ThyssenKrupp Analysten sind nicht begeistert

Schöne Zahlen und die Pläne zum Börsengang der Stahltochter wollte Unternehmenschef Schulz auf der Hauptversammlung heute vorstellen. Stattdessen ärgern sich die Aktionäre über einen kräftigen Kursverlust.

Duisburg - Vor Beginn der Hauptversammlung in Duisburg dürften die Aktionäre mit Schrecken auf die Kursnotierungen geschaut haben: Die Aktien der ThyssenKrupp waren an der Frankfurter Börse im frühen Handel der größte Kursverlierer. Am Morgen notierte die Aktie 6,32 Prozent leichter bei 21,50 Euro. Gleichzeitig gab der Dax um 1,5 Prozent auf 6.821,14 Punkte nach.

Die Notierung zeigt, dass die Halbjahreszahlen von ThyssenKrupp an der Börse nicht so gut ankamen. Zwar meldete der Konzern einen Gewinn nach Steuern und Minderheitsanteilen in Höhe von 170,7 Millionen Euro. Das waren 108,5 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum - ThyssenKrupp hatte im vergangenen Jahr ein Rumpfgeschäftsjahr von neun Monaten.

Der Vorsteuergewinn erreichte 366,5 Millionen Euro - und das war weniger als erwartet: Analysten hatten mit einem Vorsteuergewinn zwischen 400 und 550 Millionen Euro gerechnet.

"Wohlwollend kann man sagen, die Zahlen wären im Rahmen der Erwartungen gewesen", erklärte Knut Harmsen von der Hamburger Sparkasse. Ein Teil der Zahlen hätte leicht über den Erwartungen gelegen, ein Teil unter den Voraussagen. "Die Zahlen sind zudem kaum vergleichbar, da ThyssenKrupp sie erstmals nach den IAS-Regeln erstellt hat.".

Die Entwicklung bei ThyssenKrupp sei typisch für die derzeitige Stimmung am Markt: "Schlechte Meldungen werden im Moment nicht hinterfragt, da wird sofort verkauft. Auf gute Meldungen hingegen reagiert niemand."

Umsatz- und Gewinnplus soll anhalten

Optimismus wollte ThyssenKrupp dennoch liefern. Nach Angaben des Unternehmens hat die gute konjunkturelle Lage den Umsatz beflügelt. Der stieg um zehn Prozent auf 17,4 Milliarden Euro. Der Zuwachs sei vor allem vom stark ausgebauten Auslandsgeschäft gekommen, hiess es.

Auch im Gesamtgeschäftsjahr will ThyssenKrupp seinen Umsatz um zehn Prozent steigern - An- und Verkauf von Beteiligungen nicht berücksichtigt. Der Auftragseingang stieg in den ersten sechs Monaten um gut 21 Prozent auf 18,7 Milliarden Euro.

Die positive Gewinnentwicklung soll sich im Gesamtgeschäftsjahr fortsetzen. "Wir rechnen mit einem deutlich verbesserten Gewinn", hieß es aus Essen. Neben Synergieeffekten soll auch der An- und Verkauf von Geschäftsteilen die Ertragskraft stärken.

Emission der Stahltochter soll Kurs stärken

Kurs-Phantasie verspricht ThyssenKrupp auch mit Börsengang der Stahltochter. Die Thyssen Krupp AG, Düsseldorf, erwartet vom dem für Herbst geplanten Börsengang ihrer Stahltochter eine Stärkung des Konzerns. Der Schritt sei der Kernpunkt der strategischen Neuausrichtung und schaffe bessere Voraussetzungen für die weitere Entwicklung der Kerngeschäfte, sagte der Vorstandsvorsitzende Ekkehard Schulz auf der Hauptversammlung in Duisburg.

Die Entkoppelung des Stahlbereichs von den anderen Konzernaktivitäten werde auch eine höhere Bewertung der Thyssen Krupp-Aktie ermöglichen. Nach den Worten von Schulz soll der Liqiditätszufluss aus dem IPO zum großen Teil dem Konzern zu Gute kommen. Welchen Betrag das Unternehmen genau aus dem Börsengang erwartet, sagte der Vorstandsvorsitzende nicht. Er betonte jedoch, man sei zuversichtlich, dass die Plazierung ein Erfolg werde. Thyssen Krupp Steel sei auf dem Weg an die Weltspitze der Stahlunternehmen und verfüge neben den technologischen Kompetenzen über ein beträchtliches Kosteneinsparpotential.

Stahlgeschäft soll weiter gut laufen

Darüber hinaus werde die Gesellschaft die Konsolidierung der Stahlindustrie weiter vorantreiben. Schulz erläuterte, die Stahlnachfrage werde im laufenden Jahr weiterhin gut sein. Bei den Stahlprodukten sei von Erlösverbesserugen auszugehen. Innerhalb des Konzerns würden die Umsatzzuwächse bei der Stahltochter neben dem Bereich MaterialsServices am kräftigsten ausfallen.

Die Thyssen Krupp Steel AG erhält nach den Worten von Schulz durch den Börsengang und die Kapitalerhöhung eine wettbewerbsfähige Kapitalstruktur. Dem Unternehmen eröffneten sich durch das IPO zudem neue Möglichkeiten zur Finanzierung der ehrgeizigen Wachstums- und Expansionsziele.

Steel werde sich "als reinrassiges Stahlunternehmen auf dem Kapitalmarkt positionieren können", unterstrich der Vorstandsvorsitzende. Wie der Konzern bereits zuvor bekannt gegeben hatte, sollen im September oder Oktober zunächst 25 bis 35 Prozent des traditionellen Stahlgeschäfts plaziert werden. Der überwiegende Teil der Aktien wird aus dem Besitz der Thyssen Krupp AG zur Verfügung gestellt. Ein kleinerer Teil wird aus einer Kapitalerhöhung der Steel AG kommen. Schulz bekräftigte am Mittwoch, dass eine breite Plazierung der Steel-Aktie bei privaten und institutionellen Anlegern in Deutschland angestrebt werde. Über eine Plazierung im Ausland werde derzeit noch nachgedacht. Zum weiteren Prozess und den Vorbereitungen des Börsengangs wollte Schulz keine Stellung nehmen. Er hob jedoch hervor: " Wir sind voll im Plan".