Geldanlage Banken lassen Provisionen im Dunkeln

Zwei von drei Banken und Sparkassen missachten gegenüber ihren Kunden offenbar die Pflicht zur Offenlegung von Provisionen. Das hat eine Erhebung der Verbraucherzentralen in Deutschland ergeben.
Was kassiert die Bank wirklich? Offenbar informieren die meisten Geldinstitute ihre Kunden immer noch unzureichend darüber, welche Provisionen sie einstreichen

Was kassiert die Bank wirklich? Offenbar informieren die meisten Geldinstitute ihre Kunden immer noch unzureichend darüber, welche Provisionen sie einstreichen

Foto: Corbis

Berlin - Die Verbraucherzentralen werfen Banken und Sparkassen vor, ihren Kunden entgegen den Vorschriften die Provisionen bei Verkäufen von Finanzprodukten zu verschweigen. Dies habe eine Erhebung bei Bankkunden ergeben, teilte der Bundesverband der Verbraucherzentralen am Mittwoch in Berlin mit. Die Geldhäuser missachteten die Pflicht zur Offenlegung von Provisionen.

Die Verbraucherschützer stützten ihre Vorwürfe auf 280 Bankkunden, die um Offenlegung der Provisionen gebeten hatten. In 172 Fällen liegen den Angaben nach die Antworten der Banken vor. Nur in zwei Prozent der Antworten legten demnach Banken die erhaltenen Provisionen vollständig offen. In mehr als der Hälfte der Schreiben werde die Auskunft über die Provisionen ganz oder teilweise verweigert, teilte der Verband mit. Die Begründungen dafür reichten vom Hinweis auf den hohen Arbeitsaufwand bis zum Verweis auf Informationen im Internet.

In einem Viertel der Fälle hätten die Kreditinstitute die Offenlegung der Provisionen mit der Begründung abgelehnt, beim Produktvertrieb habe es sich um Festpreisgeschäfte gehandelt, teilen die Verbraucherschützer weiter mit. Dabei würden Wertpapiere auf eigene Rechnung gekauft und Gewinne durch die Differenz zwischen Ein- und Verkaufspreis gemacht. Bei Kommissionsgeschäften würden die Banken dagegen als Vermittler auftreten und erhielten dafür eine Provision.

Institute suchen das Schlupfloch über umstrittene Festpreisgeschäfte

Es seien aber Zweifel angebracht, ob es sich tatsächlich um Festpreisgeschäfte gehandelt habe, teilte die Organisation mit. Außerdem bestehe auch bei Festpreisgeschäften ein Eigeninteresse der Bank, das die Kunden erkennen können sollten. Bislang zwingt die Rechtsprechung Banken nur zur Veröffentlichung von Provisionen. Der Bundesgerichtshof hatte 2006 entschieden, dass Verbraucher erfahren müssen, welche Vergütungen Banken für eine Finanzvermittlung erhalten.

In rund einem Drittel der untersuchten Fälle informierten Banken und Sparkassen den Angaben nach zwar über Provisionen, allerdings größtenteils unzureichend. "Nur vier Geldinstitute legten die Vergütungen in klarer, verständlicher und eindeutiger Weise offen, das heißt in Euro und Cent", hieß es. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht müsse sicherstellen, dass sich die Banken an Recht und Gesetz halten, forderte der Vorsitzende des Verbandes, Gerd Billen.

Mit ihrer jetzt an den Tag gelegten Praxis könnten die Kreditinstitute verlorengegangenes Vertrauen nicht zurückgewinnen. "Das Spiel mit verdeckten Karten muss endlich ein Ende haben", forderte Billen. Die Verbraucherschützer fordern eine klare und einheitliche Regelung zur Offenlegung von Provisionen und sonstigen Vertriebsanreizen. Der Verbraucher müsse den wahren Preis von "vermeintlich kostenlosen Finanzberatungen" erkennen können.

rei/reuters
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