Freitag, 22. November 2019

Währungskrieg Chinas Dollar-Doppelpass gegen den Euro

Doppelstrategie: China hilft indirekt, den Dollar niedrig und den Euro-Kurs hoch zu halten

Im Welthandel braut sich eine unselige Kettenreaktion zusammen - angefacht von sinkendem Wachstum, einem gebremsten Güteraustausch und Chinas neuer Taktiererei auf dem Devisenmarkt. Der aufschäumende Protektionismus könnte auch die deutsche Wirtschaft heimsuchen. Mit empfindlichen Folgen.

Hamburg - Im Welthandel werden harte Bandagen angezogen: Der US-Senat beschließt eine Vorlage für Strafzölle gegen Importe aus Ländern mit schwacher Währung. Die Stoßrichtung ist China. Zugleich beschwert sich Kanada über den Versuch seines südlichen Nachbarn USA, weil dieser Importe, die über kanadische Häfen ins Land kommen, drosseln will. Das schadet Kanadas Handel. Derweil fordert Peking die Welthandelsorganisation (WTO) auf, Antidumping-Maßnahmen der USA gegen chinesische Shrimps und Diamantsägeblätter zu untersuchen.

Und Huawei, Chinas führender Telekomausrüster, wettert scharf gegen die USA, was selbst große Firmen sonst ungern riskieren. "Hört mit der fabrizierten Angst auf, wenn Ihr etwas zu sagen habt, tut das konkret", platzte es jüngst aus William Plummer, dem Vizepräsidenten für externe Kommunikation bei Huawei, heraus. Der Grund für den Wutausbruch des Managers: Die US-Administration hält Huawei aus Gründen "nationaler Sicherheit" strikt vom Aufbau eines drahtlosen landesweiten Notrufsystems fern. Genauere Begründung: Fehlanzeige.

In Südamerika hebt unterdessen Brasilien die Steuern auf importierte Autos an. Das soll die heimische Industrie gegen Billigeinfuhren schützen. Hier ist es der starke brasilianische Real, der die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft beeinträchtigt. Selbst die neutrale Schweiz lässt sich neuerdings mit der Koppelung des Franken an den Euro auf das ein, was Brasiliens Finanzminister Guido Mantega vor einem Jahr als den globalen "Währungskrieg" bezeichnet hat. Die Schweiz reiht sich in eine Gruppe von Ländern - meist Schwellenländer und rohstoffreiche Nationen - ein, die zumindest eine weitere Aufwertung ihrer Währungen begrenzen wollen, weil das ihre Konjunktur abwürgen könnte.

Ganz klar: Im Welthandel braut sich eine unselige Kettenreaktion zusammen, angefacht von sinkendem Wachstum, einem gebremsten Güteraustausch und Kapriolen am Devisenmarkt. Die wachsenden Spannungen rufen sogar die WTO auf den Plan. Deren Chef, Pascal Lamy, warnte vor wenigen Tagen, "dies ist nicht die Zeit für Alleingänge, sondern die Zeit, das globale Handelsregime zu stärken". Der Appell gegen den aufkeimenden Protektionismus hat einen guten Grund: Die WTO korrigierte Ende September ihre Prognose für den Welthandel im laufenden Jahr nach unten, von Plus 6,5 Prozent - wie im April vorhergesagt - auf 5,8 Prozent. Im vergangenen Jahr war der globale Güteraustausch um 14,1 Prozent expandiert.

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