Schweiz/Schweden Franken und Krone bremsen Konzerne aus

Ericsson, Roche und Scania haben ein Problem gemeinsam: die starke Aufwertung ihrer Heimatwährungen. Weil Anleger schwedische Krone und Schweizer Franken gegenüber Euro und Dollar bevorzugen, verteuern sich ihre Exporte. Das teure Geld macht betriebliche Erfolge der Unternehmen zunichte.
Standort Zürich: Gut zum Geldanlegen, schlecht zum Geldverdienen

Standort Zürich: Gut zum Geldanlegen, schlecht zum Geldverdienen

Foto: Alessandro Della Bella / dpa

Zürich/Stockholm - Der starke Franken hat dem Schweizer Pharma- und Diagnostikkonzern Roche  das erste Halbjahr verhagelt. Der Reingewinn sank um 5 Prozent auf 5,26 Milliarden Franken (4,5 Milliarden Euro), wie Roche am Donnerstag mitteilte. Der Gruppenumsatz ging um 12 Prozent auf 21,67 Milliarden Franken zurück. Im Pharmageschäft erzielte der weltgrößte Hersteller von Krebsmedikamenten mit 16,82 Milliarden Franken 13 Prozent weniger Umsatz als ein Jahr zuvor. Unter Ausschluss von Wechselkurseinflüssen blieben die Konzern-Verkaufserlöse aber stabil und in der Pharmasparte betrug der Umsatzrückgang lediglich 1 Prozent.

Ähnlich in Stockholm: Obwohl der schwedische Telekomausrüster Ericsson  vom Ausbau des mobilen Internets profitiert, hat das Unternehmen im zweiten Quartal die Erwartungen verfehlt. Der Konzern habe unter der Stärke der heimischen Währung gelitten, was auch der höhere Absatz nicht völlig ausgleichen konnte, teilte Ericsson am Donnerstag mit. Nach 1,88 Milliarden Kronen im Vorjahreszeitraum erzielte das Unternehmen nun einen Gewinn von 3,12 Milliarden Kronen (340 Millionen Euro). Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 54,77 Milliarden Kronen. Bereinigt um Währungseffekte habe das Wachstum bei 27 Prozent gelegen, hieß es.

Höhere Kosten und die starke schwedische Krone haben auch dem Lastwagenhersteller Scania  überraschend einen Gewinnrückgang eingebracht. Der operative Gewinn sank im zweiten Quartal auf 3,3 Milliarden Kronen (rund 361 Millionen Euro) nach 3,5 Milliarden Kronen ein Jahr zuvor, wie die Volkswagen-Tochter am Donnerstag mitteilte. Scania blieb auch mit dem Umsatz von 23 Milliarden Kronen hinter den Erwartungen zurück. Volkswagen plant eine Allianz Scanias mit seiner anderen LKW-Tochter MAN. Scania-Aktien gaben in Stockholm mehr als 5 Prozent nach und drückten in Frankfurt auch die Titel von Volkswagen , MAN  und Daimler  nach unten.

Schweizer Chemieindustrie senkt Preise um 20 Prozent

Dagegen setzt sich der Aufschwung beim schwedisch-schweizerischen Elektrokonzern ABB  nahezu unvermindert fort. Im vergangenen Quartal sei der Gewinn des Unternehmens verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um fast die Hälfte auf 893 Millionen Dollar gestiegen, teilte ABB am Donnerstag mit. Der Umsatz kletterte im gleichen Zeitraum dank der starken Nachfrage nach Fabrikausrüstungen um 28 Prozent auf 9,68 Milliarden Dollar. ABB lag damit leicht über den Erwartungen der Analysten. Die Kunden hätten vor allem in Roboter, Motoren und Niederspannungssysteme aus dem Hause ABB investiert. Allerdings hat ABB seine Produktion stärker internationalisiert als die anderen Konzerne, unter anderem mit einem starken Standort in Deutschland.

Schweizer Franken und schwedische Krone sind im Zuge der Staatsschuldenkrise in den großen entwickelten Volkswirtschaften als stabile Fluchtwährung gesucht. Im Zuge der Euro-Krise wertete die Krone seit Anfang 2010 um 11 Prozent gegenüber dem Euro auf. Der Franken  legte sogar um 27 Prozent zu; auch gegenüber dem US-Dollar gewann die Währung der Eidgenossen ein Viertel an Wert - obwohl die Schweizerische Nationalbank wiederholt am Devisenmarkt mit Franken-Verkäufen intervenierte, um die Aufwertung zu bremsen.

Um keine Marktanteile zu verlieren und die Exporte zu stabilisieren, müssen die Firmen Preiszugeständnisse machen. Sie lagen nach der am Donnerstag veröffentlichten Außenhandelsstatistik im Juni bei durchschnittlich knapp elf Prozent. In der Chemieindustrie fiel der Preisabschlag mit 20 Prozent besonders kräftig aus. Selbst die auf Exklusivität bedachten Schweizer Uhrenhersteller mussten ihre Auslandspreise um fünf Prozent senken, wenngleich sie ihre Ausfuhren dann um knapp 16 Prozent erhöhen konnten. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann bezeichnete die Lage in einem Interview der Tageszeitung "Blick" (Donnerstagausgabe) als alarmierend.

ak/dapd/rtr/dpa
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