Freitag, 20. September 2019

Dispozinsen im Vergleich Die teuersten Banken Deutschlands

Rote Zahlen auf dem Konto können teuer werden: Die deutschen Banken und Sparkassen kassieren im Schnitt Dispozinsen von 12,4 Prozent

Deutsche Kreditinstitute verlangen immer noch viel zu hohe Dispozinsen. Bis zu 14,75 Prozent müssen Kunden, die ihr Girokonto im Rahmen des eingeräumten Kredits überziehen, zahlen. Ein Vergleich von 1600 Banken.

Gleich drei Banken haben sich den Titel "teuerste Bank Deutschlands" verdient: die Kaltenkirchener Bank, die Volksbank Braunlage und die Sparkasse Münden verlangen mit 14,75 Prozent die höchsten Zinsen von Kunden, die ihr Girokonto überziehen und Geld im Rahmen des eingeräumten Kredits abheben. Das ist der höchste Zins, den Finanztest in der Untersuchung der Dispozinsen von 1610 Banken ermittelt hat. Die Targobank folgt mit 14,7 Prozent gleich dahinter.

Weitere 20 Banken verlangen mindestens 14 Prozent. Die Volksbank Randerath-Immendorf, die ursprünglich den Rekordzinssatz von 18,25 Prozent veröffentlicht hatte, hat die Angaben auf ihrer Internetseite mittlerweile korrigiert. Der Zinssatz für den Dispositionskredit beträgt bei der Volksbank Randerath-Immendorf jetzt 13,25 Prozent, der für die geduldete Überziehung 18,25 Prozent.

Horrend hohe Dispozinsen müssen nicht sein. Das beweist eine kleine Zahl von Banken. Die Deutsche Skatbank etwa berechnet ihren Kunden für die Kontoüberziehung nur 6 Prozent, die DAB Bank gibt sich mit 6,95 Prozent zufrieden. Doch solche Angebote sind leider nur Ausnahmen: Nicht einmal 5 Prozent aller befragten Kreditinstitute verlangen weniger als 10 Prozent für den Dispokredit. Das sind gerade einmal 73 Banken.

Hoher Abstand zu den Leitzinsen

Um das Niveau der Dispozinsen in Deutschland zu ermitteln, hat Finanztest 1610 Kreditinstitute angeschrieben - das sind alle deutschen Banken, die Gehalts- und Rentenkonten anbieten. Die Tester fragten nach der Höhe der Dispozinsen und nach den Regeln, nach denen die Zinsen erhöht oder gesenkt werden. Bereits vor einem Jahr hatte Finanztest die unverschämt hohen Dispozinsen vor allem der kleinen Banken und Sparkassen angeprangert. Bei rund 300 Konten lagen nun die Zinsen immer noch auf dem Niveau des Vorjahres. Für immerhin 174 Konten zahlen Kunden jetzt niedrigere Zinsen. Die Tester von Finanztest werten das als kleinen Erfolg nach langjähriger Schelte.

Die für die Entwicklung des Dispozinses maßgeblichen Zinssätze des Kapitalmarktes haben sich im Vergleich zur Vorjahresuntersuchung geändert: Der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Euribor sind leicht gestiegen. Der EZB-Leitzins beeinflusst das Zinsniveau maßgeblich. Denn zu diesem Satz können sich Banken Geld von der EZB leihen. Der Euribor ist der Zins, zu dem sich die Banken untereinander Geld leihen. Immerhin hat der Anstieg dieser Zinssätze nicht dazu geführt, dass auch die Dispozinsen gestiegen sind. Der seit dem Jahr 2008 stark gewachsene Abstand zum Leitzins der EZB ist aber unverändert hoch - zu hoch.

Wo ihre Bank im deutschlandweiten Vergleich steht, können Kunden bequem in der großen Übersicht ermitteln. Dabei sind auch die Kreditinstitute, die ihre Konditionen im Netz nicht klar angeben oder die auf die Finanztest-Anfrage keine Auskunft gaben. Kunden, die ihrem teuren Kreditinstitut die rote Karte zeigen wollen, sollten die Bank wechseln. Das ist nicht schwer - eine Anleitung finden Kunden bei den Tipps.

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