Konkurrenz für Moody's und Co. Europäische Ratingagentur soll 2012 starten

Mit ihr soll alles anders werden: Kritikern der etablierten Ratingkonzerne gilt eine europäische Agentur als  große Hoffnung. Nun könnte dieser Wunsch sehr schnell in Erfüllung gehen. Schon im nächsten Frühjahr soll es losgehen.
Aus der Zangenlage: Eigene europäische Ratingagantur soll Druck von der Euro-Zone nehmen

Aus der Zangenlage: Eigene europäische Ratingagantur soll Druck von der Euro-Zone nehmen

Foto: DPA

Hamburg - Für ihre Kritiker sind sie Hauptverantwortliche der gegenwärtigen Finanz-Turbulenzen: die Ratingagenturen Moody's, Standard & Poor's und Fitch. Ihre Arbeitsweisen gelten als intransparent, ihre Bonitätsnoten als schwer nachvollziehbar. Mit immer weiteren Herabstufungen von Ländern wie Griechenland, Portugal oder Italien sollen sie die Euro-Krise mindestens verschärft haben.

Doch nun ist die globale Vormachtstellung der drei US-Agenturen in Gefahr. Wie das Wirtschaftsmagazin "Capital" berichtet, sollen die Pläne für eine europäische Rating-agentur bereits weit gediehen sein. Schon im zweiten Quartal 2012 könnte die als unabhängige Stiftung geplante Agentur demnach erste Bewertungen für Staaten vorlegen. Anders als bei den derzeit führenden US-Agenturen sollen beim neuen Modell nicht die Emittenten von Wertpapieren, sondern Investoren die Kosten des Ratings tragen.

Im zweiten Halbjahr 2012 sollen dann Noten für Banken und 2013 für Unternehmen und Finanzprodukte folgen. Zu diesem Zeitpunkt könnten etwa 1000 Mitarbeiter an allen wichtigen Finanzplätzen für eine globale Präsenz sorgen. Rund 300 Millionen Euro soll der Aufbau laut "Capital" kosten. Das Startkapital für die unabhängige Stiftung soll von europäischen Firmen der Finanzbranche kommen.

"Bis Ende 2011 werden wir ein Konsortium von bis zu 25 Teilnehmern gebildet haben, die je zehn Millionen Euro investieren", zitiert das Magazin Markus Krall, einen Partner der Unternehmensberatung Roland Berger. Die Politik unterstützt demnach den Plan ebenso wie die deutsche Finanzindustrie. Ein prominenter Befürworter des Modells sei Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

Seit einem Jahr wirbt Unternehmensberater Krall bei Regierungen und Unternehmen sowie der EU-Kommission für ein neues, europäisches Modell. Es soll privat finanziert werden und seine Dienste deutlich günstiger anbieten als die amerikanischen Agenturen. Während heute das Rating eines Dax-Konzerns leicht eine Million Euro koste, wolle die europäische Alternative weniger als die Hälfte verlangen, sagte Krall.

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