Expo Abenteuer Warten: "Niederlande: 3 Stunden"

Die Expo ist nicht nur die Weltausstellung der langen Wege, sondern auch der langen Wartezeiten. An manchen Länder-Pavillons müssen Besucher bis zu drei Stunden anstehen. Bei der Industrie dagegen - kein Mensch.

Hannover - Die Betreiber der großen Pavillons und spannenden Attraktionen haben es wohl schon geahnt: Wie eine Schlange winden sich die schwarzen Absperrungsbänder beispielsweise vor dem deutschen Expo-Pavillon. Möglichst viele Menschen sollen dort auf möglichst kleinem Raum warten können - falls der Ansturm auf den Pavillon zu groß wird.

Und er ist bereits am ersten Tag zu groß: Rund eine halbe Stunde müssen Besucher am ersten Expo-Tag anstehen, bevor sie sich zwischen den 47 Gipsköpfen im Foyer des deutschen Pavillons umtun konnten. Die Expo-Gäste nehmen es relativ gelassen - obwohl sie bis zu 120 Mark pro Kopf gezahlt haben und jede Minute auf der Expo wertvoll ist.

"Niederlande: 3 Stunden, Halle 5: 38 Minuten": Gelb auf schwarz zeigen die Displays auf dem Gelände an, wo die längsten Schlangen drohen. Während am Vormittag der niederländische Pavillon - aufgrund seiner Größe und Vielschichtigkeit "Big Mäc" getauft - die Nase vorn hat, kann am Nachmittag der Themenpark "Planet of Vision" mit den längsten Wartezeiten aufwarten. So lange, dass die Anzeigetafeln gar keine Zeit mehr nennt, sondern komplett vom Besuch der Halle 9 abrät.

Lange Schlangen auch vor dem grauen Ei der Bertelsmänner, von seinen Schöpfern "Planet m" genannt. Zickzack vor dem Eingang, dann einmal um das Gebäude herum bis neben den Christuspavillon. Für eine Wartezeit von bis zu zweieinhalb Stunden ist Bertelsmann vorbereitet, dann muss angebaut werden: Sollten sich mehr Besucher die Multimedia-Show anschauen wollen, werden Absperrungen vor dem Bau in Richtung Expo-Plaza errichtet.

Die Gütersloher sind auf die Menschenmassen gut vorbereitet. In den US-amerikanischen Freizeitparks wurde das professionelle Schlangestehen studiert. Besucherströme wurden gemessen und Luftaufnahmen ausgewertet. Die Erfahrungen aus USA spiegeln sich auch in der Expo-Warteschlange wider: Fest installierte Tafeln entlang des Weges geben an, wie lange sich die Besucher noch die Füße in den Bauch stehen müssen. Am frühen Nachmittag sind es knapp zwei Stunden.

Andere Aussteller tun sich da schwerer: So richtig gerade ist die Schlange vor der Halle der Kanadier nicht. Wie lange gewartet werden muss, ist auch nicht klar. Trotzdem stellen sich ständig neue Menschen an. Faszination Expo - Abenteuer Warten.

Solche Probleme haben die Expo-Sponsoren, wegen des guten Tones "Weltpartner" genannt, nicht. Zwar müssen Besucher, die durch die West- oder Nordeingänge das Expo-Gelände betreten, zwangläufig Sponoren-Hallen durchschreiten, doch das geht in der Regel sehr schnell. Ob Telekom, DaimlerChrysler oder Lufthansa - die Stände der Industrieunternehmen sind teils menschenleer.

Ein ganz anderes Bild bietet sich vor so manchem Imbissstand: McDonald's, ebenfalls "Produktpartner" der Expo, verkauft seine Fritten und Burger gleich an acht verschiedenen Stellen. Die Preise sind meist höher als in den normalen Filialen, die Schlangen dafür länger. Auf der anderen Seite bleiben viele Länder auf den Spezialitäten, die sie in ihren Pavillons anbieten, sitzen.

Trotz der Schlangen: Auch wenn Besucher auf dem Weltausstellungsgelände eine, so die Werbung der Expo-Macher, Weltreise an nur einem Tag unternehmen können - beim Essen greifen sie doch auf das Altbekannte zurück.