Lebensversicherer Allianz sucht nach alternativen Anlagen

Wegen der Euro-Schuldenkrise meidet die Allianz Leben Staatsanleihen. Der milliardenschwere Lebensversicherer sucht verstärkt nach Anlagealternativen und findet sie in Infrastrukturprojekten und im Bereich regenerative Energien, sagt Vorstandschef Maximilian Zimmerer.
Windkrafterzeugung auf hoher See: Die Allianz Leben prüft derzeit, das Geld ihrer Kunden verstärkt in solche Projekte zu investieren

Windkrafterzeugung auf hoher See: Die Allianz Leben prüft derzeit, das Geld ihrer Kunden verstärkt in solche Projekte zu investieren

Foto: Joern Pollex/ Getty Images

Frankfurt am Main/Hamburg - Der Marktführer unter den deutschen Lebensversicherern, die Allianz Leben, bleibt Staatsanleihen aus dem Euro-Raum derzeit lieber fern. Wegen der europäischen Schuldenkrise seien Bundesanleihen negativ betroffen, sagte Vorstandschef Maximilian Zimmerer der "Börsen-Zeitung". "Es ist unverständlich, dass bei einer Schwäche der Nachbarländer die Zinsen der Bundesanleihen sinken."

Deshalb würde die Allianz Leben ihre Anlagen breiter fächern: Neben Pfandbriefen und Unternehmensanleihen setze der Konzern unter anderem auf Investitionen in den Schwellenländern. Der Anteil der von Zimmerer zu den aufstrebenden Märkten gerechnet wird, umfasse bereits mehr als ein Fünftel des Portfolios. In Staatsanleihen der sogenannten GIPS-Staaten (Griechenland, Irland, Portugal, Spanien) sei die Allianz Leben mit 0,2 Prozent von insgesamt rund 150 Milliarden Euro Anlagekapital investiert.

Bei Italien, dessen Anleihen mit in den Sog der Euro-Krise gezogen worden waren und die zuletzt Renditeaufschläge spanischer Papiere erreichten, sieht Zimmerer die Lage differenzierter. Italien sei nicht vergleichbar mit den genannten Ländern. Es verfüge über eine exportstarke Wirtschaft und habe erst kürzlich ein großes Sparprogramm auf den Weg gebracht, das für einen ausgeglichenen Haushalt sorgen solle. "Im Fall von Italien übertreiben die Märkte eindeutig."

Den in der zurückliegenden Finanzkrise gefassten Entschluss, die Aktienquote zu reduzieren, will Zimmerer nicht rückgängig machen. "Wir sind seither nicht mehr wirklich neu eingestiegen." Die Aktienquote gibt die Allianz Leben derzeit mit rund 10 Prozent an, zählt allerdings Investitionen in Private Equity mit ein. Die deutschen Lebensversicherer seien seiner Kenntnis nach zwischen 3 und 5 Prozent in Aktien investiert, sagte Zimmerer, der zugleich Vorstandsmitglied des Gesamtverband Deutsche Versicherungswirtschaft (GDV) ist.

Der größte deutsche Lebensversicherer sucht wegen der Unsicherheiten auf dem Markt für Staatsanleihen und des noch vergleichsweise niedrigen Zinsniveaus verstärkt nach alternativen Investitionen. So lege die Allianz Leben zusehends mehr Geld in Infrastrukturprojekten an, so habe sich das Unternehmen zuletzt etwa an einem Gasnetz vor der norwegischen Küsten beteiligt. Aber auch aus den Bereichen Kabelnetze, Stromnetze und Ölpipelines nähmen die Anfragen an die Allianz Leben als Investor zu.

Windkraft und Co.: Allianz rechnet mit Renditen von 6 bis 8 Prozent

Seit Jahren schon legt der Lebensversicherer das Geld seiner Kunden auch in Projekten der alternativen Energiegewinnung wie Windkraftanlagen an. Aktuell prüfe die Allianz Leben, auch in Offshore-Windparks auf dem Meer zu investieren. Bei Solaranlagen bleibe das Unternehmen wegen der hohen staatlichen Subventionen hingegen noch vorsichtig, wie Zimmerer formulierte. Da Lebensversicherer ihr Geld in der Regel langfristig Geld anlegen, scheint die Allianz Leben gerade die Planungssicherheit alternativer Energieprojekte zu schätzen. Zimmerer rechnet hier mit Renditen zwischen 6 und 8 Prozent.

Mit Blick auf die laufende Geschäftsentwicklung zeichnet der Vorstandschef des größten deutschen Lebensversicherers ein differenziertes Bild. Beim Geschäft gegen hohe Einmalbeiträge, die alleinverantwortlich dafür sind, dass die Branche zuletzt überhaupt noch leicht wachsen konnte, rechnet Zimmerer in diesem Jahr beim Beitragsaufkommen mit rückläufigen Ergebnissen.

Bei dem nicht unumstrittenen Einmalbeitragsgeschäft plädiert Zimmerer mittlerweile für einen getrennten Ausweis in der Rechnungslegung. Für die Allianz Leben gibt er an, dass von den 6,8 Milliarden Euro an Einmalbeiträgen rund 1,2 Milliarden Euro in so genannten Parkdepots liegen, wo Sparer ihr Geld auch kurzfristig abziehen können.

Mit Blick auf das Neugeschäft gegen laufenden Beitrag, dem eigentlichen Kerngeschäft eines Lebensversicherer und das sich zuletzt branchenweit insgesamt rückläufig entwickelte, berichtet Zimmerer in dem Interview von einer erfreulichen Entwicklung. "Die Steigerungsrate ist so hoch wie schon längerer Zeit nicht mehr". Mit fallenden Einmalbeiträgen nehme das "Brot-und-Butter-Geschäft" bei Deutschlands größtem Lebensversicherer wieder zu, versicherte der Manager, nannte aber keine Details.

rei

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