US-Staatsanleihen "Der sichere Hafen ist weg"

US-Politiker haben den Staatsbankrott in letzter Minute abgewendet. Doch Ratingagenturen erwägen weiterhin eine Abstufung der USA. Was bedeutet das für US-Staatsanleihen - werden T-Bonds, einst Inbegriff einer sicheren Anlage, zu Risikopapieren?
Von Arne Gottschalck
US-Präsident Obama: Niemand konnte sich bislang so leicht verschulden wie die USA. Doch dies scheint vorbei, die Skepsis der Investoren gegenüber T-Bonds wächst

US-Präsident Obama: Niemand konnte sich bislang so leicht verschulden wie die USA. Doch dies scheint vorbei, die Skepsis der Investoren gegenüber T-Bonds wächst

Foto: BRENDAN SMIALOWSKI/ AFP

Hamburg - Eigentlich sind langlaufende US-Staatsanleihen, sogenannte Treasury-Bonds (T-Bonds), so etwas wie das Reihenhaus unter den Anleihen. Sie sind unspektakulär, aber praktische Massenware - und früher oder später landen die meisten Anleiheninvestoren bei dieser Anlageform.

Doch nun leiden diese Anleihen unter jenen Risiken, die die USA aufgehäuft haben, um die Folgen der Finanzkrise zu bekämpfen. Milliarden Dollar hat die US-Regierung ausgegeben, um die Banken, die Konjunktur und die Finanzmärkte zu stützten - mit tiefgreifenden Folgen. Denn erstens konnte das Wachstum in den USA durch die staatlichen Geldspritzen nicht nachhaltig befeuert werden, und zweitens stieg die Verschuldung der USA in solche Höhen, dass nun die Schuldengrenze abermals angehoben werden musste. Der Staat, der während der Finanzkrise noch als Helfer und Retter auftrat, ist auf Grund seiner enormen Verschuldung nun das Problem.

Investoren wie Bill Gross von Pimco haben daraus bereits ihre Schlussfolgerungen gezogen und und sich für ihren Pimco Total Return Fund aus T-Bonds verabschiedet. Auch Michael Hasenstab, Templetons Vorzeigeinvestor in Sachen Anleihen, hält in seinem Templeton Global Bond Fund keine US-Anleihen mehr.

Ähnlich skeptisch ist auch die Fondsgesellschaft Janus. Wenn die USA von den Ratingagenturen abgewertet werden sollten, schreibt Janus in einem Marktkommentar, werden man vor allem "höhere Volatilitäten sehen". Und damit sähe der Kern eines klassischen Anleihenportfolios "dramatisch anders aus." Der deutsche Vermögensverwalter Hendrik Leber fasst zusammen: "Der sichere Hafen, als der US-Staatsanleihen lange galten, ist weg."

Ein Barometer für die steigende Nervosität sind die Credit Default Swaps (CDS), eine Art Versicherung gegen Zahlungsausfälle. Die CDS für fünfjährige US-Staatsanleihen sind im zweiten Quartal diesen Jahres um 50,5 Basispunkte Prozent teurer geworden. Zum Vergleich: Die gleiche Absicherung für deutsche Staatsanleihen mit fünf Jahren Laufzeit hat sich im gleichen Zeitraum um 40,9 Basispunkte verteuert, rechnet Datenlieferant CMA vor.

"Für Anleger bedeutet das, dass Investments in der Währung US-Dollar dadurch an Attraktivität verlieren werden", sagt Robert Senz, der für die Anleihen bei Raiffeisen Capital Management zuständigist. Da auch der Euro durch die Schuldenkrise in Euroland stark unter Druck geraten sei, erschienen die Emerging Markets als alternative Investments derzeit interessanter.

Rick Patel, Anleihenmanager bei Fidelity, glaubt dennoch daran, dass US-Schuldtitel auch künftig genug Käufer finden werden. "Ich gehe davon aus, dass die Nachfrage auch künftig unterstützend wirken wird", schreibt Patel. Unter anderem deswegen, weil die Investoren keine Alternative hätten.

Mit einem Volumen von fast 10 Billionen Dollar sind US-Staatsanleihen das dominierende Produkt im Anleihensegment - Investoren, die aus US-Staatsanleihen aussteigen wollen, werden Mühe haben, ihr Geld anderswo unterzubringen. Außerdem sei die Debatte um die US-Verschuldung bereits seit einigen Quartalen eingepreist, ergänzt Patel.

Anleihenspezialist Janus beschreibt die Situation ähnlich. "Nowhere to hide" - für Anleiheinvestoren gäbe es kein Versteck weit und breit. Schon mangels Alternativen.

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