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Quartalssaison: Die Lage der Dax-Konzerne im Überblick

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Dax-Geflüster Das globale Grummeln

Erste Dax-Unternehmen wie Siemens oder BASF warnen vor steigenden  Risiken. Noch brummt die Wirtschaft in Deutschland - aber es ist absehbar, dass sie an Schwung verliert. Der Dax bleibt ein Getriebener der Weltmärkte: Die Basis, auf der deutsche Konzerne zuletzt geglänzt haben, zeigt Risse.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Es ist, als ob sich Regenwolken nach einem langen strahlenden Sommer vor die Sonne schieben. Am Donnerstag verlor die Aktie von BASF  zwischenzeitlich 6 Prozent an Wert, auch die von Siemens  tauchte ab. Beide Unternehmen hatten die Anleger mit ihrem Zahlenwerk enttäuscht. Siemens, weil der Gewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal um zwei Drittel auf 501 Millionen Euro eingebrochen sei. Und BASF, weil das Unternehmen seine Ölförderung in Libyen im zweiten Quartal hat stoppen müssen und der Betriebsgewinn daher nur leicht stieg.

Die Zahlen sind aber auch die Vorboten eines Börsenherbstes. Denn das wohltemperierte Klima, in dem deutsche Unternehmen bislang trefflich gedeihen konnten, kühlt langsam ab.

"Die Risiken des weltwirtschaftlichen Umfelds nehmen derzeit eher zu", sagt zum Beispiel Siemens-Vorstandschef Peter Löscher. "Die Weltwirtschaft wächst weiterhin. Allerdings lässt ihr Schwung nach." Und auch BASF  erklärte, dass von der Konjunktur im weiteren Jahresverlauf weniger Unterstützung komme. Dies habe sich bereits zum Ende des zweiten Quartals abgezeichnet.

Tatsächlich lauten die Prognosen zum Beispiel der EU-Kommission für das Wachstum der Weltwirtschaft im Jahr 2011 auf 4,0 Prozent beziehungsweise 4,1 Prozent für das Folgejahr. 2006 lag es dagegen bei stolzen 5,4. Doch welche Region kann jetzt die entsprechenden Impulse für ein stärkeres Wachstum liefern?

USA sind Bremse statt Impulsgeber

Die USA taumeln am Rande der Zahlungsunfähigkeit . Selbst wenn es den Politikern doch noch gelingen sollte, ihre Schuldengrenze anzuheben - die hohe Staatsverschuldung erlaubt es den US-Politikern nicht mehr, ihre Wirtschaft wie noch 2008 mit Konjunkturprogrammen zu stimulieren.

Statt dessen steht der wichtigsten Volkswirtschaft der Welt ein strenger Sparkurs bevor. Die Postbank rechnet damit, dass die amerikanische Wirtschaft im Jahr 2011 um 2,4 Prozent wachsen wird. Zu mehr reicht es derzeit nicht - unter anderem deswegen, weil es dem Durchschnittsamerikaner an finanzieller Schlagkraft fehlt.

Die Arbeitslosigkeit liegt bei über 9 Prozent. Vor allem hat die Dauer der Arbeitslosigkeit in den USA inzwischen Rekordhöhen erreicht. Im Schnitt ist ein Amerikaner, der seinen Arbeitsplatz verliert, 40 Wochen ohne Job, hat Amundi Asset Management ausgerechnet. Üblicherweise pendelt diese Zahl zwischen 10 und 20 Wochen.

Entsprechend düster sieht auch jener Index aus, der das Vertrauen der US-Verbraucher misst - der entsprechende Index rutschte im Juni von 71,5 auf 63,8 Punkte ab. Keine guten Vorgaben für deutsche Unternehmen. Nur, wer wohlhabend ist oder sich so fühlt, kauft einen Porsche, Mercedes oder BMW.

Euro-Land steht zwar etwas besser da - und ist gleichfalls ein wichtiges Ziel deutscher Exporte. Im Schnitt liegt die Verschuldung in der Eurozone im Schnitt bei 85,1 Prozent - in den USA sind mit 92 Prozent deutlich mehr. Doch die milliardenschweren Konjunktur- und Stützungsprogramme haben auch hierzulande ihre Spuren hinterlassen. Die Arsenale, aus denen die EU seit 2008 geschöpft und gegen die Katastrophe gekämpft hat, sind leer.

Kein Geld mehr für Konjunkturprogramme - Staaten in der Schuldenfalle

"Die beträchtlichen liquiden Mittel, welche die die öffentliche Hand fast überall auf der Welt seit 2008 aufwendete und die zu Beginn alle Volkswirtschaften sowie die Finanzmärkte erheblich stützten, beginnen zu versiegen", schreibt die Fondsgesellschaft Carmignac. Für Unternehmen ist das kein attraktives Umfeld und damit auch nicht für Aktionäre. "Das Potenzial eine Underperformance ist beträchtlich", so formuliert es Carmignac mit Blick auf die westlichen Industriestaaten.

Als mögliche Zugpferde bleiben für die Fondsgesellschaft nur die Emerging Markets, China und Co. Immerhin haben diese Länder die Finanzkrise vergleichsweise unbeschadet überstanden. China erwirtschaftet sogar Haushaltsüberschüsse, Mitte 2011 lag er bei 193 Milliarden Dollar. Dennoch könnte sich die Region als unsicherer Kantonist erweisen. Zum einen kämpft China mit hoher Inflation. Zum anderen ist China immer stärker darauf bedacht, die Bedürfnisse der heimischen Konsumenten durch eigene Unternehmen zu stillen.

Deutschland besonders anfällig für globale Abkühlung

Und Deutschland? Die Bundesrepublik steht noch deutlich besser da als andere Länder. So liegt der öffentliche Schuldenstand in Deutschland bei 83,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, in der Eurozone im Schnitt bei 85,1 Prozent - und in den USA bei 92 Prozent. Um 2,6 Prozent soll die hiesige Wirtschaft 2011 wachsen, die des westlichen Nachbarn Frankreich nur um 1,8 Prozent. Und in Italien um 1 Prozent.

Auch der Anteil des Bruttoinlandsprodukts, das für Forschung & Entwicklung ausgegeben wird, ist in Deutschland mit 2,82 Prozent höher als im Schnitt - im Euro-Raum lag diese Quote 2009 bei 2,05 Prozent, so Eurostat.

Doch allein kann sich auch das immer noch robuste Deutschland nicht gegen eine sich verlangsamende Weltkonjunktur stemmen. Das Wohl und Wehe der Global Player aus Deutschland hängt von der weltweiten Nachfrage ab - aus diesem Grund fiel die Erholung seit 2009 in Deutschland auch so kräftig aus. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es mit den Rekordzahlen der deutschen Industrie erst einmal vorbei ist.

Die Quartalsbilanzen der Dax-Konzerne im Überblick

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