Dispozinsen im Vergleich Die teuersten Banken Deutschlands

Deutsche Kreditinstitute verlangen immer noch viel zu hohe Dispozinsen. Bis zu 14,75 Prozent müssen Kunden, die ihr Girokonto im Rahmen des eingeräumten Kredits überziehen, zahlen. Ein Vergleich von 1600 Banken.
Rote Zahlen auf dem Konto können teuer werden: Die deutschen Banken und Sparkassen kassieren im Schnitt Dispozinsen von 12,4 Prozent

Rote Zahlen auf dem Konto können teuer werden: Die deutschen Banken und Sparkassen kassieren im Schnitt Dispozinsen von 12,4 Prozent

Foto: Marcus Brandt/ picture alliance / dpa

Gleich drei Banken haben sich den Titel "teuerste Bank Deutschlands" verdient: die Kaltenkirchener Bank, die Volksbank Braunlage und die Sparkasse Münden verlangen mit 14,75 Prozent die höchsten Zinsen von Kunden, die ihr Girokonto überziehen und Geld im Rahmen des eingeräumten Kredits abheben. Das ist der höchste Zins, den Finanztest in der Untersuchung der Dispozinsen von 1610 Banken ermittelt hat. Die Targobank folgt mit 14,7 Prozent gleich dahinter.

Weitere 20 Banken verlangen mindestens 14 Prozent. Die Volksbank Randerath-Immendorf, die ursprünglich den Rekordzinssatz von 18,25 Prozent veröffentlicht hatte, hat die Angaben auf ihrer Internetseite mittlerweile korrigiert. Der Zinssatz für den Dispositionskredit beträgt bei der Volksbank Randerath-Immendorf jetzt 13,25 Prozent, der für die geduldete Überziehung 18,25 Prozent.

Horrend hohe Dispozinsen müssen nicht sein. Das beweist eine kleine Zahl von Banken. Die Deutsche Skatbank etwa berechnet ihren Kunden für die Kontoüberziehung nur 6 Prozent, die DAB Bank gibt sich mit 6,95 Prozent zufrieden. Doch solche Angebote sind leider nur Ausnahmen: Nicht einmal 5 Prozent aller befragten Kreditinstitute verlangen weniger als 10 Prozent für den Dispokredit. Das sind gerade einmal 73 Banken.

Hoher Abstand zu den Leitzinsen

Um das Niveau der Dispozinsen in Deutschland zu ermitteln, hat Finanztest 1610 Kreditinstitute angeschrieben - das sind alle deutschen Banken, die Gehalts- und Rentenkonten anbieten. Die Tester fragten nach der Höhe der Dispozinsen und nach den Regeln, nach denen die Zinsen erhöht oder gesenkt werden. Bereits vor einem Jahr hatte Finanztest die unverschämt hohen Dispozinsen  vor allem der kleinen Banken und Sparkassen angeprangert. Bei rund 300 Konten lagen nun die Zinsen immer noch auf dem Niveau des Vorjahres. Für immerhin 174 Konten zahlen Kunden jetzt niedrigere Zinsen. Die Tester von Finanztest werten das als kleinen Erfolg nach langjähriger Schelte.

Die für die Entwicklung des Dispozinses maßgeblichen Zinssätze des Kapitalmarktes haben sich im Vergleich zur Vorjahresuntersuchung geändert: Der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Euribor sind leicht gestiegen. Der EZB-Leitzins beeinflusst das Zinsniveau maßgeblich. Denn zu diesem Satz können sich Banken Geld von der EZB leihen. Der Euribor ist der Zins, zu dem sich die Banken untereinander Geld leihen. Immerhin hat der Anstieg dieser Zinssätze nicht dazu geführt, dass auch die Dispozinsen gestiegen sind. Der seit dem Jahr 2008 stark gewachsene Abstand zum Leitzins der EZB ist aber unverändert hoch - zu hoch.

Wo ihre Bank im deutschlandweiten Vergleich steht, können Kunden bequem in der großen Übersicht ermitteln. Dabei sind auch die Kreditinstitute, die ihre Konditionen im Netz nicht klar angeben oder die auf die Finanztest-Anfrage keine Auskunft gaben. Kunden, die ihrem teuren Kreditinstitut die rote Karte zeigen wollen, sollten die Bank wechseln. Das ist nicht schwer - eine Anleitung finden Kunden bei den Tipps.

Ratgeber: Tipps zum Sparen von Dispozinsen

Abrufkredit nutzen. Der Dispokredit ist meist der teuerste Kredit von einer Bank. Überziehen Sie Ihr Girokonto deshalb nur im Notfall und für kurze Zeit. Wenn Sie langfristig mehr Geld brauchen, sollten Sie über einen Abruf- oder Ratenkredit nachdenken. Wer die besten Konditionen bietet, zeigt der aktuelle Test Abrufkredite .

Girokonto wechseln. Die beste Methode, Ihren Ärger über hohe Dispozinsen zu zeigen, ist ein Bankwechsel. Das ist gar nicht so kompliziert und klappt am besten mit der Anleitung zum Girokontowechsel .

Update Volksbank Randerath-Immendorf

19.09.2011: Unmittelbar vor Veröffentlichung des Tests Dispozinsen hat Finanztest erfahren, dass die Volksbank Randerath-Immendorf im Internet falsche Konditionen für den Dispositionskredit veröffentlicht hat.

Finanztest hatte alle Kreditinstitute in Deutschland um Mitteilung der Zinssätze für den Dispositionskredit und den geduldeten Überziehungskredit gebeten. Der Vorstand der Volksbank Randerath-Immendorf teilte daraufhin mit, dass sich seine Bank nicht an der Untersuchung beteiligen möchte, da sie ihre Angebote nur regional unterbreite und alle Informationen den Kunden und Mitgliedern transparent gemacht würden. Im Anschluss ermittelten die Tester von Finanztest über den Internetauftritt der Bank den zum Stichtag 1. August 2011 im Preisaushang der Bank angegebenen Zinssatz für Dispositionskredite mit 18,25 Prozent.

Die Volksbank hat ihren Internetauftritt mittlerweile aktualisiert. Der Zinssatz für den Dispositionskredit beträgt jetzt 13,25 Prozent, der für die geduldete Überziehung 18,25 Prozent.

Die vollständige Fassung des Tests Dispozinsen aus Finanztest  enthält die Testergebnisse aller mehr als 1600 getesteten Banken (kostenpflichtiger Download).

Mehr lesen über

Verwandte Artikel

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.