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Währungsflucht: Wo Sie ihr Geld in Sicherheit bringen können

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Anleger Bangen im Währungs-Roulette

Erdrutsch an den Devisenmärkten: Der Wert von Währungen schwankt derzeit so stark wie selten zuvor. Während Anleger in Sorge sind, versuchen Profis daran zu verdienen.

Hamburg - "Spätestens seit Montagmorgen dürfte jedem klar sein, dass Musik in den Währungen steckt", sagt Titus Schlösser, Leiter Alternative Investments beim Vermögensverwalter Portfolio Concept. "Wir waren zu dem Zeitpunkt short in Euro positioniert, unser System hat sofort entschieden, Gewinne mitzunehmen."

Was war passiert? Seit Tagen befindet sich der Euro (Kurswerte anzeigen) gegenüber wichtigen Währungen im Sinkflug. Am Montagmorgen aber kam es besonders Dicke: Zum einen wirkte der plötzliche Rücktritt von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark vom Freitag offenbar noch nach. Zum anderen kamen über das Wochenende neue, beunruhigende Nachrichten über Griechenland in Umlauf. Die Folge: Der Euro verlor gegenüber dem Dollar binnen Minuten mehrere Cent an Wert.

Für die Devisenmärkte ist so etwas ein kleiner Erdrutsch. Für den Währungsfonds von Titus Schlösser dagegen bedeutete es bares Geld. Der Fonds war zu der Zeit auf fallende Euro-Kurse ausgerichtet - als sich die Gemeinschaftswährung am späten Montagvormittag wieder etwas gefestigt hatte, hatte Portfolio Concept bereits Kasse gemacht.

Keine Frage: Die Euro-Schuldenkrise und die sich inzwischen immer stärker abzeichnende Pleite Griechenlands halten die Devisenmärkte in Bewegung. Investmentprofis wie Titus Schlösser nutzen das, um die Wechselkursschwankungen in Profit zu verwandeln. Andere Anleger, Pessimisten zuvorderst, denen die Zukunft des Euro an sich zu sehr im Dunkeln liegt, sagen der Gemeinschaftswährung - zumindest mit einem Teil ihres Vermögens - gleich komplett adieu. "In einer unsicheren Situation wie gegenwärtig ist es durchaus sinnvoll, das Risiko im Depot breiter zu streuen", fast Experte Schlösser zusammen. "Neben Sachwerten wie Immobilien oder Gold sind dafür auch fremde Währungen geeignet."

Der Franken fällt als Fluchtwährung vorläufig aus

Eckart Keil von der Fondsgesellschaft Premium Pearls stimmt zu: "Will man dem Euro entfliehen, so bieten sich vor allem zwei Handlungsalternativen an: eine Bevorzugung von Sachwerten gegenüber Geldwerten und eine gesunde Diversifikation in mehrere Währungsräume."

Die Frage ist nur, in welche. Monatelang hielten viele Investoren offenbar den Schweizer Franken (CHF) für eine gute Fluchtburg. Kapital strömte in Massen zu den Eidgenossen, mit der Folge, dass der Franken immer teurer wurde. Zur Erinnerung: Ende 2008 bekam man für einen Euro noch beinahe 1,70 CHF. Vor wenigen Wochen dann war der Euro nur noch knapp mehr als einen Franken wert.

Doch die Franken-Rallye dürfte vorläufig ein Ende haben. In Sorge um die heimische Wirtschaft, deren Tourismus- und Exportindustrie heftig unter dem hohen Kurs der Alpenwährung zu leiden haben, griff inzwischen die Schweizer Notenbank (SNB) ein. Die Zentralbanker kündigten an, Euro-Kurse von weniger als 1,20 CHF künftig nicht mehr zu dulden - und sorgten damit für einen abrupten Anstieg des Wechselkurses auf genau dieses Niveau.

Für Anleger bedeutet das vor allem eins: Der Franken fällt als Fluchtwährung wohl vorläufig aus. "Geldanlagen im Franken-Raum sind bei diesem Wechselkursniveau ohnehin kaum noch anzuraten", sagt Riklef von Schüssler, Geschäftsführender Partner der auf besonders betuchte Privatleute spezialisierten Vermögensberatung Feri Family Trust. "Denn in der Schweizer Wirtschaft dürfte der Kurs langfristig zu Beeinträchtigungen führen."

Die Intervention der SNB ist daher laut Schüssler lediglich ein weiterer Hinderungsgrund. "Wer jetzt noch in den Franken investiert, wettet gegen die Schweizer Nationalbank", sagt er. "Ein solches Kräftemessen dürften nur die wenigsten für sich entscheiden können."

Flucht nach Skandinavien, Australien und in Schwellenländer

Schlimmer noch: Wer auf dem aktuellen Niveau Geld in den Franken transferiert, läuft wohl sogar erhöhte Gefahr, Wechselkursverluste zu erleiden. Denn das ist die Kehrseite jeder Währungsspekulation: Wer erst einsteigt, wenn die Fremdwährung schon zu teuer ist, erlebt am Ende ein böses Erwachen. In diesem Fall zum Beispiel könnte eine Entspannung der Euro-Schuldenkrise den Franken-Kurs schnell wieder auf frühere Werte hieven - beim Anleger macht sich das spätestens dann bemerkbar, wenn er sein Geld in heimische Gefilde zurückholt.

Das muss aber kein Problem sein, denn die Liste weiterer Währungen, die Experten ebenfalls für stabil und sicher halten, ist lang. Ganz oben steht für viele nach dem Schweizer Franken die norwegische Krone. "Wir haben bereits gesehen, dass die norwegische Krone aufwertet und die Renditen fallen, denn diese Währung avanciert jetzt zum Franken-Äquivalent in Europa", schreibt beispielsweise Thanos Papasavvas, Leiter Währungsmanagement bei der Anlagefirma Investec Asset Management, in einem aktuellen Marktkommentar.

Der Grund: Norwegen verfügt, basierend auf den landeseigenen Rohölvorkommen, über eine gesunde Wirtschaft. Und die Staatsverschuldung bewegt sich mit zuletzt nicht einmal 45 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf vergleichsweise niedrigem Niveau.

Aus ähnlichen Gründen nennt mancher Fachmann auch die schwedische Krone als Ausweichhafen. Doch Vorsicht: Auch am skandinavischen Anlagehimmel ziehen bereits dunkle Wolken auf. Der Aufstieg der eigenen Währung zum internationalen Star wird in Oslo offenbar mit Argusaugen beobachtet. Norwegens Notenbankchef Öystein Olsen deutete kürzlich bereits an, dass auch er bereit sei, in den Markt einzugreifen, sollte die Krone allzu stark werden.

Rohstoffvorkommen als Pluspunkt

Weiter also zur nächsten Alternative: Axel Merk, Währungsexperte und Portfoliomanager bei Merk Funds, hat sich für den australischen Dollar entschieden. Jeder kenne Merk Investments als "Euro-Bullen", schrieb er kürzlich an seine Investoren. Nun habe man jedoch beschlossen, mit 90 von 700 Millionen verwalteten Dollar aus dem Euro in den australischen Dollar zu wechseln. "Die Strategie lautet nun, den Euro unter zu gewichten", so Merk.

Auch Eberhard Weinberger, Vorstand beim Vermögensverwalter DJE, hält den Aussie-Dollar für attraktiv. "Hier könnten aufgrund der geringen Staatsverschuldung auch Staatsanleihen in Erwägung gezogen werden", sagt er zu manager magazin Online. "Allerdings nicht solche mit zu langen Laufzeiten."

Darüber hinaus hinterlassen Schwellenländerwährungen wie der chinesische Renminbi bei Weinberger den fundamental gesündesten Eindruck. "Wer hier allerdings über die Hong Kong-Börse in langfristig attraktive Aktienwerte investieren will, sollte bei erneuter Dollar-Schwäche auch den Hong Kong Dollar absichern", sagt er. Denn dieser sei noch an den US-Dollar gebunden.

Der Fachmann liegt damit auf einer Linie mit dem Feri-Experten von Schüssler, der neben dem kanadischen Dollar und dem Singapur Dollar ebenfalls die chinesische Währung nennt. "Entscheidend ist es, nach Ländern Ausschau zu halten, die über ein stabiles Bankensystem, eine generell solide Wirtschaft sowie verlässliche politische Verhältnisse verfügen", sagt er. "Im Falle Kanadas kommen ähnlich wie bei Norwegen die Rohstoffvorkommen als Pluspunkt hinzu."

Warum das britische Pfund umstritten ist

Auch Währungsexperte Schlösser von Portfolio Concept sieht gute Anlagechancen in den Schwellenländern. "Die Emerging Markets dort, zu denen wir neben Asien auch Lateinamerika zählen, verfügen über stark wachsende Volkswirtschaften mit geringen Staatsschulden", sagt er. "Die Inflation ist zwar vielfach hoch, dafür werden aber auch höhere Zinsen gezahlt." Schlösser rät Anlegern, die tatsächlich so weit in der Ferne investieren möchten, zu so genannten Local-Currency-Fonds, die die Gelder der Investoren in lokaler Währung breit streuen.

Doch auch in der Nähe gibt es weitere Möglichkeiten. Zum Beispiel das britische Pfund. "Das Pfund könnte ebenfalls von den Turbulenzen auf den Devisenmärkten profitieren", sagt Burkhard Allgeier, Chefvolkswirt und Teamleiter des Portfolio Managements bei der Privatbank Hauck & Aufhäuser. "Es ist zwar fundamental etwas schwächer als beispielsweise die norwegische oder die schwedische Krone. Das Pfund hat aber bereits eine große Abwertung hinter sich." Zudem verfügt es nach Angaben des Experten im Gegensatz zu den skandinavischen Währungsräumen über einen vergleichsweise großen Markt.

Experte Keil von Premium Pearls macht allerdings auf die schwächen der Britenwährung aufmerksam: "Das Pfund wird durch die marode Lage der britischen Staatsfinanzen, soziale Spannungen und eine deutlich negative Realverzinsung belastet. Zudem ist die britische Ökonomie durch die De-Industrialisierung der letzten Jahrzehnte in ihren Grundfesten erschüttert."

"Ich rate meinen Anlegern immer von Währungsspekulationen ab"

Dennoch: Der Reigen an alternativen Währungen, die für eine Flucht aus dem Euro-Raum in Frage kommen, ist groß. Anleger sollten allerdings nicht vergessen, dass jede Wechselkurschance immer gleichzeitig auch ein Wechselkursrisiko ist. In vielen Fällen dürfte daher der Transfer in andere Gefilde nur sinnvoll sein, wenn die Zukunft des Euro tatsächlich sehr pessimistisch eingeschätzt wird.

"Ich halte die Idee, aus dem Euro fliehen zu wollen, für nicht durchdacht", sagt daher Vermögensverwalter Hannes Peterreins aus München. "Ich rate meinen Anlegern immer davon ab."

Wer in Deutschland lebt, für den zählt zunächst der Euro, so Peterreins. Alles andere sei eine "über alle Maßen riskante" Währungsspekulation. "Ich frage mich, wovor genau die Menschen Angst haben", so der Investmentprofi. "Der Euro war seit seiner Einführung und auch in den letzten Monaten überaus stabil, stabiler sogar, als es die D-Mark im Durchschnitt war."

Peterreins betont, dass es sich bei der aktuell schwierigen Situation nicht um eine Euro-Krise handelt, sondern um eine europäische Staatsschuldenkrise. "Nicht der Euro wackelt, sondern europäische Staaten", sagt er.

Anleger muss das dennoch nicht abschrecken. Denn auch wenn sich die europäische Großwetterlage wieder beruhigt und der Euro Bestand hat, können sie an den Devisenmärkten Geld verdienen. Zum Beispiel mit Währungsfonds wie jenem von Portfolio Concept-Mann Titus Schlösser. Diese Fonds setzen mal auf die eine, mal auf die andere Währung. Am Ende kann eine erkleckliche Rendite stehen - wenn die Wechselkursschwankungen richtig vorhergesehen wurden.

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