Interview "Mit Luxusautos gutes Geld verdienen"

VW-Chef Ferdinand Piëch über die Zweigleisigkeit seines Konzerns, zugleich den Drei-Liter-Lupo und spritfressende Edelkarossen zu bauen, über Rezessionsängste und sein Verhältnis zu Kanzler Schröder.

manager magazin online: Bei der Autoproduktion wird die weltweite Überkapazität auf 20 Millionen geschätzt, hinzu kommen die Finanz- und Wirtschaftskrisen. Rast die Automobilindustrie in die Rezession?

Piëch: Das sehe ich weniger dramatisch. Für Volkswagen gilt das Gegenteil: Wir fahren von Absatzrekord zu Absatzrekord. Wir haben es nicht mit einer Weltwirtschaftskrise zu tun, eher mit regional begrenzten Entwicklungen. Aufmerksam verfolgen müssen wir allerdings, daß daraus kein Flächenbrand wird. Für VW gibt es auf den meisten Märkten eine positive Sonderkonjunktur.

manager magazin online: Aber nicht nur die Märkte in den krisengeschüttelten Schwellenländern brechen ein; auch Großbritannien und Italien geraten in den Abwärtssog. Der Export schwächelt. Wieviele Arbeitsplätze könnte das kosten?

Piëch: Es wäre vermessen, eine solche Prognose zu wagen. Man kann Krisen auch herbeireden, und die Beschäftigungsfrage höre ich niemanden so dramatisch stellen. Sollte es tatsächlich zu einem wirtschaftlichen Abschwung kommen, dürfte Volkswagen weniger betroffen sein als andere Unternehmen.

manager magazin online: Auch die Binnennachfrage ist weit davon entfernt, die Exportschwäche auszugleichen. Was erwarten Sie jetzt von der rot-grünen Regierung in Bonn?

Piëch: Ich bin Österreicher, also Gastarbeiter in diesem Land. Deshalb mische ich mich nicht in die hiesige Politik ein. Die Automobilindustrie insgesamt erwartet von der neuen Bundesregierung, daß man uns als eine der Lokomotiven für die gesamte deutsche Wirtschaft sieht und uns entsprechend fahren läßt.

manager magazin online: Was befürchten Sie, wenn dies nicht der Fall ist?

Piëch:Wenn die Lokomotive nicht zieht, sondern bremst, ist dies wohl kaum im gesamtwirtschaftlichen Interesse.

manager magazin online:Der Konzentrationsdruck in der Branche nimmt zu - Stichwort DaimlerChrysler. Offenbar redet zur Zeit jeder mit jedem. Mit wem reden Sie?

Piëch: Im Moment mit Ihnen. Sollte ich noch andere interessante Gesprächspartner finden, werden wir Sie informieren.

manager magazin online: Sie wollen für die nächsten fünf Jahre ein dickeres Investitionspaket schnüren als ursprünglich geplant - statt 43 Milliarden 50 Milliarden Mark. Holen Sie bereits zum nächsten Coup aus?

Piëch: Ob wir für die nächsten fünf Jahre ein dickeres Investitionspaket schnüren werden, wird unser Aufsichtsrat in seiner nächsten Sitzung entscheiden. Dieses Geld werden wir wie in den vergangenen Jahren insbesondere für die Erweiterung unserer Modellpalette und für die weitere Optimierung unserer Produktionskapazitäten verwenden.

manager magazin online: Wie paßt ihre Lust auf spritfressende Luxuskarossen - wie zum Beispiel Bentley, Lamborghini - zu Ihrem Sendungsbewußtsein in Sachen Sparsamkeit - dem Drei-Liter-Lupo? In beiden Segmenten werden keine Rekord-Absatzzahlen erwartet. Lediglich Prestigeobjekte?

Piëch: Ganz und gar nicht. Mit dem Erwerb der von Ihnen genannten Marken wollen wir unseren Kunden ein noch breiteres Spektrum an Autos anbieten, damit unser Programm nach oben hin abrunden und insgesamt den gesamten Konzern höher positionieren. Außerdem: Im Segment der Luxusautos werden zwar weniger Fahrzeuge verkauft als zum Beispiel in der Golf-Klasse, dafür läßt sich dort aber gutes Geld verdienen. Zur Erweiterung unseres Modellangebots gehört aber auch, hochemotionale Autos wie den New Beetle oder den Audi TT auf den Markt zu bringen und nicht zuletzt die Modellpalette nach unten abzurunden. Deshalb der Drei-Liter-Lupo, der die Voraussetzungen für einen Markterfolg mitbringt, weil er kein Verzichtauto ist, sondern die Annehmlichkeiten eines vollwertigen Fahrzeugs bietet. Mit dem Drei-Liter-Lupo haben wir zugleich technologisches Neuland betreten, von dem auch andere Modelle im Konzern profitieren werden.

manager magazin online: Was halten Sie von den Mineralölsteuerplänen der Koalition?

Piëch: Die getroffenen Entscheidungen entsprechen dem, was vor der Wahl angekündigt wurde. Wir bauen auf Verläßlichkeit.

manager magazin online: Der "Automann" und Bundeskanzler Schröder, der sich bisher besonders für die VW-Belange stark machen konnte, muß nun von Bonn aus die gesamtdeutschen Geschicke lenken. Was bedeutet das für Sie?

Piëch: Hier gibt es nichts hinein zu geheimnissen. Man kennt sich - die neuen Aufsichtsratsmitglieder ebenso wie die scheidenden. Jeder hat seine Rolle und nimmt sie wahr. Man empfindet Respekt.

manager magazin online: Und die Tatsache, daß Herr Schröder sich als Dienstwagen einen A8 ertrotzt hat, statt in den Mercedes seines Vorgängers umzusteigen?

Piëch: Soll ich sagen, daß mich das geärgert hat? Für die Nummer eins in Deutschland ein Auto der Nummer eins in Deutschland und Europa.

Interview: Karolin Wollenberg

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