Insiderskandal US-Hedgefonds-Gründer Rajaratnam muss elf Jahre hinter Gitter

Der Milliardär erschwindelte sich mit Insider-Wissen bis zu 75 Millionen Dollar, seine Kontakte reichten in die Chefetagen großer Konzerne: Ein US-Gericht hat den Hedgefonds-Gründer Raj Rajaratnam zu elf Jahren Gefängnis verurteilt - der Milliardär kommt mit dem Strafmaß noch glimpflich davon.
Ex-Hedgefonds-Manager Raj Rajaratnam vor Gerichtsgebäude: Kranker Mann

Ex-Hedgefonds-Manager Raj Rajaratnam vor Gerichtsgebäude: Kranker Mann

Foto: EMMANUEL DUNAND/ AFP

New York - Der größte Insider-Skandal in der Geschichte der Wall Street endet für den Hauptangeklagten mit einer Haftstrafe: Ein Gericht in New York hat den US-Milliardär Raj Rajaratnam zu elf Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe in Höhe von zehn Millionen Euro verurteilt. Bereits im Mai war Rajaratnam schuldig gesprochen worden, mit vertraulichen Informationen an der New Yorker Börse Millionengewinne gemacht zu haben.

Das Urteil bleibt damit deutlich hinter dem Antrag der Staatsanwaltschaft zurück. Diese hatte eine Freiheitsstrafe von neunzehneinhalb Jahren für den Gründer des Hedgefonds Galleon gefordert. "Seine Verbrechen und deren Ausmaß spiegeln eine Krankheit in unserer Geschäftskultur wider, die ausgemerzt werden muss", sagte Richter Richard Holwell in seiner Begründung.

Der 54-jährige Rajaratnam ist allerdings ein kranker Mann: Er leide an fortgeschrittenem Diabetes und benötige eine Nierentransplantation, führte Richter Holwell weiter aus. Dies habe zu dem vergleichsweise milden Urteil beigetragen. Zudem sei das karitative Engagement des Milliardärs ins Gewicht gefallen - unter anderem hob Holwell die Unterstützung Rajaratnams für Opfer des Erdbebens in Pakistan oder den Anschlägen des 11. September hervor.

Der Goldman-Sachs-Chef als Zeuge

Der Fall Rajaratnam hatte erhebliches Aufsehen erregt: Zahlreiche Börsenprofis, Spitzenmanager und Anwälte hatten untereinander börsenrelevante Informationen ausgetauscht. Laut Staatsanwaltschaft profitierte Rajaratnam allein mit 70 bis 75 Millionen Dollar von dem Insider-Wissen. Die Ermittlungen dauerten mehr als sechs Jahre, Ende 2009 ließen sie den Wall-Street-Star schließlich auffliegen. Insgesamt beschuldigten die Behörden 46 Personen - mehr als 30 sind inzwischen verurteilt worden.

In dem Prozess gegen den Hedgefonds-Gründer traten 18 teils hochkarätige Zeugen auf - unter ihnen etwa der Chef von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein. Die Verhandlung geriet zum großen Spektakel, die Anklage legte Unmengen von Beweismaterial wie interne E-Mails und andere Korrespondenz vor, zudem spielte sie 45 abgehörte und mitgeschnittene Telefonate vor.

Ebenjene Mitschnitte sind der Grund dafür, dass Rajaratnam noch etwas Hoffnung hat, seine Strafe nicht antreten zu müssen: Der Milliardär hat Revision gegen den Schuldspruch vom Mai eingelegt - laut der Begründung hätten die Telefonate nicht als Beweismittel zugelassen werden dürfen.

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