Bankhaus-Lampe-Chef Schüller "Am Ende bleibt allen weniger in der Tasche"

Die Euro-Schuldenkrise wird für viele Anleger noch teuer, glaubt Stephan Schüller. Mit manager magazin Online sprach der Chef des Bankhauses Lampe über Wege aus dem Schlamassel - und über sein derzeitiges Lieblingsthema: die Neuen Energien.
"Es muss einen Schuldenschnitt geben": Bankhaus-Lampe-Chef Schüller hat eine klare Meinung zur Euro-Schuldenkrise

"Es muss einen Schuldenschnitt geben": Bankhaus-Lampe-Chef Schüller hat eine klare Meinung zur Euro-Schuldenkrise

Foto: Sepp Spiegl

mm: Herr Professor Schüller, nicht nur angesichts des aktuellen Euro-Gipfels in Brüssel kommt man bei einem Gespräch über Banken in diesen Tagen um das Thema Euro-Schuldenprobleme und Griechenland nicht herum. Wie sehr ist Ihr Haus von der Krise betroffen?

Schüller: Wir sind nicht direkt betroffen, denn wir haben kein Exposure in Griechenland oder anderen gefährdeten Euro-Staaten. Was wir aber natürlich sehen ist die enorme Verunsicherung der Märkte und die Konsequenzen auf die Aktivitäten unserer Geschäftspartner, sowohl im institutionellen Bereich also auch bei Privatkunden. Vor allem bei letzteren ist die Verunsicherung nicht unerheblich.

mm: Macht sich das in Form von Mittelabflüssen bemerkbar?

Schüller: Wir haben keine Abflüsse von Geldern, aber Umschichtungen, und zwar in sehr konservative Anlagen. Es werden plötzlich Assetklassen in einer Form nachgefragt, die die Renditemöglichkeiten zum Teil massiv einschränken. Wenn Sie zum Beispiel in Hamburg-Eppendorf zurzeit ein Zinshaus erwerben, zahlen Sie einen Kaufpreisfaktor vom bis zu 33fachen der Nettojahreskaltmiete. Da muss schon sehr viel Wertsteigerung entstehen, damit sich das rechnet. Ähnlich ist es mit dem Investment in Gold .

mm: Wenn Sie auch nicht in den fraglichen Anleihen investiert sind, wie beurteilen Sie die Aussicht auf einen Schuldenschnitt für Griechenland von bis zu 60 Prozent, wie er auch auf dem Gipfel in Brüssel diskutiert wird?

Schüller: Ich bin der Ansicht, es muss einen solchen Schuldenschnitt geben, anders kann es nicht funktionieren. Und es wäre besser, einen klaren Schnitt jetzt zu vereinbaren, als immer weiter herumzulavieren.

mm: Die Euro-Schuldenprobleme wären damit aber noch nicht gelöst.

Schüller: Es wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Es reicht ja ein simples Excel-Sheet, um zu errechnen, dass Griechenland seine gegenwärtigen Schulden niemals wird begleichen können. Nach einem Schuldenschnitt könnte es sogar noch nötig werden, der ein oder anderen Bank mit hohen Abschreibungen in den Büchern unter die Arme zu greifen. Aber es ist wichtig zu zeigen, dass es durchaus ein Insolvenzrisiko gibt, und dass sich Spekulationen in Krisenländern letzten Endes nicht auszahlen.

mm: Wie sieht Ihr Lösungskonzept für die Euro-Schuldenkrise aus?

Schüller: Man wird tatsächlich noch einmal einen großen Rettungsschirm aufspannen müssen. Nach meiner Meinung sollte der gemäß dem Interesse der Bundesregierung mit einem Limit versehen sein. Die Märkte werden so lange keine Ruhe geben, bis eine klare Lösung gefunden ist. Und danach werden wir vermutlich ein Repressionsszenario sehen: mit Inflationsraten von 3 bis 5 Prozent und gleichzeitig langfristig sehr niedrigen Zinsen.

mm: Das heißt, am Ende zahlt nicht der Steuerzahler die Zeche, sondern der Anleger, der mit der Inflation zu kämpfen hat.

Schüller: Man darf nicht vergessen, dass Steuerzahler und Anleger in weiten Teilen deckungsgleich sind. Entscheidend ist: Die Staatsschulden zeigen, dass mehr ausgegeben wurde, als hereingekommen ist. Am Ende bleibt deshalb allen weniger in der Tasche, so einfach ist das.

mm: Um auf Dauer nicht wieder eine solche Krise zu bekommen, erscheint aber noch mehr Veränderung erforderlich, beispielsweise bei der Wettbewerbsfähigkeit von Ländern wie Griechenland sowie der Haushaltsdisziplin dort.

Schüller: Ja, wir werden sicher Einschränkungen der Spielräume einzelner Länder sehen, was das Thema Finanzen angeht. Anders sind die Rettungsmaßnahmen auch gar nicht zu rechtfertigen.

mm: Erwarten Sie die vielfach diskutierte europäische Wirtschaftsregierung?

Schüller: Ob es soweit gehen wird, weiß ich nicht. Dass es jedoch stärkere Sanktionierungsmaßnahmen geben wird, davon bin ich überzeugt.

"In der Betriebsgrößendiskussion wird viel Unsinn erzählt"

mm: Sie beschäftigen sich derzeit ohnehin weniger mit der Schuldenkrise als vielmehr mit dem Thema erneuerbare Energien. Was genau haben Sie in dem Bereich vor?

Schüller: Wir glauben, dass man sich als verantwortliches Unternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen muss. Für unsere Kunden, mittelständische Unternehmer und institutionelle Anleger, werden erneuerbare Energien immer wichtiger: im Zuge der Energiekosten, bei der zukünftigen Ausrichtung der Geschäftsmodelle und als Anlagemöglichkeit. Zu dem Zweck haben wir schon vor dreieinhalb Jahren den Fonds Conetwork Erneuerbare Energien - kurz CEE - gegründet. In dem Fonds befinden sich seit der jüngsten Kapitalrunde 270 Millionen Euro. Die werden ausschließlich in Erneuerbare Energien investiert.

mm: Von wem kommt das Geld?

Schüller: Investoren sind bislang rund 20 institutionelle Kunden. Dazu zählen zum Beispiel zwei große Versicherungen, mehrere Pensionskassen, Versorgungswerke und einige Family Offices. Also das gesamte Spektrum institutioneller Anleger.

mm: Für Privatanleger bieten Sie solche Investments nicht an?

Schüller: Nein, unseren Privatkunden bieten wir seit jeher keinerlei eigene Produkte an, daran ändern wir auch beim Thema erneuerbare Energien nichts.

mm: In was wird genau investiert?

Schüller: Wir können mit dem gegenwärtigen Volumen des Fonds rund eine Milliarde Euro investieren. Das Geld fließt in zwei Gruppen von Investments. Zum einen handelt es sich um Private Equity für Unternehmen, die sich mit regenerativen Energien beschäftigen. Der größere Teil fließt direkt in die Produktion erneuerbarer Energien. Wir investieren also in Solar- und Windparks sowie in Biogasanlagen. Damit erreichen wir einen relativ stabilen Cash-Flow, während wir über die Private-Equity-Komponente ein Upside erzielen wollen.

mm: Und wie sehen die weiteren Pläne aus?

Schüller: Wir bauen das Gebiet sukzessive aus. Zum Beispiel bereiten wir gerade einen separaten Biomassefonds vor, den wir unseren institutionellen Kunden demnächst ebenfalls anbieten wollen.

mm: Welchen Anteil hat denn der Bereich neue Energien zurzeit an ihrem Gesamtgeschäft, zum Beispiel an Umsatz und Ertrag?

Schüller: Das ist noch vergleichsweise gering. Wir sind froh, dass wir seit der zweiten Kapitaltranche mit dem Fonds als Assetmanager Geld verdienen. Wenn ich allerdings die Verbundeffekte mitrechne, was also an M&A-Transaktionen in dem Bereich schon zustande gekommen ist und wie auch Neue-Energien-Aktien von institutionellen Anlegern zunehmend nachgefragt werden, dann sieht man, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

mm: Und wo soll der hinführen, sprich: Welche Zielgrößen verfolgen Sie?

Schüller: Da haben wir schon Erlösvorstellungen - die wollen wir aber nur ungern nennen.

mm: Kritische Stimmen sagen, eine Bank brauche eine Mindestgröße und die habe das Bankhaus Lampe noch nicht. Ist der Bereich erneuerbare Energien als Wachstumsfeld Ihre Antwort auf diese Bedenken?

Schüller: Erstmal glaube ich, dass unsere Größe ausreicht, um die Bank weiterzuentwickeln. Zudem haben wir genügend organische Wachstumsmöglichkeiten. Grundsätzlich bin ich ohnehin der Ansicht, dass in der Betriebsgrößendiskussion auch viel Unsinn erzählt wird. Schließlich gibt es auch die Diskussion, dass wir bestimmte Banken kleiner kriegen wollen. Das Thema erneuerbare Energien machen wir, weil wir damit zum einen unsere Bereitschaft zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung dokumentieren wollen. Zum anderen bauen wir eine Branchenkompetenz auf.

mm: Das heißt Sie sehen darin den Punkt, in dem Sie sich vom Rest der Banken in Deutschland abheben wollen.

Schüller: Richtig, wenn es um das Thema erneuerbare Energien geht, dann denkt man an das Bankhaus Lampe und an Lampe Corporate Finance.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.