Die Wirtschaftsglosse Vorsicht vor den Panikisten

Aktien verkaufen, Aktien kaufen, Anleihen kaufen, aber nur wenn - ja was denn nun? Am Finanzmarkt regiert einmal mehr die Unvernunft und Anleger erleiden Panikattacken. Aber keine Sorge, am Ende des Tages gibt es auch dagegen eine Medizin.  
Finger weg: Jeder Druck auf den Panikknopf hat verheerende Folgen

Finger weg: Jeder Druck auf den Panikknopf hat verheerende Folgen

Foto: Konrad Lischka

An den Finanzmärkten schlägt wieder die Stunde der Panikisten. Wissenschaftler zählen sie zur Gruppe der Extremisten, ebenso wie beispielsweise die Islamisten, die Nationalisten oder die Filialisten.

Charakteristisches Merkmal der Panikisten ist die fanatische Fixierung auf die Panik, die vielfach ans Pathologische grenzt. Typisch ist dann folgendes Krankheitsbild: Wacht der Panikist morgens auf, denkt er schon an Panik. Und geht er abends zu Bett, ist sein letzter Gedanke? Richtig: die Panik. Panisch putzt er sich die Zähne, panisch frühstückt er, panisch eilt er zur Arbeit, also zum Beispiel ins Ministerium, in den Handelsraum oder in die Redaktion. Dazwischen noch rasch ein Blick in die Zeitung, aber beinahe panisch, bitteschön.

Am Arbeitsplatz angekommen, gibt es dann oft kein halten mehr. Panisch werden Aktien verkauft, panisch werden Beschlüsse gefasst, panisch wird darüber berichtet (nie ohne exzessive Verwendung der Worte "Horror", "Schock" und, vor allem , "Panik"/"panisch" (sic)).

Dabei kommt es oft zu fatalen Verkettungen: Panische Aktionen fügen sich mit anderen panischen Aktionen zusammen und lösen neue, noch panischere Aktionen aus. Mediziner sprechen dann fasziniert vom Phänomen der "Panik permagna" (ugs. "gigantische Riesenpanik"). Aus Panikisten, sagen sie, werden in solchen Fällen häufig noch panischere Panopathen.

Doch wo liegt der Ursprung der Störung? Und wie ist ihr zu begegnen? Das Lexikon verrät: Die "Panik" geht auf den griechischen Hirtengott Pan zurück, der, so die Sage, in der Lage war, schlagartig ganze Herden in Aufruhr zu versetzen. Die Panikisten, allesamt ein Herde Schafe also? Ja, das könnte wohl eine Erklärung sein …

Fest steht: Schon kleinste Auslöser können bei Panikisten verheerende Wirkung zeigen. Der aktuelle Panikausbruch ist das beste Beispiel dafür: Die Analysten der Ratingfirma Standard & Poor's finden, dass die Vereinigten Staaten heutzutage vielleicht doch nicht mehr ganz so kreditwürdig sind wie ehemals. Ein zuvor avisiertes und auch sonst doch nicht wirklich überraschendes Urteil, möchte man meinen, angesichts eines gigantischen US-Schuldenberges, einer immer noch schwächelnden Wirtschaft dort und einer schier hoffnungslos zerstrittenen Politik in Washington.

Erfahrene Panikisten sehen das jedoch ganz anders - und nutzen den Anlass, um mal eben mehrere Billionen Dollar an Unternehmenswerten bis auf weiteres zu liquidieren.

Die gute Nachricht lautet aber: Es wurde bereits ein Gegenmittel gefunden, mit dem sich der gefährliche Psychodefekt zumindest kontrollieren lässt. Es handelt sich um ein sehr seltenes, gelblich glänzendes Metall. Das muss mühsam aus den Tiefen der Erde gewonnen werden und hat ansonsten eigentlich keinen wirklichen Nutzen für die Menschheit.

Gegen "Panik permagna" jedoch hilft die edle Medizin. Kein Wunder also, dass Panikisten und Panopathen weltweit den Preis dafür schon in die Höhe treiben - panisch geradezu.

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