Öl-Nachfrage Opec senkt Wachstumsprognose

Der Ölpreis hat erstmals seit Januar wieder die 100-Dollar-Marke unterschritten. Auch die Opec ist pessimistischer: Sie geht in ihrer am Dienstag veröffentlichten Prognose von einem geringeren Nachfrageansteig aus als zuletzt erwartet - und fürchtet Rezessionen in den USA und Europa.
Öl-Feld: Die Opec rechnet angesichts der sich eintrübenden Weltkonjunktur mit einem geringeren Nachfrageanstieg

Öl-Feld: Die Opec rechnet angesichts der sich eintrübenden Weltkonjunktur mit einem geringeren Nachfrageanstieg

Foto: A2800 epa Larry W. Smith/ dpa

Hamburg - Wegen der unsicheren Konjunkturlage wird die Nachfrage nach Öl nach Einschätzung der Opec in diesem Jahr langsamer zulegen als bislang erwartet. "Dunkle Wolken über der Wirtschaft beeinflussen bereits die Richtung des Marktes", erklärte die Organisation Erdölexportierender Länder am Dienstag.

Als Grund dafür nannte das Kartell in seinem Juli-Monatsbericht, der am Dienstag in Wien veröffentlicht wurde, das unterschiedliche Wirtschaftswachstum in den Industrieländern. Während den USA und Europäische Union als Hauptkonsumenten möglicherweise eine Rückkehr der Rezession bevorstehe, werde es in anderen Weltregionen einen signifikanten Nachfragezuwachs geben, hieß es.

Das Kartell senkte daher seine Prognose für das Wachstum um 150.000 Barrel pro Tag auf rund 1,2 Millionen Barrel täglich. 2012 erwartet die Opec, dass die Nachfrage gleichfalls etwas geringer als ursprünglich erwartet um rund 1,3 Millionen Barrel pro Tag zunehmen wird.

Die Opec fördert mehr als ein Drittel der weltweiten Ölmenge. Die Internationale Energieagentur (IEA) legt ihren nächsten Bericht zur Entwicklung auf den weltweiten Ölmärkten am Mittwoch vor.

Ölpreise fallen erstmals wieder unter 100 Dollar

Der Rohölpreis ist am Dienstag erstmals seit Monaten für kurze Zeit unter 100 Dollar gefallen und damit ungefähr auf das Niveau von Ende Januar. Später stieg der Preis wieder über 103 Dollar. Ursache für die starken Preissprünge sind die nervösen Kapitalmärkte. Rohstoffe sind ebenso wie Aktien und Anleihen Spekulationen und damit übermäßigen Marktschwankungen ausgesetzt. "Wir sehen da oft einen Herdentrieb, der in eine Richtung verstärkt wird", sagte der Rohstoffexperte Leon Leschus vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut HWWI am Dienstag. Die fundamentalen Daten wie Förderung, Nachfrage und Verbrauch von Öl treten in solchen Situationen in den Hintergrund.

Für die Verbraucher in Deutschland ist das eine gute Nachricht. Lagen die Preise für einen Liter Superbenzin in der vergangenen Woche noch nahe 1,59 oder 1,60 Euro, so gingen sie am Dienstag im Durchschnitt auf ungefähr 1,54 Euro zurück. Diesel kostet etwa 1,38 Euro.

Auch bei Heizöl ist eine erste Entspannung sichtbar. Der Preis für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Liter) sank in etlichen Städten unter 76 Euro. Das sind sechs Euro weniger als vor einer Woche. Das ist sowohl für Benzin als auch Heizöl immer noch ein relativ hohes Preisniveau. Doch auch Rohöl ist noch nicht wirklich billig geworden, es ist immer noch rund zehn Dollar teurer als zu Jahresbeginn.

Mineralölkonzerne lassen sich nicht in die Karten schauen

Die Mineralölkonzerne lassen sich nicht aus der Reserve locken, wenn es um Prognosen für die nächste Zeit geht. "Es wird sich zeigen, ob die Preise auf den Ölmärkten nachhaltig sinken und wie sich das Verhältnis von Dollar zu Euro entwickelt", sagte Detlef Brandenburg vom deutschen Marktführer Aral. Auch unabhängige Fachleute wie HWWI-Experte Leschus wollen sich angesichts der heftigen Schwankungen nicht festlegen. "Kurzfristig ist das nicht vorhersehbar", sagte er. "Die langfristigen Trends weisen eher auf steigende Preise, zum Beispiel die wachsende Ölnachfrage in Schwellenländern oder die abnehmende Verfügbarkeit von leicht förderbarem Öl."

Bislang waren Heizölkunden und Autofahrer in diesem Jahr besonders gebeutelt. Schon seit Ende Februar hat sich der Rohölpreis in einer Bandbreite von 110 bis 120 Dollar für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent  festgesetzt, im April lag er noch darüber. Auch die Freigabe von 60 Millionen Barrel Rohöl aus den Reserven der Industrieländer im Juni konnte daran nur sehr kurz etwas ändern. Die Endverbraucherpreise folgten dem dauerhaft hohe Preisniveau für Rohöl.

krk/rtr/dpa
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.