Altersvorsorge Goldmünzen statt Riester-Rente

Die Unsicherheit unter Anlegern ist so groß, dass Gold laut einer Studie bereits beliebter ist als die staatlich geförderte Riester-Rente. Immer mehr Anleger bauen zinslose Goldinvestments in ihre Altersvorsorge ein - allen Risiken zum Trotz. Robert Hartmann, Chef des Handelshauses Pro Aurum, erklärt warum.  
Goldmünzen des Typs Krügerrand: Anleger stocken ihre Bestände auf und sehen das Investment als Altersvorsorge - obwohl die Einstiegspreise hoch sind und Gold keine Zinsen bringt

Goldmünzen des Typs Krügerrand: Anleger stocken ihre Bestände auf und sehen das Investment als Altersvorsorge - obwohl die Einstiegspreise hoch sind und Gold keine Zinsen bringt

Foto: © Siphiwe Sibeko / Reuters/ REUTERS

mm: Herr Hartmann, Umfragen zufolge wird Gold inzwischen auch als Element der Altersvorsorge betrachtet. Beobachten Sie dies ebenfalls in ihrer täglichen Arbeit?

Hartmann: Ja, wir sehen einige Anleger, die einen Teil ihrer Lebensversicherungen aufkündigen und in Edelmetalle umschichten. Aber noch ist das kein Massenphänomen.

mm: Eine aktuelle Studie der Postbank hat allerdings ergeben, dass es bald eins werden könnte. Laut der Studie ist Gold als Form der Altersvorsorge sogar beliebter als beispielsweise eine staatlich geförderte Riester-Rente.

Hartmann: In die Richtung deutet auch das Ergebnis einer Forsa-Umfrage, die wir haben erstellen lassen. Ziel der Untersuchung war es zu ermitteln, welche der fünf vorgegebenen Geldanlagen - Aktien, Anleihen, Festgeld, Fondsanteile und Gold - aus Sicht der Bürger am besten als langfristige Geldanlage mit mindestens drei Jahren Laufzeit geeignet ist.

mm: Was kam heraus?

Hartmann: An erster Stelle platziert sich Gold. 34 Prozent der Bürger würden sich heute für diese Anlage entscheiden, weil sie vermuten, dass Gold nach mindestens drei Jahren Laufzeit den meisten Gewinn bringt. 22 Prozent halten Festgeld für besonders lukrativ, wenn es um langfristige Geldanlagen geht. Mit deutlichem Abstand folgen dann erst Fondsanteile, Aktien und Anleihen.

mm: Ein Zeithorizont von drei Jahren ist vergleichsweise überschaubar, bis zum Ruhestand dauert es bei vielen jedoch viel länger. Deshalb heißt es allgemein, ein Altersvorsorgeprodukt sollte vor allem zwei Kriterien erfüllen: Geringes Verlustrisiko und stabile Wertentwicklung. Gold dagegen bringt keine Zinsen und steht historisch betrachtet zurzeit auf hohem Preisniveau. Wie vernünftig kann es da sein, das Edelmetall als Altersvorsorgeprodukt zu betrachten?

Hartmann: Bei Gold geht es um Sicherheit für das angesparte Kapital und nicht um eine Verzinsung. Im Gegensatz zu Geld, Anleihen und Aktien ist Gold nicht beliebig vermehrbar und unterliegt keinem Zahlungsversprechen eines Staates oder eines Unternehmens. Diese Eigenschaften sind heute besonders gefragt. Auch wenn der Goldpreis historisch betrachtet hoch erscheint, sollte man einen Teil seines liquiden Anlagevermögens in unabhängigen Investments platzieren.

mm: Aber nochmal: Eine Verlustabsicherung gibt es nicht. Und weil die derzeitige Unruhe auf den Finanzmärkten - Stichwort Euro-Schuldenkrise - als Haupttreiber für die Flucht in die Sicherheit gilt, müsste auch nach einer möglichen Lösung der Euro-Probleme der Goldpreis wieder zurückkommen.

Hartmann: Das ist richtig. Es geht aktuell einzig und allein um die Frage, ob Staaten und Banken die aktuelle Krise überstehen werden. Sollte das gelingen, was ich sehr hoffe, sollten die Edelmetalle im Preis gegenüber anderen Anlageklassen wieder abwerten. Ich wage allerdings heute keine Prognose und halte eine Versicherung für das erarbeitete Kapital in Form von Edelmetallen bis zur Klärung dieser Frage für sehr sinnvoll.

mm: Eine solche Klärung dürfte aber kaum mit Ansage kommen. Die Privatanleger brauchen erfahrungsgemäß am Beginn derartiger Preiskorrekturen am längsten, um darauf zu reagieren, und verbuchen daher die größten Verluste, siehe die Ereignisse am Neuen Markt Anfang des vergangenen Jahrzehnts.

Hartmann: Ja, die Masse der Anleger kommt meist zu spät. Das gilt aber auch für den Kauf. Bevor es zu einem Markteinbruch wie seinerzeit am Neuen Markt kommt, müssen wir zunächst einen Massenmarkt bekommen. Und soweit ist es am Goldmarkt noch lange nicht. In vergangenen Haussephasen gingen die Werte für den Anteil der Menschen, die bereits Gold besaßen, auf bis zu 40 Prozent in die Höhe. Derzeit sind wir noch bei lediglich 8 Prozent.

"Am besten Goldbarren"

mm: Was hat Gold denn zu bieten, was beispielsweise eine Lebensversicherung nicht hat?

Hartmann: Einen Inflationsschutz. Es ist letztlich eine Glaubensfrage, ob man in der gegenwärtigen Situation der Weltwirtschaft eher eine Deflation oder eine Inflation erwartet. Meiner Meinung nach spricht viel für eine Inflation - und wer daran glaubt, der liegt mit Gold genau richtig.

mm: Wie hoch sollte der Anteil Gold in einem Portfolio, das der Altersvorsorge dienen soll, ihrer Ansicht nach maximal sein?

Hartmann: Wir haben den von uns empfohlenen Anteil im August dieses Jahres von 5 bis 10 Prozent auf nunmehr 10 bis 15 Prozent erhöht.

mm: Und in welcher Anlageform sollte man Gold erwerben, wenn man es sehr langfristig, also für die Altersvorsorge halten will?

Hartmann: Da ich Edelmetallhändler bin, wird Sie meine Antwort nicht überraschen, aber ich meine es ernst: Es müssen physische Edelmetalle sein. Am besten Barren von weltweit anerkannten Herstellern beziehungsweise bekannte Goldmünzen zur Kapitalanlage. Beispiele sind die Krügerrand, Maple Leaf oder Philharmoniker im Gewicht von einer Unze, also 31,1 Gramm.

mm: Warum keine Wertpapiere, beispielsweise Gold-ETFs?

Hartmann: Gold-ETFs sind börsengehandelte Wertpapiere. Das über diese Papiere ausgereichte Gold wird physisch beim Emittenten gelagert. Der direkte Zugriff für den Investor ist nicht gegeben. Um handeln zu können, müssen die Börsen geöffnet sein, was in der Vergangenheit auch nicht an jedem Tag gewährleistet war. Ein weiterer Aspekt ist die Tatsache, dass ETFs im Gegensatz zu physischem Gold der Abgeltungssteuer unterliegen. Das ist langfristig betrachtet ein gravierender Nachteil.

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