Entwicklung in Libyen Ölpreis fällt - Aktie von Eni haussiert

Angesichts des Vormarschs der Aufständischen in Libyen gibt der Ölpreis deutlich nach. Die Hoffnung auf eine Wiederaufnahme der libyschen Ölförderung beflügelt unterdessen die Aktie des italienischen Versorgers Eni, der Förderanlagen in dem Land betreibt.
Rebellen vor Tripolis: Das Gaddafi-Regime steht vor dem Ende

Rebellen vor Tripolis: Das Gaddafi-Regime steht vor dem Ende

Foto: © Bob Strong / Reuters/ REUTERS

Der für den europäischen Ölmarkt maßgebliche Brent-Ölpreis hat am Montag den Sinkflug mit der Hoffnung auf ein schnelles Ende des Konflikts im Ölförderland Libyen weiter fortgesetzt. Im Mittagshandel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Oktober-Lieferung 107,44 US-Dollar. Das waren 1,18 Dollar weniger als am Freitag. Im frühen Handel war der Brent-Preis noch zeitweise auf ein Tagestief bei 105,15 Dollar abgerutscht.

Mit Blick auf die Lage in Libyen rechnen Experten der Commerzbank mit einem weiter fallenden Preis für Brent-Öl. "In den kommenden Tagen könnte der Preis weiter in Richtung 100 Dollar je Barrel fallen", hieß es in einem Marktkommentar. Das sich abzeichnende Ende des Gaddafi-Regimes dürfte eine baldige Wiederaufnahme der libyschen Ölproduktion in die Wege leiten.

Vor dem Ausbruch der Unruhen im März in den nordafrikanischen Land betrug die Ölproduktion Libyens 1,6 Millionen Barrel pro Tag. Seither ist das Produktionsvolumen nach Schätzungen der Commerzbank-Experten auf täglich nur noch 60.000 Barrel gesunken. Trotz der monatelangen Kämpfe um die libyschen Ölförderanlagen dürften die Produktion in dem Mitgliedsstaat der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) schnell wieder anlaufen, hieß es weiter bei der Commerzbank.

Die Commerzbank-Experten begründeten ihre positive Einschätzung für die libysche Ölproduktion mit den Erfahrungen aus dem Irakkrieg 2003. "Der Irak kann ein Anhaltspunkt dafür sein, wie schnell die Ölproduktion in Libyen wieder aufgenommen werden könnte", hieß es. Die irakische Ölproduktion sei unmittelbar nach der US-geführten Invasion im Frühjahr 2003 auf nahe Null gefallen. Ende 2003 habe sie bereits wieder nahezu das Vorkriegsniveau erreicht.

Opec-Ölpreis sinkt deutlich - Aktien von Eni und OMV steigen

Unterdessen sank der Preis für Opec-Rohöl deutlich. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Montag kostete ein Barrel (159 Liter) am Freitag im Durchschnitt 103,36 US-Dollar. Das waren 2,06 Dollar weniger als am Donnerstag. Die Opec berechnet ihren Korbpreis täglich auf Basis von zwölf wichtigen Sorten des Kartells.

Die Hoffnung auf eine Wiederaufnahme der libyschen Ölförderung hat am Montag Eni  und OMV  beflügelt. Die Aktien der beiden Konzerne, die Anlagen in dem nordafrikanischen Land betreiben, stiegen um jeweils rund 4 Prozent.

Als Auslöser für die Spekulationen nannten Börsianer die Berichte über das Vordringen der libyschen Rebellen in die Hauptstadt Tripolis. Gefragt waren auch Unicredit , deren Aktien im Branchenvergleich überdurchschnittliche 3,1 Prozent auf 0,93 Euro zulegten. Libyen ist Großaktionär der italienischen Großbank.

rei/la/dpa/afp
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.