinger sei "gut durch die letzte Krise durchgekommen", sagte Cevian-Partner Tischendorf. Als "langfristig orientierter Investor" belaufe sich der Anlagehorizont auf drei bis sieben Jahre. Zu den bekannten Investments des seit 2002 aktiven Fonds gehören Anteile am schwedischen Lkw-Bauer Volvo und Metso aus Finnland.

Cevian hält sich höhere Beteiligung offen, harte Zeiten für Bilfinger

Eine höhere Beteiligung an Bilfinger Berger schloss Cevian nicht aus. Keinesfalls sei aber die Übernahme geplant, dämpfte der Fonds die Erwartungen, nachdem der Essener Baukonzern Hochtief mehrheitlich in die Hände des Konkurrenten ACS gefallen war. "Wir sind Minderheitsinvestor", sagte Tischendorf.

"Über 30 Prozent werden wir daher bei Bilfinger Berger nicht gehen." Bei der jüngsten Übernahme von Demag Cranes durch den US-Kranhersteller Terex hatte Cevian eine aktive Rolle gespielt und war im August mit hohem Gewinn ausgestiegen. Bei der Münchener Rück hatte sich der Fonds hingegen nach rund zweieinhalb Jahren Mitte 2010 mit Verlusten verabschiedet.

Für Bilfinger-Berger-Chef Koch brechen harte Zeiten an. Der Fonds versteht sich laut Eigenwerbung als Eigenkapitalgeber, "der sich aktiv in die Entwicklung seiner Portfoliounternehmen einbringt". Änderungen im Vorstand von Bilfinger seien nicht beabsichtigt, versicherte der Fonds. "Investoren wie Cevian setzen aber auf schnelle Wertsteigerungen", sagte ein Banker. "Andernfalls versuchen sie, das Management rasch auszustauschen."

Koch hatte im Sommer bei der Amtsübernahme angekündigt, binnen zwei Jahren das Dienstleistungsgeschäft mit Industriewartung und Gebäudemanagement durch Zukäufe internationaler machen zu wollen. Nach Jahrzehnten in der Politik "muss ich mich bei Bilfinger Berger beweisen", hatte Koch gesagt. Die prall gefüllte Kasse mache Bilfinger attraktiv für Angreifer. Dagegen schütze nur ein ausreichend großer Wertzuwachs für die Aktionäre, sagte der Wirtschaftsjurist, der um die Jahrtausendwende beinahe über die CDU-Parteispendenaffäre stolperte.

Zu den größten Anteilseignern von Bilfinger zählen die Vermögensverwalter Allianz (3,8 Prozent) und BlackRock (5,2 Prozent).

rei/reuters