Donnerstag, 14. November 2019

Frost am Geldmarkt Banken horten mehr Geld auf EZB-Konten

Eine sichere Bank: Statt untereinander leihen die Banken ihr Geld lieber der EZB
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Eine sichere Bank: Statt untereinander leihen die Banken ihr Geld lieber der EZB

Europas Banken deponieren so viel Geld bei der Europäischen Zentralbank wie seit Juni 2010 nicht mehr. Die Einlagen stiegen über 250 Milliarden Euro. Das gebunkerte Geld fehlt anscheinend anderen Instituten: Auch die Ausleihungen der EZB legen stark zu. Mehrere Banken brauchen Staatshilfe.

Frankfurt am Main - Nach Angaben der Europäischen Zentralbank kletterte per Sonntagabend das Volumen in der Einlagefazilität auf 255,569 Milliarden Euro von 229,003 Milliarden Euro am Donnerstagabend. Zugleich mussten einige Banken sich über Nacht wieder bei der EZB mehr Geld leihen: insgesamt 2,837 Milliarden Euro nach 1,846 Milliarden Euro zuvor. Schon an sechs Tagen in Folge liegen die Ausleihungen über einer Milliarde Euro.

"Genau weiß natürlich niemand, wer da Probleme haben könnte. Aber es gibt ja bekanntlich Sorgenkinder in der Branche, bei denen sich die Lage in der vergangenen Woche zugespitzt haben könnte", sagte ein Händler. "Das sind aber reine Spekulationen, das wird man nie wirklich erfahren", fügte ein anderer hinzu. Mit der Zuteilung des Wochentenders am Mittwoch sollte sich das Ausleihe-Volumen wieder massiv verringern.

Das hohe Volumen in der Einlagefazilität spiegelt das Misstrauen der Banken untereinander wider. Schon zu Beginn der der Finanzkrise 2007 und im Sog der Lehman-Pleite im September 2008 war der Interbanken-Geldhandel quasi zum Erliegen gekommen. Im Falle der mit ihrem Griechenland-Engagement ins Schlingern geratenen Bank Dexia haben Belgien, Frankreich und Luxemburg Staatsgarantien in Höhe von 90 Milliarden Euro übernommen. Die griechische Zentralbank teilte am Montag mit, zur Rettung der kleinen Proton Bank werde der internationale Rettungsfonds angezapft.

Krise in Osteuropa trifft Erste Group

Auch aus anderen europäischen Ländern kommen schlechte Nachrichten von den Banken. Die österreichische Sparkassengruppe Erste Group erklärte am Montag, wegen Abschreibungen auf Staatsanleihen von Krisenstaaten und Beteiligungen in Ungarn und Rumänien rechne sie für dieses Jahr mit einem Nettoverlust von 700 bis 800 Millionen Euro. Die Dividende fällt aus, die geplante Rückzahlung der Staatshilfe wird verschoben. Im ersten Halbjahr hatte die Erste Group noch fast 500 Millionen Euro verdient.

Den Wert ihrer ungarischen Tochter schrieb die Bank auf Null ab, nachdem die Regierung in Budapest den Banken vorgeschrieben hat, ungarischen Kreditnehmern eine günstigere Umschuldung in Schweizer Franken aufgenommener Kredite zu ermöglichen. Die Erste Group spricht von "politischer Willkür".

Derweil notierten die Sätze für Tagesgeld wenig verändert in einer Spanne von 0,80 bis 0,85 Prozent. Am Dienstag - dem Ende der Mindestreserveperiode - dürften die Sätze Händlern zufolge in Erwartung eines Schnelltenders der EZB wieder anziehen.

Um den Finanzmarkt zu stabilisieren, hat die EZB auf ihrer jüngsten Ratssitzung am vergangenen Donnerstag beschlossen, im Oktober und November erneut unbegrenzte Liquidität in Langfristtendern mit einer Laufzeit von 12 und 13 Monaten anzubieten. Außerdem will die Zentralbank 40 Milliarden Euro schöpfen und über den Kauf von Pfandbriefen in den Markt gegen. Die am Geldmarkt erwartete Senkung des Leitzinses verweigerten die Geldhüter aber.

ak/rtr/dpa-afx

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