Montag, 24. Juni 2019

Sunpower-Chef Tom Werner "Niemand ist so aufgestellt wie wir"

Sunpower-Chef Tom Werner: "Niemand ist so aufgestellt wie wir"

Wer überlebt in der Solarbranche? Tom Werner, CEO des US-Konzerns Sunpower, spricht über die vier Schüsselfaktoren, um im Wettbewerb mit den Chinesen zu bestehen. Er erklärt, wie sein Unternehmen vom neuen Großaktionär und Ölgiganten Total profitiert - und warum seine Solarzellen gut zu Bayer Leverkusen passen.

mm: Herr Werner, in Amerika sind in den vergangenen Monaten mehrere bekannte Solarunternehmen pleitegegangen. In Deutschland sieht es kaum besser aus. Wie lange wird die Konsolidierung dauern?

Werner: Ich würde es eher Marktbereinigung nennen, nicht Konsolidierung. Schließlich wird hier niemand übernommen. Es gab zuletzt vier Pleiten. Neben Evergreen und Solyndra hat es ja auch das Unternehmen Spectrawatt, ein Spin-off von Intel Börsen-Chart zeigen , erwischt. Zuletzt dann das Unternehmen Stirling Energy. Ich denke, dass die Marktbereinigung erst begonnen hat. Sie wird einige Jahre dauern. Gleichzeitig werden die Preise fallen und es werden sich neue Märkte auftun.

mm: Wie viele Wettbewerber werden überleben?

Werner: Aus meiner Sicht werden in fünf bis zehn Jahren vielleicht fünf große Solarkonzerne den Markt dominieren.

mm: Ähnlich wie in anderen Industrien.

Werner: Ja. Am Ende kommt es auf Skalenerträge, auf Diversifikation, auf Vertriebsstrukturen an. Nicht jedes Unternehmen kann diese Kombination bieten.

mm: Spielt die Finanzkraft keine Rolle?

Werner: Ich halte vier Faktoren für bedeutsam. Das Wichtigste ist, dass Ihre Produkte die Energiekosten der Kunden stärker senken sollten als andere Produkte. Zweitens müssen Sie kapitalstark sein. Dabei geht es nicht nur um Kredite, sondern auch um die Fähigkeit, die Finanzierung großer Solarprojekte zu stemmen. Drittens brauchen Sie ausgebaute Vertriebskanäle. Es gibt einige Unternehmen in der Branche, die haben zwar gute Produkte, sind aber dennoch vollkommen unzufrieden, da sie diese nicht verkauft bekommen. Ihnen fehlt der richtige Marktzugang. Darüber hinaus ist aus meiner Sicht die Differenzierung wichtig. Wenn sich Ihre Produkte nicht von denen anderer unterscheiden, haben Sie keine Spielräume in der Preisgestaltung - dann bleibt nur die Strategie der Kostenführerschaft.

mm: Sie sprechen von Differenzierung. Gleichzeitig gilt die Massenproduktion in der Solarindustrie als unabdingbar. Wie passt das zusammen?

Werner: Nehmen Sie die Automobilindustrie. Da gibt es Hersteller wie Mercedes-Benz. Die stellen Premiumprodukte für den Massenmarkt her. Die Skalierung hat der Konzern dabei aber stets im Blick.

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