Samstag, 30. Mai 2020

Geldnot Degi löst weiteren Immobilienfonds auf

Skyline von Frankfurt: Büroimmobilien zählen zu den bevorzugten Investitionsobjekten offener Immobilienfonds

Neue Hiobsbotschaft von den Anbietern offener Immobilienfonds: Die Fondsgesellschaft Aberdeen kündigt an, einen weiteren Fonds wegen Liquiditätsnot aufzulösen. Nach und nach werden die Anleger in den kommenden drei Jahren ausbezahlt - allerdings wohl mit Abschlägen.  

Frankfurt am Main - Die Krise der offenen Immobilienfonds in Deutschland fordert ein weiteres Opfer. Der nur für institutionelle Investoren aufgelegte Fonds Degi Global Business werde geordnet aufgelöst, teilte die Aberdeen Immobilien Kapitalanlagegesellschaft am Donnerstag in Frankfurt mit. In dem Fonds haben knapp 100 Investoren wie Pensionskassen, Versicherungen oder auch Dachfonds 253,8 Millionen Euro investiert.

Das noch vorhandene Vermögen soll bis spätestens Juni 2014 an die Anleger ausgezahlt werden. Bis dahin sollen die elf übriggebliebenen Immobilien zu einem möglichst angemessenen Preis veräußert werden. "Dass man bei Notverkäufen immer gewisse Abschläge hinnehmen muss, weiß aber jeder", sagte Aberdeen-Sprecher Robert Bauer. Geplant seien zwei Auszahlungen im Jahr, die erste im Oktober 2011.

Die Finanzkrise hatte den Degi Global Business wie viele andere offene Immobilienfonds schwer getroffen. Die Rücknahme von Anteilen musste im November 2009 ausgesetzt werden, weil nicht genügend Liquidität vorhanden war, um angekündigte Rückgabewünsche zu erfüllen. Zudem machen dem 2005 aufgelegten Fonds Wertrückgänge von Immobilien insbesondere in Kroatien und Rumänien zu schaffen.

Reihenweise Fonds weiter geschlossen

Hintergrund: Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 hatte ein Dutzend offener Immobilienfonds schließen müssen, weil Anleger massiv Geld abzogen. Inzwischen haben mehrere Anbieter die Auflösung von Fonds angekündigt. Betroffen sind beispielsweise: Der Degi Europa, der Morgan Stanley P2 Value, der Kanam US-Grundinvest sowie der PMIA für Commerzbank-Kunden. Sie hatten es nicht innerhalb der gesetzlichen Frist geschafft, mit dem Verkauf von Teilen ihrer Immobilien genügend Geld für eine Wiederöffnung zu beschaffen.

Eine Reihe weiterer offener Immobilienfonds ist nach wie vor geschlossen, darunter milliardenschwere Fonds mit Hunderttausenden privaten Anlegern. Derzeit haben etwa die Fonds CS Euroreal, SEB Immoinvest, Degi German Business, Kanam Grundinvest oder Axa Immoselect die Rücknahem von Anteilen ausgesetzt.

Ebenso derzeit geschlossen ist der Degi International von Aberdeen. Die Auflösung des Degi Global Business lasse keinerlei Rückschlüsse auf die Zukunft des deutlich größeren Degi International zu, sagte allerdings ein Sprecher der Fondsgesellschaft. Aberdeen sei weiter zuversichtlich, den Fonds spätestens im November wieder öffnen zu können.

cr/rtr/dpa-afx

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