Neue Investmentart Anleger schielen auf wertstabile Straßen

Straßen, Schienen, Leitungen, Brücken: Warum Investments in diese vermeintlich langweiligen Güter eine gute Idee sind und welche Rolle die leeren Staatssäckel dabei spielen, sagt Jens Kleine, Professor am Steinbeis Research Center for Financial Services, im Gespräch mit dem manager magazin.
Von Arne Gottschalck
Autobahn: Bewegung auch fürs Depot?

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Foto: DPA

mm: Professor Kleine, in der Krise raten Finanzexperten dazu, Geld in solide Investments zu stecken, die stete Cashflows haben - zum Beispiel Infrastrukturanlagen. Wie einfach ist das umzusetzen?

Kleine: Grundsätzlich ist die Frage der Investierbarkeit von Infrastrukturinvestments marktabhängig. Während beispielsweise die Märkte in Australien oder auch Großbritannien schon sehr weit entwickelt sind, befindet sich der deutsche Markt noch in einer Entwicklungsphase. Allgemein ist das Produktangebot allerdings deutlich größer als noch vor einigen Jahren.

mm: Ausreichend groß für eine echte Anlageklasse?

Kleine: Ich würde noch nicht von einem wirklich breiten Markt sprechen. Das Angebot an echten Infrastrukturprodukten ist nach wie vor begrenzt. Nicht jedes Angebot mit dem Label "Infrastruktur" kann die Anforderungen der Investoren an ein Infrastrukturinvestment wie Wertstabilität, stabile Cashflows und Diversifikation auch erfüllen. Es gilt also darauf zu achten, ob wirklich in ein Infrastrukturprojekt angelegt wird - oder in ein Unternehmen, das im Bereich Infrastruktur tätig ist.

mm: Warum soll sich der Anleger dann um Infrastrukturinvestments bemühen?

Kleine: Die sehr volatilen Märkte und die unsicheren Zukunftsaussichten sorgen für eine starke Nachfrage nach sicheren Anlagen. Zusammen mit den niedrigen Zinsen und den Bonitätsproblemen zahlreicher Anleihenemittenten gewinnen echte Investitionsalternativen an Attraktivität und Bedeutung. Infrastrukturinvestments bieten eben Wertstabilität und stabile Cashflows.

mm: Das schaffen Anleger aber auch mit Sparkassenbriefen, oder?

Kleine: Infrastrukturinvestments haben zudem eine geringe Korrelation zu anderen Investments und bieten dadurch attraktive Diversifikationspotentiale. Auch die Volatilität echter Infrastrukturinvestments ist oftmals gering. Und durch die langfristige Laufzeit der Projekte von in der Regel zwölf und mehr Jahren haben die Anleger zudem über einen großen Zeitraum hinweg Planungssicherheit. Da diese Eigenschaften für alle Investoren sehr attraktiv sind, sind entsprechende Angebote am Markt auch sehr schnell vergriffen. Diese Situation wird durch die wenigen verfügbaren Assets, die als Grundlage dienen können noch verschärft.

mm: Die Zukunftsaussichten des Segments sind also nach Ihrer Meinung gut?

Kleine: Auch zukünftig ist von einem weiteren Wachstum des Segments auszugehen. Zum einen besteht weltweit ein riesiger Bedarf an Infrastrukturinvestments, um die wirtschaftliche Basis aufrechtzuerhalten und auszubauen. Zum anderen sorgt die schlechte finanzielle Situation vieler Staaten, in Verbindung mit dem daraus entstehenden Konsolidierungsbedarf der öffentlichen Haushalte, für eine zunehmendes Angebot. Durch die Beteiligung privater Investoren kann der Haushalt entlastet werden, wobei trotzdem der Erhalt oder sogar die Verbesserung der wirtschaftlich notwendigen Infrastruktur sichergestellt wird.

mm: Sie rechnen also mit einer Verbreiterung des Angebots für Infrastrukturinvestoren. Von welcher Größenordnung gehen Sie denn aus?

Kleine: Aus Investorensicht ist diese Anlageform attraktiv, sofern sie Zugang zu echten Infrastrukturinvestments bekommen. Dies ist in Deutschland aktuell noch nicht der Fall - aufgrund des begrenzten Angebotes. Ändert sich das, ist alleine durch die institutionellen Investoren am hiesigen Markt in den nächsten drei Jahren mit mehr als einer Verdoppelung der investierten Mittel von aktuell etwa sieben Milliarden Euro zu rechnen.

mm: Aber zumindest den westlichen Regierungen geht das Geld aus, auch für die teuren Infrastrukturprogramme. Wird diese Entwicklung das Segment belasten?

Kleine: Sicherlich hat das Auslaufen der Programme Folgen. Da der Bedarf zur Erneuerung und dem Ausbau der Infrastruktur allerdings weiter besteht und auch erfolgen muss, kommt es wohl eher zu einer Verschiebung in der Finanzierung. Da viele Staaten aus Budgetgründen die Infrastrukturinvestments nicht mehr finanzieren können, diese aber notwendig sind, werden verstärkt private Investoren die Finanzierung übernehmen. Das kann sogar zu einem Anstieg der verfügbaren Assets führen, was die Investoren sicherlich begrüßen würden. Langfristig ist dadurch mit einem weiterhin dynamischen Marktwachstum zu rechnen.

mm: Warum reicht es nicht, einfach eine Aktie von zum Beispiel Hochtief  zu kaufen? Hätte man damit nicht schon ein Infrastrukturinvestment getätigt?

Kleine: Der Kauf von infrastrukturbezogenen Aktien stellt nur bedingt eine echte Infrastrukturanlage dar. Zwar ist das Unternehmen mit Bereich Infrastruktur tätig, die Charakteristik der Anlage entspricht allerdings trotzdem einem Aktieninvestment. Dadurch ist die Wertentwicklung stark vom Aktienmarkt und der allgemein vorherrschenden Marktstimmung und -tendenz abhängig. Eine Aktie kann auf Dauer nur schwer stabile Cashflows bieten. Auch eine hohe Wertstabilität und geringe Volatilität sind durch die Marktbewegungen eher unwahrscheinlich. Hier bieten echte Infrastrukturanlagen wie beispielsweise Autobahnen, Leitungsnetze und so weiter eine vollkommen andere Charakteristik. Diese sind langfristig wertstabil und haben unter anderem durch die monopolartigen Marktstellungen sicher prognostizierbare Erträge.

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