Anleihenkauf Kritik am Feuerwehreinsatz der EZB

Der Chefökonom des Ifo-Instituts, Kai Carstensen, hält den Feuerwehreinsatz der EZB für die Schuldenstaaten Italien und Spanien für ein gewagtes Manöver. Die Zentralbank spiele den Nothelfer für die Politik. Dadurch nehme ihre Unabhängigkeit weiter Schaden.
EZB-Tower in Frankfurt am Main: "Wenn es brennt, kommt die EZB"

EZB-Tower in Frankfurt am Main: "Wenn es brennt, kommt die EZB"

Foto: Uwe Anspach/ dpa

München - "Das ist zwar momentan hilfreich, sendet über die kurze Sicht hinaus aber ein falsches Signal", sagte Carstensen am Montag. Die Europäische Zentralbank spiele für die Politik den Nothelfer, womit ihre Unabhängigkeit weiter Schaden nehme. "Die Politik lässt alles immer so lange anköcheln, bis es anbrennt. Dann kommt die EZB."

Die Zentralbank vertraue bei ihren Stützungskäufen am Anleihemarkt auf die Zusicherung der Politik, dass der Europäische Rettungsschirm (EFSF) diese Rolle später übernehmen werde, kritisierte der Experte des Münchner Ifo-Instituts. Die Ankäufe seien aber nur "Ad-hoc-Maßnahmen", die nichts an den Grundproblem der überhöhten Schuldenlast der betroffenen Länder änderten. Insbesondere Italien habe lange Zeit zu wenig getan, um das Problem anzugehen.

"EZB kann so viel Geld drucken, wie es bedarf"

Der Direktor des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts, Gustav Horn, hingegen hält es für richtig, dass etwa die EZB während der Marktturbulenzen Verantwortung übernimmt: "Von entscheidender Bedeutung ist es, dass die Zentralbanken hinter den Regierungen stehen und ihre Staaten, Währungen und auch Staatsanleihen schützen", sagte der Ökonom zu Reuters TV.

"Die Notenbanken haben de facto unbegrenzte Macht, was Aufkäufe angeht. Sie sind die Herrscherinnen des Geldes und sie können notfalls so viel Geld drucken, wie es bedarf." Wenn die Banken "glaubwürdig" ankündigten, dass sie ihre Mittel einsetzen, könne dies auf Dauer zur Beruhigung der Märkte beitragen, sagte Horn.

Mit der Beruhigung der Märkte sollte sich auch die Weltkonjunktur wieder ein bisschen stabilisieren, betonte Horn. Er gehe weiter von einem gemäßigten globalen Aufschwung aus und davon, "dass ein konjunktureller Absturz vermieden wird". Deshalb sei er auch optimistisch, dass bei erfolgreichem Krisen-Management die IMK-Wachstumsprognose für Deutschland von vier Prozent in diesem Jahr erreicht werden könne.

Händler: EZB kaufte Anleihen für mehrere Milliarden Euro

Die EZB hat nach Schätzung von Händlern am Montag für mehrere Milliarden Euro italienische und spanische Anleihen gekauft. Die Kauforders seien in Paketen zu 20 bis 25 Millionen Euro über sehr viele Händler platziert worden, hieß es. Es gab Schätzungen, wonach die Zentralbank bis zu zwei Milliarden Euro in die Hand genommen habe. Einige Marktteilnehmer gingen sogar von bis zu fünf Milliarden Euro aus.

"Wenn man sich anschaut, wie sich die Renditen auf italienische und spanische Papiere heute entwickelt haben, und wenn man mitbekommt, dass nur sehr wenige Leute am Markt aktiv sind, dann kann man wohl davon ausgehen, dass die EZB ein paar Milliarden ausgegeben hat", sagte ein Händler.

la/reuters