Goldminen-Aktien Warum Goldförderer günstiger sind als Gold

Noch immer scheint Gold für Anleger der sichere Hafen zu sein - trotz zwischenzeitlicher Rücksetzer ist das Edelmetall teuer. Die Aktien der entsprechenden Unternehmen sind dagegen deutlich billiger. Stehen sie damit vor einer Aufholjagd oder verliert statt dessen Gold weiter an Wert?
Von Arne Gottschalck
Goldene Goldaktien? Aaron Regent, Chef der Barrick Gold Corporation, dürfte davon überzeugt sein

Goldene Goldaktien? Aaron Regent, Chef der Barrick Gold Corporation, dürfte davon überzeugt sein

Foto: REUTERS

Hamburg - 2000 Dollar, prognostizieren Experten wie Uwe Bergold, soll die Feinunze Gold  Ende des Jahres wert sein. Aktuell sind es um die 1600 Dollar. Doch die, die das Edelmetall suchen, die es fördern, sie haben nichts davon. Zumindest nicht auf dem Papier. Denn im Vergleich zum Gold selbst sind die entsprechenden Aktien deutlich geringer bewertet. Am ihren Notierungen gemessen, kostet Gold aktuell zwischen 1200 und 1300 Dollar, beobachtet Gregor Holek, Fondsmanager bei Raiffeisen Capital. Doch wo sind die restlichen 400 Dollar, warum finden sie keinen Niederschlag im Aktienkurs?

Das liegt vor allem an der Stimmung der Aktionäre selbst. "Aufgrund der derzeitigen Situation an den Kapitalmärkten haben wir einen doppelten Effekt. Einerseits ist die Anlageklasse Aktie derzeit so risikoreich eingeschätzt, so dass der Discount beziehungsweise der Abschlag deutlich über 7,5 Prozent liegt", sagt Heiko Löschen von der Vermögensverwaltung Packenius, Mademann & Partner.

"Andererseits ist in der Fluchtanlage Gold derzeit das Angst- beziehungsweise Emotionsmoment eine stark treibende Kraft, welches ein Überschießen des Spotpreises induziert." Angst vor der Aktie, Übertreibung beim Gold - diese Mischung sorgt für das Auseinanderdriften des Edelmetalls und der Goldaktien. Doch wie lange noch?

Die Antwort dürfte irgendwo im konjunkturellen Umfeld liegen und entsprechend wolkig ausfallen. Zwar ist gerade Gold eine Anlageform, die sich in Krisenzeiten vom allgemeinen Umfeld löst. Zwar wird das Edelmetall auch in der Industrie verwendet. Doch der Anlageaspekt dominiert, zumindest derzeit. Und das treibt die Goldminenaktien in historisch bekannte Muster. "So ist es nicht ungewöhnlich, dass sich Goldminen-Aktien relativ schlechter entwickeln als Gold, solange sich das Metall in einem steilen Aufwärtstrend befindet", sagt Holek. Möglich sind in so einer Lage zweierlei Szenarien.

Das eine: Gold verliert an Wert, möglicherweise auf jenen Wert, den die Goldminenaktien derzeit zugrunde legen. Dafür spricht die Sorge vor einer Goldblase. Das andere Szenario liegt in einem deutlichen Wertanstieg der Goldminenaktien. Auch das ist möglich. Immerhin "benötigen Goldminenaktien eine Stabilisierung des Goldpreises auf hohem Niveau, um ihre Unterbewertung aufzuholen", sagt Holek.

"Gold ist ein emotionales Investment"

Verharrt Gold also auf dem aktuellen Niveau, dann kann es bald aufwärts gehen mit den entsprechenden Aktien. Immerhin erwartet die Deutsche Bank  einen weiteren Anstieg des Goldpreises. Wenn auch mit etwas Abstand. Denn "Aktienanalysten stehen der Goldpreis-Entwicklung skeptisch gegenüber und passen ihre Schätzungen über die zukünftig erwarteten Goldpreise nur zögerlich an die ständig höheren Spot-Preise an", so Holek.

An dieser Stelle kommt die Psychologie ins Spiel. "Gold ist ein sehr emotionales Investment", sagt Fondsmanager Martin Siegel. Hält also die allgemeine Verunsicherung, sendet Griechenland weiterhin verstörende Signale, dürfte das den Goldpreis wieder in die Höhe treiben. Und das könnte den Boden bereiten für eine Nachholbewegung der Aktien.

Holek zumindest hat bereits reagiert und zum Beispiel bei der türkischen Minengesellschaft Koza Gold zugegriffen. Dabei verwaltet er keinen Rohstofffonds, sondern investiert in Aktien aus Russland und der Türkei, ohne Sektorbeschränkung. Holek setzt damit auf die weitere Stärke von Gold. Genau diese bezweifeln aber auch einige Experten. Und das bedeutet, dass nicht Golminenaktien unterbewertet seien, sondern Gold überbewertet.

Auch die Skeptiker haben gute Argumente

Christoph Bruns zum Beispiel, Fondsmanager bei der Fondsboutique Loys, gehört zu den Skeptikern. "Meine Skepsis zur Anlage in Gold speist sich aus meiner Erfahrung mit dem Auftreten spektakulärer Kurszuwächse in bestimmten Marktsegmenten", sagt er. "Ich erinnere Sie an die fulminante Hausse am Neuen Markt vor gut zehn Jahren und die grandiosen Investmentexzesse bei Subprime-Anleihen vor fünf Jahren. In derartigen Situationen sind die Argumente stets austauschbar. Es ist ein menschliches Phänomen, daß in einer strammen Hausse die Kontra-Argumente von den meisten Marktteilnehmern nicht mehr zu Kenntnis genommen werden."

Dazu kommt in seine Augen noch ein weiterer Aspekt: "Gold (...) kann nicht sinnvoll bewertet werden. Zudem ist auffällig, daß interessierte Kreise (World Gold Council) durch die Verwertpapierlichung (Securitization, ETF) einen Weg zusammen mit den Brokern gefunden haben, Gold massenkauffähig zu machen. Sehen Sie hier die Parallele zu Subprime-Anleihen?"

Gold, dessen Wert im Handel auf der Stelle tritt, ist daher Wasser auf die Mühlen der Skeptiker wie Bruns. Vermögensverwalter Löschen verweist darum auch auf Industriemetalle, Kupfer  zum Beispiel. Deren Wert wird nicht durch Angst oder Euphorie geprägt, sondern durch die vermeintlich sichere Kombination von Angebot und Nachfrage der Realwirtschaft.

"Kupfer ist dafür ein sehr prominentes Beispiel, welches für die Realwirtschaft aktuell und in der Zukunft noch viel stärker von Bedeutung sein wird. (…) Investments mit Langfristhorizont machen da aus meiner Sicht auf jeden Fall Sinn, zum Beispiel Xstrata  oder Freeport McMoRan", sagt er.

Kupferaktien als Alternative zu Gold? Rational, vielleicht. Aber auch so ganz ohne den Glanz des Goldes.

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