Montag, 9. Dezember 2019

Schuldenkosten Moody's schickt Italien in gefährliche Abwärtsspirale

Ministerpräsident Berlusconi: "Die Entscheidung ist erwartet worden"

Jetzt wird es brenzlig: Zwei Wochen nach der US-Ratingagentur S&P hat nun auch Moody's die Kreditwürdigkeit Italiens gleich um drei Stufen herabgesetzt. Damit dürfte das Schuldenmachen für Italiens Ministerpräsident Berlusconi immer teurer werden. Der Regierungschef gibt sich dennoch gelassen.

Frankfurt am Main/Rom - Den ersten Schlag hatte Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi noch wortreich beklagt. Ungerecht sei die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens durch die US-Ratinagengentur Standard & Poor's (S&P) gewesen. Und, klar, völlig ungerechtfertigt ohnehin. Jetzt aber zieht S&P-Konkurrent Moody's nach - und Berlusconi gibt sich demonstrativ gelassen.

Die Einstufung werde von "Aa2" auf "A2" gesenkt bei einem negativen Ausblick, teilte die Ratingagentur Moody's mit. Ihre kurzfristige Bewertung von "Prime-1" behielt Moody's bei. Der Euro gab in Folge der Ankündigung von Moody's zum Dollar nach, erholte sich aber später wieder.

Zur Begründung gab Moody's unter anderem das langsame wirtschaftliche Wachstum und "politische Unsicherheiten" in Italien an. Der negative Ausblick sei aber nicht nur den Risiken in Italien, sondern auch denen in der gesamten Euro-Zone geschuldet. In der derzeitigen Schuldenkrise hätten sich für hoch verschuldete Euro-Länder wie Italien die Refinanzierungsrisiken verschärft, heißt es in der Begründung.

Das Vertrauen der Märkte sei erschüttert und die italienische Wirtschaft stehe vor großen strukturellen Herausforderungen. Das Risiko, dass Italien seine Haushaltsziele nicht erreichen kann, sei gestiegen und die staatlichen Reformbemühungen hätten gerade erst begonnen.

EU begrüßt Italiens Sparpläne

Moody's hatte die Herabstufung Italiens bereits Mitte September angedroht. Die Staatsverschuldung der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone ist im Juli auf mehr als 1,9 Billionen Euro angestiegen. Damit hat das Land mit etwa 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nach Griechenland den höchsten Schuldenstand in der Euro-Zone.

Die Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi erklärte in einer ersten Reaktion, die Entscheidung sei erwartet worden. Sie arbeite daran, ihre Etatziele zu erreichen. Die Pläne dazu seien von der EU-Kommission gut aufgenommen und akzeptiert worden, hieß es in italienischen Medien.

Für dieses Jahr erwartet die Regierung in Rom ein Defizit von 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, 2012 soll die Neuverschuldung auf 1,4 Prozent fallen. 2013 wird ein ausgeglichener Haushalt angepeilt.

Im September hatte die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Italiens von "A+" auf "A" herabgestuft. Als Grund verwies S&P auf pessimistischere Prognosen für das italienische Wirtschaftswachstum. Der Ausblick sei "negativ", teilte S&P damals mit. "Die Herabstufung spiegelt unserer Meinung nach die schlechter werdenden Wachstumsaussichten für Italiens Wirtschaft wider", begründete S&P den Schritt. Die zuletzt verabschiedeten Reformen reichten nicht aus, um gegenzusteuern. Der Regierung Berlusconi bescheinigte S&P eine mangelnde Handlungsfähigkeit.

mg/dpa-afx/afp/rtr

© manager magazin 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung