Euro-Krise "Eine Last auch für die Emerging Markets"

Die Wirtschaftsdaten vieler Emerging Markets sind derzeit robuster als die der entwickelten Industrienationen. Noch profitieren die aufstrebenden Nationen nicht davon - denn die Euro-Krise bremst auch sie aus. Das kann sich bald ändern, meint Fondsmanagerin Caroline Gorman. 
Von Arne Gottschalck
Euro unter Druck: Auch die aufstrebenden Volkswirtschaften der Welt leiden mit

Euro unter Druck: Auch die aufstrebenden Volkswirtschaften der Welt leiden mit

Foto: Arne Dedert/ dpa

mm: Die Euro-Krise sorgt für ein verstärktes Interesse an Aktien und Anleihen aus den Emerging Markets. Fürchten Sie ein schlagartiges Abflauen und massive Mittelabflüsse, sollte die Krise gelöst werden?

Gorman: Im Gegenteil, wir würden eine Ralley in riskante Anlagen erwarten, die auch die Emerging markets (EM) umfassen, wenn die Eurokrise gelöst werden würde. Die Unsicherheit, die diese Eurokrise mit Blick auf das globale Wachstum und die Zukunft der europäischen Banken schafft, lastet ja auch auf der Stimmung in den Schwellenländern.

Zwar war die Krise insofern "gut" für diese Assetklasse, weil es die insofern besseren Parameter der EM beleuchtete - geringere öffentliche und private Schulden und ein stärkeres Wachstum - was zu Mittelzuflüssen führte. Doch sie führte auch zu Sorgen, die nicht mehr allein die Pigs-Staaten betreffen. Insofern wäre eine Lösung der Krise gut auch für die Assetklasse der Emerging Markets. Und selbst mit einer Lösung gehen wir davon aus, dass die entwickelten Länder unter der Schuldenlast und dem vergleichbar geringerem Wachstum leiden werden - und das für einige Jahre.

mm: Wie wird die Finanzkrise denn eigentlich in den Emerging Markets gesehen? Rechnet man sich dort zum Beispiel ernsthaft Chancen aus, den Europäern Marktanteile abzujagen?

Gorman: Die Krise in der Eurozone wird in den EM negativ bewertet. Immerhin exportieren diese Länder nicht nur direkt nach Europa, sondern sie leiden auch unter jeder Form der Unsicherheit, die die Aussichten der Weltwirtschaft betreffen. Insofern war der September ein sehr schwieriger Monat für die EM, als die verschlechterte Euro-Stimmung dorthin schwappte und prompt dazu führte, dass die Währungen dort abwerteten, weil einige Investoren, deren Geld in Anleihen in lokaler Währung steckte, ihre Gewichtung der EM reduzierten. Allerdings haben wir trotz des schwierigen September keine signifikanten Abflüsse gesehen.

mm: Sollten Länder ihre Finanzen auch in Ordnung bringen, indem sie ihr Tafelsilber verkaufen, sprich, Werte privatisieren?

Gorman: Es gibt Gründe für Privatisierungen, wo Unternehmen im Staatsbesitz nur ein Abflusskanal für öffentliche Gelder sind oder wo die notwendigen Kapitalinjektionen für die Modernisierung eines Unternehmens für die öffentliche Hand zu teuer ist. Es gibt viele EM, die erfolgreich über die vergangenen zwei Dekaden privatisiert haben, oftmals unter der Schirmherrschaft des IWF. Das kann Investoren dazu ermutigen, einen Glaubwürdigkeitsbonus zu zahlen, zumindest dann, wenn die Privatisierung als Teil einer glaubwürdigen Reform gesehen wird.

mm: Länderratings werden zumindest aus Sicht der kritisierten Euroländer inzwischen skeptisch gesehen - wie werten Sie die Ratings?

Gorman: Wir kümmern uns nicht viel um Länderrating und wir verlassen uns auch nicht auf sie. Wir nutzen unsere eigenen Maßstäbe, die uns helfen, die Aussichten eines Landes auf eine Fortsetzung der Krise oder eine Erholung abzuschätzen.

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