Führungskrise Metro-Chefaufseher Kluge tritt zurück

Das Führungschaos bei Deutschlands größtem Handelskonzern Metro fordert ein weiteres Opfer. Kurz nach der Rückzugsankündigung des Vorstandschefs Eckhard Cordes gibt jetzt auch Aufsichtsratschef Jürgen Kluge seinen Abschied bekannt. Franz Markus Haniel soll nun selbst in den Aufsichtsrat einziehen.
Rückzug: Jürgen Kluge gibt den Vorsitz im Aufsichtsrat der Metro ab - er bleibt aber Chef des Haniel-Vorstands

Rückzug: Jürgen Kluge gibt den Vorsitz im Aufsichtsrat der Metro ab - er bleibt aber Chef des Haniel-Vorstands

Foto: Marius Becker/ picture alliance / dpa

Duisburg - Der Aufsichtsratschef des Handelsriesen Metro, Jürgen Kluge, hat seinen Rücktritt erklärt. Kluge werde im November aus dem Gremium ausscheiden, teilte Metros Großaktionär Haniel am Montag in Duisburg mit.

Nach den Auseinandersetzungen um die Führung der Metro AG sei es "jetzt Zeit für einen echten Neuanfang", erklärte Kluge demnach. Die öffentliche Diskussion um die Führung der Metro  habe "die Atmosphäre beeinträchtigt". Mit seinem Rückzug aus dem Kontrollgremium wolle er dafür sorgen, dass die Sacharbeit an der Spitze des Konzerns wieder in den Mittelpunkt rücke.

Kluge bleibe aber weiterhin Vorstandsvorsitzender des größten Einzelaktionärs, der Franz Haniel & Cie. GmbH, hieß es in der Erklärung der Haniel-Gruppe weiter.

Kluge erklärte, die Metro stehe vor großen Herausforderungen und brauche einen Neuanfang in der Führung. Die mehr als 280.000 Mitarbeiter verdienten es, dass Einigkeit zwischen den Aktionären, dem Aufsichtsrat und dem Vorstandsteam herrsche.

Anfang Oktober hatte bereits Metro-Chef Eckhard Cordes angekündigt, für eine Verlängerung seines bis zum 31. Oktober 2012 laufenden Vertrags nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

Haniel schickt Familienoberhaupt in den Aufsichtsrat

Metro-Großaktionär Haniel will mit dem Personalwechsel an der Spitze des Metro-Vorstands und -Aufsichtsrats eine strategische Neuausrichtung des Handelskonzerns vorantreiben. Franz Markus Haniel, der als Oberhaupt der Haniel-Eignerfamilie gilt, solle in den Aufsichtsrat des Düsseldorfer Handelsriesen einziehen, sagte ein Haniel-Sprecher am Montag. Der Aufsichtsrat müsse dann selbst über seinen Vorsitzenden entscheiden.

Haniel erwarte auch im Vorstand der Metro  einen "zügigen Neubeginn", betonte der Haniel-Sprecher.

Die Aktien von Metro  gaben im späten Handel überdurchschnittlich nach. Zuletzt lagen die Papiere des Handelskonzerns mit 2,53 Prozent im Minus bei 31,000 Euro. Ein Marktteilnehmer sprach von einem "abrupten Abschied".

Deutschlands größter Handelskonzern sorgte wochenlang mit Personalquerelen für Schlagzeilen. Lange Zeit ließ Großaktionär Haniel Gerüchte unkommentiert, dass Konzernchef Cordes gehen soll. Haniel und der zweite Metro-Großaktionär Schmidt-Ruthenbeck sprachen sich dann zwar für eine Vertragsverlängerung mit Cordes aus. Cordes steht dafür aber nun nicht mehr zur Verfügung. Ausgangspunkt war die Frage, ob der bis Ende Oktober 2012 laufende Vertrag mit Cordes verlängert wird.

In Eigentümerkreisen hieß es, dass ein Nachfolger für den Vorstandsvorsitz zügig ausgewählt werden soll. Zur Metro AG gehören die gleichnamigen Großhandelsmärkte, die Elektronikketten Media Markt und Saturn, der Lebensmittelhändler Real und die Kaufhof-Warenhäuser. Der Konzern hat 280.000 Mitarbeiter, davon 110.000 in Deutschland.

Haniel: Vom Musterknaben zum Ruhrkrepierer

la/reuters/afp
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