Montag, 21. Oktober 2019

Solar Millennium Verluste wachsen - Aktie bricht um 60 Prozent ein

Parabolrinnenkraftwerk in Spanien: In den USA hat sich Solar Millennium mit einem ähnlichen Projekt verhoben
Solar Millennium
Parabolrinnenkraftwerk in Spanien: In den USA hat sich Solar Millennium mit einem ähnlichen Projekt verhoben

Solar Millennium kommt nicht zur Ruhe. Einen Tag nach dem offiziellen Aus für ein ambitioniertes 1000-Megawatt-Projekt in den USA werden die Folgen für den Kraftwerksprojektierer deutlich. Schon eingeplante Einnahmen sollen später fließen, der Verlust weitet sich aus. Die Aktie verliert knapp 60 Prozent.

Erlangen - Die Aktie des Solartechnikherstellers Solar Millennium ist am Freitag auf Talfahrt gegangen. Das Papier verlor nach einer radikalen Kehrtwende des Unternehmens bei einem Prestigeprojekt in den USA fast 60 Prozent. Schon am Donnerstag hatten die Anteilsscheine knapp 30 Prozent verloren.

Zudem rutschte das Unternehmen im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres noch tiefer in die roten Zahlen. Der Nettoverlust stieg um 42 Prozent auf 40,7 Millionen Euro. Die Betriebsleistung sank von 43 auf 34,6 Millionen Euro, der Umsatz sogar um zwei Drittel von 32 auf 11 Millionen Euro.

Solar Millennium Börsen-Chart zeigen hatte am Vortag angekündigt, bei einem geplanten Großkraftwerk in Kalifornien noch einmal ganz von vorne beginnen zu müssen. Statt wie bislang auf Solarthermie will das Unternehmen nun auf herkömmliche Fotovoltaikmodule setzen.

"Wenn ein Unternehmen bei einem derart groß propagierten Projekt umschwenkt, ist das ein herber Einschnitt", sagte Aktionärsvertreter Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, gegenüber manager magazin. Bisher hatten sich Solar-Millennium-Investoren vor allem für die von dem Unternehmen verfolgte Solarthermie-Strategie interessiert.

Im Geschäft mit Fotovoltaikprojekten ist das Unternehmen einer von vielen Anbietern. "Inzwischen suchen sehr viele Zell- und Modulhersteller ihr Heil im Projektgeschäft in den USA", sagt Klose.

Vorstandschef Christoph Wolff begründete den Strategiewechsel in den USA mit veränderten Marktbedingungen. Eigentlich wollte Solar Millennium am Standort Blythe in der kalifornischen Wüste riesige Parabolspiegel zur Bündelung des Sonnenlichts aufstellen. Die dadurch entstehende Wärme soll Wasser zum Kochen bringen und mit dem Dampf Turbinen antreiben.

Aktionärsschützer: Großer Partner täte Solar Millennium gut

Für das 1000-Megawatt-Kraftwerk lagen alle Genehmigungen und Förderungen vor. Trotzdem gelang die Finanzierung nicht. 2,8 Milliarden Dollar sollte der erste Teil des Projekts kosten, 75 Prozent davon waren durch Garantien der US-Regierung abgesichert.

"Man weiß nicht mehr, wo das Unternehmen hin will", sagte Analyst Sebastian Zank von Quandt Research angesichts des Strategieschwenks. Damit sei die Glaubwürdigkeit von Solar Millennium nicht zum ersten Mal beschädigt. Zuletzt war die Firma mit Sitz in Erlangen durch einen Verdacht auf Insiderhandel durch ein Aufsichtsratsmitglied und rasche Personalwechsel in die Schlagzeilen geraten. Noch immer streitet sich die Firma mit Ex-Chef Utz Claassen um eine Abfindung.

Obwohl Solar Millennium einige Anlagen in Spanien und Ägypten erfolgreich ans Netz gebracht haben, habe sich das Unternehmen in den USA womöglich überhoben, monieren Aktionärsschützer. Besorgt sind sie vor allem, weil Solar Millennium besonders um Kleinanleger buhlt.

"Blythe ist ein Quantensprung für Solar Millennium. Die Frage ist, ob sich so etwas tatsächlich mit dem Geld von Kleinanlegern bewältigen lässt", sagt Klose. "Ein großer strategischer Partner wäre in der gegenwärtigen Situation wichtig für Solar Millennium." Alles hänge nun davon ab, ob es den Erlangern gelingt, das neue Projekt in Kalifornien wie geplant durchzuziehen. Gelingt dies, könne sich der Schwenk nachträglich sogar als geringeres Übel für die Anleger erweisen.

"Ich erwarte so mehr Aufträge und eine Verstetigung der Einnahmen", sagte Wolff mit Blick auf den Strategieschwenk. Mit Banken wird seinen Angaben zufolge derzeit über eine neue Unternehmensfinanzierung verhandelt. Der Manager bezifferte die langfristigen Schulden der Firma auf rund 250 Millionen Euro.

mit Material von dpa und rtr

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