Donnerstag, 5. Dezember 2019

Devisenmarkt Schweiz interveniert erneut gegen Franken-Stärke

Höhenflug mit Unterbrechung: Der Schweizer Franken hat gegenüber dem Euro zuletzt an Wert verloren

Der Schweizerische Nationalbank greift zum dritten Mal massiv in den Markt ein, um die Stärke des Franken zu unterminieren. Durch eine Erhöhung der Liquidität auf dem Markt will die Bank Druck auf die Geldmarktzinsen auslösen. Der Kurs des Franken reagiert zunächst überraschend.

Frankfurt am Main - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) will noch entschlossener gegen die Frankenstärke vorgehen. Die Liquidität auf dem Franken-Geldmarkt solle nochmals signifikant erhöht werden, teilte die SNB am Mittwoch in Zürich mit. Damit soll der Abwärtsdruck auf die Geldmarktzinsen erhöht werden.

Die Sichtguthaben der Geschäftsbanken bei der Nationalbank sollen von 120 Milliarden auf 200 Milliarden Schweizer Franken steigen. Dazu sollen Geldmarktpapiere zurückgekauft und Devisen-Swapgeschäfte eingesetzt werden. Ziel sei es, den neuen Zielwert so schnell wie möglich zu erreichen.

Damit erhöht die SNB bereits zum dritten Mal die Liquidität am Markt. Die bisher getroffen Maßnahmen gegen die Frankenstärke zeigen laut SNB auch Wirkung. Tatsächlich ist der Kurs des Franken in den vergangenen Tagen zu anderen wichtigen Währungen auch merklich gefallen.

Markt reagiert anders als erwartet

Zuletzt erreichte der Franken am Mittwochvormittag gegenüber dem Euro Börsen-Chart zeigen den tiefsten Stand seit Beginn der aktuellen Börsenturbulenzen. Im Gegenzug stieg der Euro auf bis zu 1,1550 Franken. Das ist der höchste Wert seit Anfang August. Auch gegenüber dem Dollar gab der Franken nochmals nach.

Der Sinkflug wird von Beobachtern nur zum Teil auf die bessere Börsenstimmung zurückgeführt. Auch die Eingriffe der SNB, die mit Zinssenkungen und einer Erhöhung der Franken-Liquidität Einfluss nimmt, dürften wirken.

Darüber hinaus scheint die Notenbank über ein Kursziel oder sogar eine zeitweise Anbindung an den Euro nachzudenken. Diese Spekulationen haben den Franken zuletzt ebenfalls stark unter Druck gesetzt. "Trotzdem bleibt der Schweizer Franken massiv überbewertet", begründet die Bank heute die erneuten Maßnahmen.

Auf die Ankündigung der SNB reagierte der Franken heute jedoch zunächst mit Kursgewinnen. Der Euro fiel auf ein Tagestief von 1,1224 Franken. Die SNB droht den Märkten jedoch mit zusätzlichen Maßnahmen: "Im Übrigen bekräftigt die Nationalbank ihre zuvor gemachten Ankündigungen, dass sie bei Bedarf weitere Maßnahmen gegen die Frankenstärke ergreifen wird."

Ein schwächerer Franken kommt vor allem der Schweizer Wirtschaft zupass. Denn wie der japanische Yen gilt der Franken am Devisenmarkt als "sicherer Hafen", in den sich die Anleger in turbulenten Zeiten flüchten. Insbesondere seit dem Ausbruch der Schuldenkrise im Jahr 2010 hat der Franken zu vielen wichtigen Währungen stark zugelegt, was den Außenhandel der Schweiz stark belastet. Zudem beklagt der heimische Einzelhandel Umsatzrückgänge, da viele Schweizer die starke heimische Währung in grenznahen Gebieten für Käufe nutzen.

cr/dpa-afx

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