Mittwoch, 19. Februar 2020

Wechselkursfalle Franken-Kredite kosten Anleger Millionen

Starker Franken: Kredite in der Schweizer Währung versprachen seinerzeit Zinsvorteile - und erweisen sich nun für viele Schiffs- und Immobilienfonds als fatal

Jahrelang frisierten Initiatoren ihre Immobilien- und Schiffsfonds mit zinsgünstigen Fremdwährungskrediten. Jetzt kommt die Rechnung: Der Höhenflug von Schweizer Franken und Yen kostet viele Anleger die Ausschüttungen. Und ein Schiff soll bereits notverkauft werden.  

Hamburg - Von so einem Beteiligungsobjekt können Anleger eigentlich nur träumen: Das Einkaufszentrum Forum Köpenick liegt mitten in Berlin, die Ladenflächen sind beinahe vollständig vermietet und die Besucherzahlen legten in den vergangenen Jahren trotz Konkurrenz in der Nachbarschaft zum Teil sogar noch zu. Logische Folge: Operativ schreibt der Shoppingtempel schwarze Zahlen.

Die Investoren, die tatsächlich Geld ins Forum Köpenick gesteckt haben, können sich daran aber seit einiger Zeit nicht mehr so recht erfreuen. Mit umgerechnet rund 115 Millionen Euro beteiligten sie sich Ende der 90er Jahre am Fonds Nummer 32 der Fundus-Gruppe, der das Einkaufzentrum finanzierte. Hinzu kamen Bankkredite von umgerechnet knapp 120 Millionen Euro - und die lauteten zur Hälfte auf Schweizer Franken.

Diese Finanzierung in fremder Währung, die ursprünglich wegen eines Zinsvorteils von rund 1,7 Prozentpunkten eingegangen worden war, erweist sich nun als fatal. Denn der Höhenflug des Schweizer Franken in den vergangenen Monaten führt dazu, dass sowohl die Kreditkosten als auch die Restschuld des Fonds erheblich ansteigen.

Für Anno-August Jagdfeld, den Chef der Fundus-Gruppe und schillernden Fondsinitiator, ist das nur eine von vielen Baustellen, auf denen er im Osten Deutschlands derzeit zu ackern hat. Sein Vorzeigeprojekt Ostseebad Heiligendamm läuft längst nicht wie geplant und beim Hotel Adlon in Berlin liegt Jagdfeld mit den Anlegern im Clinch.

Mehr als 100 Fonds betroffen

Probleme mit dem teuren Franken hat indes längst nicht nur der Fundus-Fonds. Initiator Jagdfeld war Ende der 90er Jahre zwar einer der Ersten, der zu Finanzierungen in der Alpen-Währung griff - ihm folgten aber unzählige Nachahmer. Insbesondere die Macher von Immobilienfonds konnten dem Reiz der günstigen Zinsen in der Schweiz nicht widerstehen. Später schlossen sich ihnen einige Schiffsfondsinitiatoren an und nahmen ebenfalls Kredite auf Schweizer Franken in die Fondskonzeption auf. Schließlich erlaubte es ihnen der Zinsvorteil von ein bis zwei Prozentpunkten, die Ausschüttungsprognose gegenüber den Anlegern um wertvolle Prozente nach oben zu schrauben.

Welches Ausmaß die Fremdwährungsfinanzierung in der deutschen Fondslandschaft hat, zeigt eine Auswertung, die die Berliner Ratingagentur Scope für das manager magazin erstellt hat. Sie lässt darauf schließen, dass zwischen den späten 90ern und der Mitte des vergangenen Jahrzehnts mehr als jeder zehnte hierzulande aufgelegte geschlossene Fonds einen Kredit auf Schweizer Franken enthielt. Kaum ein Initiator, der der Versuchung nicht erlag - von den inzwischen börsennotierten Großemittenten MPC Capital Börsen-Chart zeigen und HCI Capital Börsen-Chart zeigen über namhafte Häuser wie Real IS, Hannover Leasing und Alcas bis hin zur Kölner Dr. Ebertz & Partner Gruppe des Branchenurgesteins Herbert Ebertz. Insgesamt dürfte es sich um weit mehr als 100 Fonds handeln, in die Anleger ein Milliardenvermögen investierten.

Heute wird der Schweizer Franken für diese Fonds mehr und mehr zur Belastung - und zwar nicht nur für die Immobilienfonds, sondern auch für die Schiffsfonds. Die maritime Branche kämpft gegenwärtig ohnehin noch mit den Folgen der Wirtschaftskrise. Zahlreiche Beteiligungsgesellschaften befinden sich in Schieflage, auch Insolvenzen hat es bereits gegeben.

Doch nicht nur die Turbulenzen auf den Schifffahrtsmärkten machen den Fonds zu schaffen. Ihren Ursprung haben die Probleme auch auf den Devisenmärkten. Und zwar nicht nur wegen des starken Franken, sondern vor allem wegen des ebenfalls erstarkten japanischen Yen. Der wurde in der Vergangenheit von den Schiffsfondsmachern beinahe regelmäßig für Finanzierungen eingesetzt.

"Es war viele Jahre lang üblich, große Teile der Darlehen in den Yen auszulagern, um von den günstigen Zinsen zu profitieren", sagt der Berliner Anlegeranwalt Wolfgang Schirp. "Die Banken haben das mitgemacht, haben allerdings ihre eigenen Interessen durch spezielle Klauseln gesichert." Die Folge: Im Ernstfall können die Banken zum Beispiel Ausschüttungsverzichte der Fondsgesellschaft gegenüber den Zeichnern verhängen, mit dem Ziel, die Liquidität im Fonds zu steigern. "Dadurch werden gegenwärtig in einer Vielzahl von Fonds Anleger um ihre Ausschüttungen gebracht", sagt Schirp. Ob das Währungsrisiko im Prospekt immer ausreichend deutlich zum Ausdruck gebracht wurde, ist nach Ansicht des Juristen fraglich.

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