Fondsmanager Stubenrauch Geldprofi warnt vor Pseudo-Sicherheit

An einem Tag steigen die Aktienkurse, am nächsten stürzen sie. Das macht die Anleger nervös. Doch wo ist der sichere Hafen? Im Interview mit manager magazin nimmt Fondsmanager und Honorarberater Wilfried Stubenrauch den Investoren die Hoffnung auf die eine rettende Idee.
Von Arne Gottschalck
Was nun? Das Auf und Ab an der Börse zehrt an den Nerven - und wirft die Frage auf, wo Geld noch sicher angelegt ist

Was nun? Das Auf und Ab an der Börse zehrt an den Nerven - und wirft die Frage auf, wo Geld noch sicher angelegt ist

Foto: Getty Images

mm: Gibt es so etwas wie einen sicheren Hafen derzeit?

Stubenrauch: Zunächst stellt sich bei der Suche nach dem sicheren Hafen die Frage nach den Risiken, die auftreten können. Als Erstes kommen einem - wie jüngst gesehen - fallende Kurse in den Sinn. Doch auch die Themen Inflation, Liquidität und Solvenz spielen dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle. So kommt man in der aktuellen Betrachtung sehr schnell zu der Einschätzung, dass es "den" sicheren Hafen nicht gibt.

mm: Anleihen sind für Sie also derzeit per se unsicher?

Stubenrauch: Wenn man sich die gängigen Anlageklassen anschaut, haben Staatsanleihen von Industriestaaten den Nachteil, dass Sie keinen realen Kapitalerhalt garantieren können. Das gilt auch für Kapitallebensversicherungen, Bausparverträge und Geldmarkt- und Festgeldanlagen. Auch sind Kursverluste im Bereich der längeren Laufzeiten nicht auszuschließen.

mm: Und Aktien?

Stubenrauch: Aktien liefern - sofern es sich um gute Unternehmen handelt - langfristig einen real positiven Return, sind aber kurzfristig kein sicherer Hafen. Edelmetalle sind ebenfalls nicht für die kurzfristige Anlage geeignet, auch wenn sie gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten etwas Stabilität versprechen und somit auch einen realen Werterhalt.

mm: Was ist mit Immobilien, die ja oft als Betongold angepriesen werden.

Stubenrauch: Bei Immobilien kann man langfristig von einem realen Werterhalt sprechen, sofern die Objekte einen attraktiven Standort vorweisen können. Leider sind Immobilien aber nicht liquide, sodass bei einem kurzfristigen Geldbedarf oder einer Veränderung der Attraktivität des Standorts Wertverluste drohen. Es bleiben noch alternative Anlagen. Diese sind sehr vielfältig, haben aber alle ihre Stärken oder auch Schwächen in bestimmten Marktphasen oder sind mit Risiken behaftet, die in der Struktur der Anlage liegen.

mm: Und das bedeutet für den Anleger?

Stubenrauch: Dass es den sicheren Hafen nicht gibt. Um sein Kapital möglichst sicher anzulegen, geht an einer Risikostreuung in viele Anlageklassen kein Weg vorbei. Die muss jedoch für jeden Anleger individuell gestaltet sein, da sowohl der Zeithorizont für die Anlage als auch der emotionale Umgang des Anlegers mit hohen Kursschwankungen zu berücksichtigen ist, da sonst die Gefahr eines Verkaufs zum falschen Zeitpunkt besteht.

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