Freitag, 20. September 2019

Von Finck Millionäre gegen Milliardäre

Erbfeinde: August von Finck junior (im Bild) und Neffe Wilhelm junior werden seit Jahren mit Klagen aus dem ärmeren Familienkreis überzogen

Die Erbfehde des milliardenschweren Clans von Finck bietet ein Schauspiel voller Intrigen und menschlicher Abgründe. Der Streit um das Erbe könnte in einer Umverteilung des Nachlasses enden - eine Familientragödie nimmt ihren Lauf.

Hamburg - August von Finck war sicherlich kein Vater und Großvater, wie ihn sich ein Kind wünscht. Der 1980 im Alter von 81 Jahren verstorbene "Landwirt und Bankier" (Finck über Finck) galt als erzkonservativ und gnadenlos autoritär, sowohl im Beruf als auch im Privatleben.

Er zählte zu den glühenden Hitler-Bewunderern und Nazi-Unterstützern der ersten Stunde. 1933 trat er in die Partei ein. Später profitierte er von der Arisierung jüdischen Besitzes. Dennoch wurde er 1948 nur als Mitläufer eingestuft.

Warmherzigkeit war ihm fremd, Gefühle zu zeigen erst recht. Auch zu Hause zählte nur Leistung. Mit seinem jüngsten Sohn, dessen Zeugnisse die hohen Ansprüche nicht erfüllten, sprach der Vater seit dessen zwölftem Lebensjahr kaum noch ein Wort, es sei denn ein Machtwort.

Wenigstens der Tod August von Fincks hätte unter den Angehörigen rundherum Freude stiften können. Er hinterließ ein Milliardenvermögen, unter anderem eine Beteiligung an der Privatbank Merck Finck & Co., Aktienpakete an Allianz Börsen-Chart zeigen, Hochtief Börsen-Chart zeigen und Löwenbräu sowie riesigen Grundbesitz.

Doch seine letztwilligen Verfügungen sorgen noch heute, mehr als drei Jahrzehnte nach seinem Tod, für Verdruss. Ein beispielloser Erbstreit beschäftigt die Justiz bis hin zum Bundesgerichtshof.

Beispielloser Erbstreit bis zum Bundesgerichtshof

Schlimmer noch: Die jüngere Vergangenheit der von Fincks stellt sich als selbst inszenierte menschliche Tragödie dar: als eine Zusammenballung charakterlicher Unzulänglichkeiten wie Habgier, Neid und Misstrauen. Hinzu gesellen sich klassische Vater-Sohn-Konflikte, die Flucht vor strenger Moral in Drogenkonsum und religiösen Wahn.

Beim Landgericht München ist ein Streit anhängig, der die bisherige Verteilung des Nachlasses fundamental verändern könnte. Bislang liegt das Familienvermögen zum weitaus größten Teil in den Händen zweier Nachfahren des Patriarchen: seines zweitältesten Sohnes August ("Gustl") von Finck junior (81) und dessen Neffen Wilhelm ("Billy") von Finck junior (51). Gustls Familie rangiert in der mm-Liste der reichsten Deutschen mit 4,2 Milliarden Euro auf Platz 16, Billy mit 1,8 Milliarden an 59. Stelle.

Zur ärmeren, benachteiligten Verwandtschaft gehören die Söhne August von Fincks senior aus zweiter Ehe, Gerhard (57) und Helmut von Finck (52), sowie Helmuts Sohn Nino (25).

Gerhard wurde enterbt. Auch von Helmut hielt der Ahnherr nicht allzu viel. Immerhin hinterließ er seinem Jüngsten ein Drittel des Vermögens - jedoch nur als Vorerbe erbberechtigter Abkömmlinge.

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