Sonntag, 15. Dezember 2019

Spanien droht Abstufung "Moody's agiert kontraproduktiv"

Moody's nimmt Spanien auf die Hörner: Dem Land droht eine Abstufung seiner Bonität
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Moody's nimmt Spanien auf die Hörner: Dem Land droht eine Abstufung seiner Bonität

Spanien könnte sein noch vergleichsweise gutes Rating verlieren, warnt Moody's. Kritische Experten zeigen für diese implizite Drohung wenig Verständnis. Die Bonitätswächter erschwerten den Reformprozess, gefährdeten ihn sogar, warnen sie.

Hamburg - Dem hoch verschuldeten Spanien droht die Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit. Die Ratingagentur Moody's teilte mit, sie prüfe, das Rating Aa2 abzusenken. Aktuell ist dies immerhin noch die drittbeste Note. Sollte es dazu kommen, wäre eine Stufe wahrscheinlich. Einzelne Experten kritisieren die Ankündigung der Ratingagentur und sehen auch Widersprüche in der Argumentation der Analysten.

Die Bonitätswächter begründen ihre Mitteilung mit der aus ihrer Sicht zunehmenden Anfälligkeit der spanischen Staatsfinanzen. Zudem dürfte der Finanzierungsdruck auf das Land nach dem neuen Rettungspaket für Griechenland wachsen.

Unmittelbar nach der Mitteilung von Moody's sprangen die Zinsen für zehnjährige spanische Schuldtitel über die Sechs-Prozent-Grenze. Der Euro Börsen-Chart zeigen gab in Reaktion auf die Mitteilung zum Dollar nach und rutschte unter die Marke von 1,43 Dollar.

Dabei hatte sich Spanien am Vortag noch zuversichtlich gezeigt, sein Haushaltsdefizit bis Jahresende auf 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu senken. Das Finanzministerium begründete den optimistischen Ausblick damit, dass der Fehlbetrag im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18,9 Prozent auf rund 24 Milliarden Euro zurückgegangen sei. Diese Summe entspreche 2,21 Prozent des BIP. Die Zahlen wiesen auf eine "Stabilisierung der Wirtschaft" hin. Zusammen mit auf den Weg gebrachten Steuerreformen sei das Sechs-Prozent-Ziel erreichbar.

"Moody's agiert prozyklisch und kontraproduktiv"

Beobachter der Ratingagenturen zeigen am Freitag wenig Verständis für die Mitteilung der Bonitätswächter. "Wir verweisen darauf, dass Spanien bei einer Staatsverschuldung von 60 Prozent und die USA bei 100 Prozent stehen. Außerdem setzt Spanien harte Reformen um. Dass dies mit geringerem Wachstum und höheren Defiziten einhergeht, ist logisch. So wirken gute Reformen eben zunächst", sagt Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, im Gespräch mit manager magazin.

Wer Reformen einfordere, dann angesichts der logischen Konsequenzen derselbigen mit einer Abstufung drohe, agiere kontraproduktiv. Der Experte wirft den Bonitätswächtern vor, dass sie prozyklisch handelten und mit ihrem Verhalten den Reformprozess Spaniens erschwerten und gefährdeten. "Kann das eine sinnvolle Systematik der Bewertung sein? Wo wird hier das veränderte Geschäftsmodell berücksichtigt? Werden hier nur sportlich Extremwerte extrapoliert?", hinterfragt Hellmeyer das Verhalten der Ratingagentur.

Dabei hatte Moody's in der Mitteilung selbst eingeräumt, dass Spanien auf einem guten Weg sei, das diesjährige Haushaltsziel zu erreichen. Spanien solle auch in der Lage sein, vorübergehend höhere Zinsen zu schultern. "Das freut uns, dass Moody's diese Aspekte erkennt und wenigstens verbal würdigt", sagt Hellmeyer, kritisiert aber mit Blick auf die USA zugleich, dass die Ratingagenturen hier offenbar mit zweierlei Maß messen würden.

Agenturen verfolgten den falschen Ansatz

Die USA genießen trotz heftiger innenpolitischer Konflikte über eine Ausweitung der Schuldenobergrenze und der damit einhergehenden Insolvenzgefahr des Landes nach wie vor die höchste Bonitätsnote. Ratingagenturen beschäftige vor allem die Frage, ob ein Land technisch in der Lage sei, sein Defizit zu finanzieren.

"Im Gegensatz zu Spanien können die Amerikaner die Gelddruckmaschine anschmeißen und aus dieser Logik heraus eigentlich nicht ihren Triple-A-Status verlieren. Das sagt aber nichts über die wirkliche Bonität eines Landes aus", kritisiert Hellmeyer.

Für ihre Einstufungen verwendet Moody's einen Buchstabencode: Die Skala beginnt mit der Bestnote Aaa (Englisch: "Triple A"). Es folgen Aa, A, Baa, Ba, B, Caa, Ca, C. Zudem werden die Ratings jeweils mit Zahlen von eins bis drei unterteilt. Aa1 ist also besser als Aa2. Ab der Note Ba1 beginnt der spekulative Bereich, der auch "Ramsch" (englisch: "Junk") genannt wird. Die Skala reicht bis C - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Die beiden anderen Ratingagenturen Standard & Poor's und Fitch verwenden ähnliche Buchstabencodes.

In den vergangenen Monaten hatten Ratingagenturen bereits die Kreditwürdigkeit von Ländern wie Griechenland und Portugal immer weiter herabgestuft. Dadurch wird es für diese Länder schwerer, sich frisches Geld zum Bedienen ihrer Schulden an den Finanzmärkten zu leihen.

mit Nachrichtenagenturen

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