Montag, 27. Januar 2020

Firmenkäufe Europas Konzerne vor Milliardenabschreibungen

Fotostrecke: Diese Branchen haben Abschreibungsbedarf
DPA

Europas Großkonzerne haben 2010 auffällig geringe Abschreibungen auf die Bewertungen übernommener Firmen vorgenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Investmentbank. Die Banker gehen von erheblichem Nachholbedarf aus - vor allem für Energiekonzerne und Geldhäuser, darunter auch deutsche.

Hamburg - Europas Vorstandschefs scheuen Abschreibungen auf die Firmenwerte übernommener Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngst veröffentlichte "Goodwill Impairment Study 2011-2012" der Investmentbank Houlihan Lokey.

Die Untersuchung setzt verschiedene Kennzahlen der im europäischen Börsenindex EuroStoxx Börsen-Chart zeigen gelisteten Konzerne ins Verhältnis: darunter die durchschnittliche Börsenkapitalisierung in den Jahren 2006 bis 2010, die Ausgaben für Zukäufe und Übernahmen, die Abschreibungen auf den Geschäfts- oder Firmenwert der übernommenen Firmen, kurz Goodwill, und den Buchwert des Eigenkapitals im genannten Betrachtungszeitraum.

Auf Basis dieser Kennzahlen haben die Experten eine Art Wetterbericht vorgelegt, die den vermeintlichen Abschreibungsbedarf für den Goodwill branchenübergreifend vorhersagt. Der sogenannter Impairment Risk Factor (IRF) teilt dabei die Erwartungen der Analysten von Houlihan Lokey mit Blick auf die verschiedenen Branchen in "sonnig", "wolkig", "regnerisch" und "stürmisch" ein.

Die gute Nachricht: Für keine untersuchten Branche sind die Aussichten generell "regnerisch" oder "stürmisch". Die schlechte Nachricht: für einzelne Unternehmen gilt dies nicht. Bei 22 Prozent der Unternehmen liegt die Börsenkapitalisierung laut Berechnungen der Analysten unter dem Buchwert des Eigenkapitals.

1,9 Billionen Euro für Zukäufe und Übernahmen

Das könne "entweder eine günstige Kaufsituation signalisieren oder aber ein Indikator für ein hohes Impairment-Risiko sein", sagt einer der Autoren der Studie, Marc Hayn. Denn ein Impairment, also eine Minderung der Werte übernommener Firmen, müsste irgendwann nachgeholt werden.

Der Grund: Unternehmen müssen die Differenz aus dem Kaufpreis und dem Buchwert gekaufter Firmen als Goodwill in der Bilanz aktivieren. Demnach muss jedes Jahr ermittelt werden, ob dieser Wert noch gerechtfertigt ist oder der Zukauf an Wert verloren hat.

Laut Studie haben die im EuroStoxx 500 gelisteten Konzerne von 2006 bis 2010 rund 1,9 Billionen Euro, also 1900 Milliarden Euro, für Übernahmen ausgegeben. Dies entsprach Ende 2010 rund 26 Prozent ihrer Marktkapitalisierung.

Im untersuchten Zeitraum wurden dabei 187 Milliarden Euro an Abschreibungen auf Goodwill vorgenommen. Von diesem Betrag entfielen allerdings nur 14 Milliarden auf das vergangene Jahr 2010.

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