Krise der Immobilienfonds "Unsere Liquiditätssituation ist gut"

Torsten Knapmeyer, Geschäftsführer Deka Immobilien, managt mit dem mehr als elf Milliarden Euro schweren "Deka-ImmobilienEuropa" den wohl größten offenen Immobilienfonds des Landes. Im Interview erklärt er, warum er die Liquiditätskrise der Branche bislang unbeschadet überstanden hat.
Deka-Zentrale in Frankfurt: Der "Deka-ImmobilienEuropa" ist einer der größten Immobilienfonds hierzulande - und hat keine Probleme mit der Liquidität

Deka-Zentrale in Frankfurt: Der "Deka-ImmobilienEuropa" ist einer der größten Immobilienfonds hierzulande - und hat keine Probleme mit der Liquidität

Foto: DPA

mm: Herr Knapmeyer, viele offene Immobilienfonds befinden sich in Liquiditätsschwierigkeiten, wie ist die Situation in Ihrem Fonds?

Knapmeyer: Die Liquiditätssituation im "Deka-ImmobilienEuropa" ist gut und entspricht unseren Planungen. Derzeit verfügt der Fonds über Liquiditätsreserven von rund 2,5 Milliarden Euro. Dies entspricht einer Liquiditätsquote von rund 22 Prozent.

mm: Würden sie das als komfortabel bezeichnen?

Knapmeyer: Ein klares Ja. Wir halten in diesem Fonds schon länger eine höhere Liquiditätsquote und nehmen dabei die dämpfende Wirkung auf die Performance im Interesse unserer Anleger bewusst in Kauf. Die Stabilität des Fonds hat bei uns oberste Priorität und geht der Erstplatzierung in Performance-Ranglisten immer vor. Seit dem Jahr 2006 setzen wir auf eine konsequente Mittelzuflusssteuerung durch Kontigentierung.

mm: Hatten Sie denn im Laufe der Krise, also seit 2008/2009, überhaupt keine Liquiditätsengpässe oder erhöhte Abflüsse?

Knapmeyer: Beim "Deka-ImmobilienEuropa" hat es seit der Krise in den Jahren 2008 und 2009 keine Liquiditätsengpässe oder erhöhte Abflüsse gegeben. Das Gegenteil ist der Fall: Im Kalenderjahr 2010 hat der Fonds Nettomittelzuflüsse von rund 700 Millionen Euro verzeichnet. Auch im laufenden Jahr weist der Fonds Mittelzuflüsse im Rahmen der mit den Sparkassen vorabgestimmten Verkaufskontingente auf.

mm: Weshalb geht es Ihnen so viel besser als der Konkurrenz, die ihre Fonds schließen beziehungsweise sogar abwickeln muss?

Knapmeyer: Dies hat mehrere Gründe. Wir trennen seit dem Jahr 2006 konsequent die Gelder von institutionellen und privaten Anlegern. Über 90 Prozent der Investoren im "Deka-ImmobilienEuropa" sind Privatanleger. Zudem ist unsere ganze Managementphilosophie auf Stabilität ausgelegt. Wir investieren beispielsweise regelmäßig nennenswerte Beträge in unsere Bestandsimmobilien und in unsere Vermietungsaktivitäten. Wir betreiben eine antizyklische Kauf- und Verkaufspolitik, um die Zyklen auf den Immobilienmärkten zu nutzen. Darüber hinaus setzen wir auf große Fonds mit einer hohen geographischen und sektoralen Diversifikation, die Marktschwankungen deutlich besser abfedern als kleinere Portfolien.

mm: Dennoch, strahlen die Probleme der Konkurrenz nicht auf Sie ab?

Knapmeyer: Prinzipiell sind negative Nachrichten auch für uns nicht hilfreich. Allerdings haben wir während der turbulenten Zeit seit Herbst 2008 durch eine sehr enge und offene Kommunikation sowie durch die stabile Entwicklung unserer Fonds in dieser Zeit, eine sehr enge Vertrauensbeziehung zu unserem exklusiven Vertriebspartner, den Sparkassen, aufbauen können. Das macht es uns möglich über alle Marktirritationen gezielt aufzuklären, bevor Schaden entsteht.

mm: Hat die Assetklasse der offenen Immobilienfonds durch die Ereignisse der vergangenen Jahre nachhaltig Schaden genommen?

Knapmeyer: Natürlich haben die Entwicklungen in den vergangenen Jahren der Branche nicht geholfen. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass es bei offenen Immobilienfonds erhebliche Unterschiede gibt. Mittlerweile können wir der sich deswegen abzeichnenden Differenzierung innerhalb der Branche aber durchaus auch Positives abgewinnen. Wir beobachten, dass Anleger stabilitätsorientiert konzipierten Produkten unverändert Vertrauen schenken.

mm: Welche Entwicklung erwarten Sie in der Zukunft?

Knapmeyer: Wir gehen davon aus, dass sich die Marktbereinigung bei offenen Immobilienfonds fortsetzt. Für vertrieblich gut verankerte und stabil aufgestellte Fonds stellt dies jedoch kein unlösbares Problem dar. Durch das neue Anlegerschutzgesetz kehren offene Immobilienfonds zudem zu den Rahmenbedingungen zurück, unter denen sie sich als reines Privatkundenprodukt lange Zeit bewährt haben. Wir begrüßen ausdrücklich die neuen gesetzlichen Regelungen zu offenen Immobilienfonds, da diese die Langfristigkeit der Anlage und die darin liegenden Produktvorteile unterstreichen.

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