S&P senkt Bonitätsnote Berlusconi kritisiert Italien-Abstufung

Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat die Abstufung Italiens durch Standard & Poor's scharf kritisiert. Der Regierungschef wirft der Ratingagentur fehlende Objektivität vor und unterstellt ihr politische Motive.
Italiens Ministerpräsident Berlusconi: "Die Einschätzung von Standard & Poor's scheint mehr von Medienberichten als von der Realität diktiert worden zu sein"

Italiens Ministerpräsident Berlusconi: "Die Einschätzung von Standard & Poor's scheint mehr von Medienberichten als von der Realität diktiert worden zu sein"

Foto: STRINGER/ITALY/ REUTERS

Sydney - Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Kreditwürdigkeit Italiens von "A+" auf "A" herabgestuft. Und es könnte weiter runter gehen: Der Ausblick sei "negativ", teilte S&P mit.

Die S&P-Experten begründeten ihren Schritt mit den schwachen Wachstumsaussichten des Landes. Diese würden auch durch das Reformprogramm der italienischen Regierung nicht entscheidend verbessert. S&P verwies auf die fragile Regierungskoalition in Rom und die politischen Differenzen im Parlament. "Wir glauben, dass das reduzierte Tempo von Italiens wirtschaftlicher Aktivität die revidierten Finanzziele der Regierung schwer erreichbar macht", konstatierten die Experten.

Die konservative Regierung von Silvio Berlusconi hat die Herabstufung heftig kritisiert. "Die Einschätzung von Standard & Poor's scheint mehr von Medienberichten als von der Realität diktiert worden zu sein. Sie scheint auch von politischen Erwägungen negativ beeinflusst", sagte Berlusconi. Die Regierung habe bereits Maßnahmen zur Haushaltssanierung eingeleitet. Schritte zur Förderung des Wirtschaftswachstums seien in Vorbereitung.

EU senkt Wachstumsprognose für Italien

Allerdings steht S&P mit der Einschätzung nicht alleine da: Die EU-Kommission senkte erst vergangene Woche ihre Wachstumsprognose für die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Sie rechnet für dieses Jahr nur noch mit einem Plus von 0,7 Prozent nach zuvor 1,0 Prozent. Zum Vergleich: Die gesamte Währungsunion dürfte mit 1,6 Prozent mehr als doppelt so schnell wachsen. Italien ächzt zudem unter einem Schuldenberg von 1,9 Billionen Euro. Es steht mit 120 Prozent seiner Wirtschaftsleistung in der Kreide.

Die lahme Konjunktur macht es schwerer, den enormen Schuldenberg abzubauen: Die Staatsschulden machen rund 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung aus. EU-Kommissar Günter Oettinger macht Berlusconi mitverantwortlich für die Schwierigkeiten. "Italien wird miserabel regiert", sagte er kürzlich in Berlin.

Die Herabstufung durch S&P kam überraschend. An den Finanzmärkten war damit gerechnet worden, dass zuerst die Ratingagentur Moody's ihre Note für das Land senken würde. Die Moody's-Analysten hatten vergangene Woche mitgeteilt, sie bräuchten für ihre Entscheidung noch einen weiteren Monat Zeit.

Griechenland-Telefonkonferenz verlief ergebnislos

Der Euro-Kurs fiel zeitweise unter die Marke von 1,36 Dollar, erholt sich dann aber wieder. Auch der deutsche Aktienindex Dax machte anfängliche Verluste wieder wett. An den asiatischen Märkten reagierten die Investoren verschreckt. "Immer noch mehr von denselben schlechten Nachrichten", sagte Nomura-Volkswirt Stephen Roberts in Sydney. Dadurch steige die Ansteckungsgefahr in der Krise. Dies treibe die Anleger in sichere Anlagen..

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht Griechenland. Der Euro-Schuldensünder braucht dringend neue Finanzspritzen der Geldgeber EU-Kommission, Europäische Zentralbank (EZB) und Internationaler Währungsfonds (EZB). Sollte diese sogenannte Troika der Regierung in Athen nicht die erforderlichen Reformfortschritte bescheinigen, ist die nächste milliardenschwere Hilfstranche in Gefahr - und dem Land droht die Staatspleite.

Die Gespräche mit den Troika-Experten sollen an diesem Dienstag fortgesetzt werden. Ein Vertreter des griechischen Finanzministeriums äußerte sich zuversichtlich, dass es dann zu einem Durchbruch kommt. Die Regierung werde voraussichtlich am Mittwoch zu einer Kabinettssitzung zusammenkommen und danach eine Erklärung abgeben.

mg/rtr/dpa-afx
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