Hohe Staatsverschuldung Moody's verwarnt Frankreich

Warnschuss von Moody's: Wenn Frankreich in den kommenden drei Monaten nicht grundlegende Reformen anschiebt, droht dem Land die Herabstufung der Kreditwürdigkeit. Schon jetzt ist die Schuldensituation der Ratingagentur zufolge gravierender als in den anderen Staaten mit Topbonität.
Schock in Paris: Frankreich wäre nach den USA das zweite große Land, dessen Kreditwürdigkeit herabgestuft würde

Schock in Paris: Frankreich wäre nach den USA das zweite große Land, dessen Kreditwürdigkeit herabgestuft würde

Foto: JOEL SAGET/ AFP

New York - Innerhalb der kommenden drei Monate werde Moody's bewerten, inwieweit die französische Regierung die angekündigten Maßnahmen zur Reduzierung des Staatsdefizits umsetze, erklärte die Ratingagentur. Anhand dessen solle entschieden werden, ob Frankreich, das derzeit mit der Bestnote AAA bewertet wird, noch die Bedingungen für die Perspektive "stabil" erfülle.

Die Finanzstärke des Landes habe wegen der Belastungen durch die Finanzkrise nachgelassen. Schon jetzt sei die Schuldensituation in Frankreich gravierender als in den meisten anderen mit AAA benoteten Ländern, warnte die Agentur. Zudem könnten im Zuge der Schuldenkrise weitere Belastungen auf die Staatskasse zukommen - etwa im Falle weiterer Hilfen für Länder oder die Banken.

Neben Moody's bewerten derzeit auch die beiden anderen großen Ratingagenturen, Standard & Poor's und Fitch, Frankreich mit der Bestnote. Diese ermöglicht es dem Land, auf den internationalen Finanzmärkten unter günstigen Bedingungen Kredite aufzunehmen. Sollte Moody's zu dem Ergebnis kommen, dass die Note mit einer "negativen" Perspektive einhergeht, wäre Frankreich nach den USA das zweite große Land, dessen Kreditwürdigkeit herabgestuft wird.

Ökonomen rechnen bereits mit einer Abstufung

Moody's betonte, dass es sich bei der Studie um eine routinemäßig einmal jährlich stattfindene Überprüfung der Finanzlage Frankreichs handle. Die Agentur ist aber die erste der drei großen Konkurrenten, die die Höchstbewertung für Frankreich in Frage stellt. Im Zusammenhang mit den massiven Finanzproblemen der französisch-belgischen Großbank Dexia hatte die Ratingagentur Anfang des Monats noch die Stabilität Frankreichs betont, während sie Belgien vor einer Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit gewarnt hatte.

Erst gestern haben die Chefvolkswirte von Commerzbank und Barclays Capital Deutschland, Jörg Krämer und Thorsten Polleit, erklärt, dass sie mit einer Abstufung Frankreichs rechnen. "Ein neues Rettungspaket für die Schuldenländer im Süden der Währungsunion wird auch die französischen Staatsfinanzen belasten", sagte Krämer "Handelsblatt Online". Er sehe daher die Gefahr, dass die Ratingagentur Standard & Poor's die Bonitätsnote Frankreichs bereits in den kommenden Wochen mit einem negativen Ausblick versieht.

Auch für Barclays-Chefökonom Polleit ist die Gefahr, dass Frankreich sein AAA-Rating verliert, nicht von der Hand zu weisen. "Die Probleme der heimischen Banken können zu massiven zusätzlichen Belastungen für die Finanzlage des französischen Staates werden", sagte Polleit dem Onlineportal. Und die Haushaltslage der Franzosen sei bereits alles andere als vertrauenserweckend.

mg/rtr/afp/dapd
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