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Anlegerliebling ETF: Die Stolpersteine hinter der glänzenden Fassade

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Heftige Kritik ETFs im Spekulantenfokus

Kveku Adoboli soll die UBS unter anderem mit Spekulationen auf Exchange Traded Funds erschüttert haben, Jerome Kerviel hat damit die Société Générale ins Wanken gebracht. Im Gespräch mit manager magazin Online sagt Morningstar-Analyst Gordon Rose, warum ETFs dennoch kein Teufelszeug sind.
Von Arne Gottschalck

mm: Der "Schurkenhändler" Kveku Adoboli bei der UBS hat offenbar mit den populären Exchange Traded Funds (ETF) spekuliert und dem Bankhaus einen Milliardenschaden eingebrockt. Eignen sich solche Funds besonders gut für derartige Transaktionen?

Rose: Nachdem ETFs, speziell synthetische ETFs, bereits einiges an Kritik dieses Jahr haben einstecken müssen, ist es jetzt natürlich einfach wieder mit dem Finger wieder auf dieses Instrument zu zeigen. Der Verlust bei UBS wurden an dem so genannten Delta-One-Desk verursacht, welches sich mit derivativen Instrumenten, die die Performance des zugrundeliegenden Basiswerts eins zu eins nachbilden. Zu diesen Instrumenten gehören nicht nur ETFs, sondern auch Swaps, Futures und Forwards.

mm: Heißt das, das noch mehr solcher Finanzinstrumente als nur ETFs potenziell für solche Spekulationen geeignet sind?

Rose: Delta-One-Desks versuchen, mit Arbitragegeschäften Preisdifferenzen zwischen verschiedenen Instrumenten auszunutzen. Der Skandal bei UBS ist daher nicht auf spezifische Instrumente zurückzuführen, sondern vielmehr auf die handelnden Personen. Der Handelsskandal bei UBS offenbarte also eher Mängel in der Risikokontrolle als ETF-spezifische Risiken. Letztendlich ist der Verlust auf inadäquates Hedging zurückzuführen und hätte daher mit jedem Finanzinstrument passieren können.

mm: Wie konnte es soweit kommen? Zu Zeiten der Spiders und Diamonds galten ETF noch als schlichtes und klar strukturiertes Produkt?

Rose: Der Skandal ist ja eben nicht passiert, weil wir ETFs haben, sondern weil allen anscheinend nach das Risikomanagement bei dem Schweizer Geldhaus Mängel aufweist. Bei Skandalen in der Vergangenheit wurden meist Futures verwendet, der große Aufschrei nach den Risiken dieser Instrumente blieb jedoch weitestgehend aus. Trotzdem werden ETFs immer komplexer und es ist daher sehr wichtig, dass Anleger die Struktur und die tatsächlichen Risiken des ETFs verstehen bevor sie in ein solches investieren.

mm: Ist ein Eingreifen des Gesetzgebers notwendig oder auch denkbar, zum Beispiel mit Blick auf swapbasierte Replikation?

Rose: Swapbasierte ETFs sind bereits reguliert. Außerdem sind ETF-Anbieter sehr darauf bedacht, ETFs so transparent und sicher wie möglich zu gestalten und gehen daher in vielen Punkten weit über das hinaus, was vom Gesetzgeber verlangt ist. Laut Gesetzgeber müssen beispielsweise die hinterlegten Sicherheiten mindestens 90 Prozent des Nettoinventarwerts des Fonds betragen.

mm: Halten sich die Geldhäuser denn daran?

Rose: Viele ETF-Anbieter halten sogar teilweise Sicherheiten von bis zu 120 Prozent. Die Sicherheiten werden wesentlich häufiger, meist sogar täglich, veröffentlicht. Auch dies ist nicht vom Gesetzgeber verlangt. Von diesem Gesichtpunkt her sind hinken die Gesetzgeber also eher hinterher, da die ETF-Anbieter sehr gute Arbeit in Bezug auf Selbstregulierungen leisten.

mm: Also sind ETFs in Ihren Augen eigentlich schon ein perfektes Finanzinstrument?

Rose: Die Welt der ETFs ist nicht perfekt. Es gibt noch einige Luft nach oben. Beispielsweise sollten ETFs eindeutiger gekennzeichnet sein, ob sie synthetisch oder physisch sind oder aktiv oder passiv. Außerdem gibt es noch einiges zu tun in Bezug auf Wertpapierleihe. ETF-Anbieter sollten mehr Details diesbezüglich veröffentlichen, zum Beispiel wieviel Ertrag erwirtschaftet wird, wie hoch die Ausleihungen sind und welche Sicherheiten hinterlegt werden.

Ständig mehr Marktwetten mit Exchange Traded Funds

mm: Aktive Fondsmanager klagen inzwischen darüber, dass ETFs für gezielte Marktwetten genutzt werden - Türkei kaufen, Russland verkaufen - und dessen Preise dadurch bewegen. Teilen Sie diese Beobachtung?

Rose: Es ist natürlich wieder einfach, mit dem Finger auf andere zu deuten. Jedoch beeinflusst jede Transaktion auf den Märkten die Preise. Egal, ob Sie einzelne Aktien kaufen, wie es zum Beispiel auch Fondsmanager machen, die einen aktiven Anlagestil verfolgen. Außerdem repräsentiert der ETF-Markt in Europe lediglich gut 5 bis 6 Prozent des verwalteten Vermögens von Mutual Funds. Ich würde daher eher argumentieren, dass Fonds einen größeren Einfluss auf Preise haben als ETFs.

mm: Ein Ende des ETF-Booms ist daher nicht abzusehen?

Rose: Nicht wirklich. Natürlich sinken die Zuwachsraten bei ETFs. Dies ist jedoch vollkommen normal bei Märkten, die sich mehr und mehr entwickeln. Jedoch werden wir wahrscheinlich Wachstum hauptsächlich außerhalb der 'plain-vanilla' ETFs erleben. Aktive ETFs werden immer beliebter und Index-Anbieter konstruieren zunehmend Indizes die nicht auf der einfachen Marktkapitalisierung basieren. Sei es fundamental gewichtete Indizes oder Indizes die auf eine bestimmte Volatilität abzielen. Generell wird der Zugang zu ETFs für ein immer breiteres Publikum ermöglicht. Es gibt zum Beispiel immer mehr Sparpläne für Investoren, die ein Engagement in ETFs ermöglichen.

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