Anlage Was Fonds von Nobelpreisträgern lernen können

Aktienanlage ist üblicherweise nüchternes Zahlenklauben. Dabei macht ein Nobelpreisträger vor, dass es auch andere Möglichkeiten gibt. Catherine Wood von ACM Bernstein versucht dessen Grundidee für Investmetfonds zu nutzen.
Von Arne Gottschalck
Nicht für die Schule, fürs Leben lernen: Manche Erkenntnisse von Nobelpreisträgern wirken praxisfern - doch andere können auch in der Praxis Anwendung finden

Nicht für die Schule, fürs Leben lernen: Manche Erkenntnisse von Nobelpreisträgern wirken praxisfern - doch andere können auch in der Praxis Anwendung finden

Foto: Jenny Kallenbrunnen/ dpa

mm: Frau Wood, Sie investieren in "Themen". Das kann alles und nichts bedeuten.

Wood: In dem Umfeld, dem Sentiment, müssen die Märkte wieder auf die Beine kommen. Und gerade im Bereich der Trends gibt es einige Kaufgelegenheiten. Denn Trend sind ja lange laufende Entwicklungen.

mm: So wie Nikolai Kondratieff und in dessen Folge Nobelpreisträger Simon Kuznets und Jan Tinbergen, die auch von langfristigen Zyklen sprechen, die von bestimmten Innovationen ausgelöst werden?

Wood: Ja genau. Wir suchen nach diesen dominanten Themen. Dazu müssen in unseren Augen drei Voraussetzungen erfüllt sein. Es muss ein global gültiger Trend sein, der über Sektorgrenzen hinweg wirkt und die bestehenden Grenzen außer Kraft setzt.

mm: Das klingt etwas abstrakt, können Sie mir ein Beispiel nennen?

Wood: Einer der Trends ist zum Beispiel die Entschlüsselung des Genoms, die enorme technologishce Sprünge ermöglicht. Damit ist es unter anderem möglich, die Prädisposition für bestimmte Krankheiten zur erforschen. Es gibt ein Unternehmen, ein Spinoff eines Großunternehmens. Dafür haben sich Wissenschaftler zusammengetan und einen Test entwickelt, der untersucht, wie erfolgversprechend eine Chemotherapie bei Frauen mit Brustkrebs ist. Sie haben errechet, dass diese Therapie bei über der Hälfte der Frauen nicht anschlagen würde. Mit dem Test könnten sich diese Frauen diese schmerzhafte Form der Therapie sparen. 2008 kostete eine DNA Analyse noch rund 100.000 Dollar, bald wird diese nur rund 5000 Dollar kosten. Einer persönliche Analyse durchzuführen wird auch wesentlich schneller sein.

mm: Steuern Sie Ihr Portfolio damit automatisch weg vom Index?

Wood: Ja, das ist der Vorteil dieses Stils.

ETF als Schrotflintenanlage

mm: Etliche Ihrer Kollegen nutzen aber auch ETFs, um zum Beispiel ein bestimmtes Segment kostengünstig abzubilden. Das ist nichts für Sie?

Wood: Nein. ETFs sind ein Schrotflinteninvestment, wohingegen das unsere wie ein Scharfschützeninvestment ist. Sie suchen präzise aus, wo investiert werden soll, und kaufen nicht einfach den Markt. Und Ideen wie das Themeninvestment lassen sich damit nicht abbilden. Doch gerade die sind ja die langfristigen Treiber.

mm: Aber das bedeutet ja noch lange nicht, dass so ein Trend auch eine gute Anlageidee ist.

Wood: Das stimmt. Deswegen arbeitet ja auch ein separates Team nach den herkömmlichen Modellen und prüft die Zahlen der Unternehmen, die so einem Trend unterfallen.

mm: Sind eigentlich in jedem Thema auch Aktien greifbar? Für Infrastruktur zum Beispiel gibt es doch oftmals entweder nur große Aktiengesellschaften oder Private-Equity-Beteiligungen.

Wood: Nein, die Auswahl wächst. Vor allem gibt es eine Reihe kleiner Unternehmen, die diese Entwicklungen vorantreiben.

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