Aufsicht "Versicherer können Griechen-Pleite verkraften"

Europas Assekuranz würde eine Pleite Griechenlands verkraften können, glaubt die europäische Aufsicht. Gefahren sieht sie primär bei griechischen Versicherern. Allianz und Co. haben ihre Hellas-Bonds zwar zum Teil abgeschrieben. Gleichwohl liegen in den Portfolien immer noch Anleihen von Schuldenstaaten in Milliardenhöhe.
Schuldenschnitt: Auch Versicherer haben einen Teil ihrer Griechenland-Anleihen abgeschrieben

Schuldenschnitt: Auch Versicherer haben einen Teil ihrer Griechenland-Anleihen abgeschrieben

Foto: DPA

München - "Einige Versicherer haben ja schon ausweislich der Halbjahresergebnisse ihre Griechenlandengagements auf den Marktwert abgeschrieben", sagte Eiopa-Chef Gabriel Bernardino im Interview mit der "Börsen-Zeitung".

"Ich habe keine Informationen, aus denen ich schließen könnte, dass ein kompletter Zahlungsausfall nicht verkraftbar wäre." Dennoch gebe es vor allem unter griechischen Assekuranzen eine Risikokonzentration.

Große Versicherungskonzerne wie die Allianz, Axa und Generali haben zuletzt ihre Griechenland-Anleihen um 40 bis 50 Prozent des Marktwertes abgewertet. Andere wie die Münchener Rück haben ihre Anlagen in ausländische Staatsanleihen reduziert und setzen verstärkt auf Unternehmensanleihen und deutsche Staatspapiere.

Allianz führt Schuldenstaaten-Anleihen mit Volumen von 7,3 Milliarden Euro

Nach Informationen von manager magazin Online hält die Allianz  (Stand 15. September) Anleihen von rund 400 Milliarden Euro im Portfolio, Unternehmensbonds sind in dieser Zahl eingerechnet. Staatsanleihen aus Griechenland, Portugal, Irland und Spanien schlugen mit 7,3 Milliarden Euro oder 1,8 Prozent des gesamten Anleihenbestands zu Buche. Deutliche höher ist das Engagement in italienischen Staatsanleihen mit 29 Milliarden Euro oder etwa 7 Prozent des Anleihenportfolios. Der Bestand ist deshalb so groß, weil die Allianz dort lokales Versicherungsgeschäft lokal refinanziert.

Die Münchner Rück  wiederum hält Anleihen von insgesamt 110 Milliarden Euro, Staatsanleihen aus Spanien und Italien machen jeweils rund 4,4 Milliarden Euro oder insgesamt 8 Prozent des Bestands aus. Staatsbonds aus Griechenland, Irland und Portugal sollen in nur sehr geringen Beständen existieren und werden einzeln nicht ausgewiesen.

Bernardino räumte ein, es gebe für die Branche keine einfache Lösung für das Problem geringer Zinsen auf festverzinsliche Wertpapiere, das ernsthafte Risiken für die Investitionen der Versicherer mit sich bringt. Seine Behörde nehme das Thema gerade unter die Lupe. "Wir als Aufsicht wollen wissen, wo die Versicherer bei anhaltend niedrigen Zinsen verwundbar sind und welche Produkte besonders betroffen sind", sagte er. Die Ergebnisse der Untersuchung würden im weiteren Jahresverlauf veröffentlicht.

Während die Bankenaufsicht 28 Kreditinstitute, die als systemrelevant gelten, mit mehr Eigenkapital ausgestattet wissen will, gebe es für Eiopa keine Eile für vergleichbare Schritte bei den Versicherungen. Banken sind vor allem einem Liquiditätsrisiko ausgesetzt, das bei Assekuranzen nicht besteht. Weltweit existiert zudem kein einheitliches Regelwerk für Versicherungen, die Kapitalansprüche auf beiden Seiten des Atlantiks sind sehr verschieden. Die Versicherungen nun mit zusätzlichen Kapitalauflagen zu belasten würde diese Differenzen nur weiter vertiefen, sagte der Eiopa-Chef.

rei/dpa-afx
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