Risikoaufschlag Italien muss Rekordzinsen zahlen

Showdown vor dem Krisengipfel: Die großen Euro-Staaten Italien und Spanien werden am Anleihemarkt zunehmend als Ausfallkandidaten gehandelt. Die Renditen der Staatsanleihen beider Länder erreichten am Montag die höchsten Werte seit der Einführung des Euro.
Dramatik in Italiens Parlament: Trotz der Zustimmung zum milliardenschweren Sparpaket steigen die Zweifel an der Solvenz des Landes

Dramatik in Italiens Parlament: Trotz der Zustimmung zum milliardenschweren Sparpaket steigen die Zweifel an der Solvenz des Landes

Foto: AFP

Frankfurt am Main - Die große Verunsicherung vor dem Euro-Gipfel am Donnerstag treibe die Anleger raus aus italienischen und spanischen Staatsanleihen, sagte David Schnautz, Anleiheexperte von der Commerzbank. So kletterte die Rendite von zehnjährigen italienischen Anleihen am Zweitmarkt bis auf 6,04 Prozent. Am Freitag hatte sie noch 5,8 Prozent betragen. Für zehnjährige spanische Anleihen verlangten die Käufer eine Verzinsung von bis zu 6,37 Prozent, beides sind Höchstwerte seit der Einführung des Euro.

Die Rendite der als sicher geltenden deutschen Bundesanleihen fiel hingegen auf 2,64 von 2,7 Prozent am Freitag. Die am Zweitmarkt gehandelten Kurse bedeuten zunächst keine Kosten für die Staaten. Doch sobald sie sich mit neuen Anleihen finanzieren, verteuern höhere Marktzinsen ihren Schuldendienst. Irlands Finanzminister Michael Noonan hält Hilfskredite für beide Länder dann für nötig, wenn der Zins über 7 Prozent steigt.

"Beschwichtigungen und Absichtserklärungen von Seiten der Politik helfen in diesem Umfeld nicht mehr weiter", sagte Schnautz. "Der Gipfel am Donnerstag muss sehr konkrete Ergebnisse liefern, um die Märkte zu beruhigen." Wahrscheinlich reiche eine Einigung im Fall Griechenland gar nicht mehr aus. Es müsse zudem eine Regelung für die weitere Ausgestaltung des Rettungsfonds gefunden werden.

Verabschiedung des Sparpakets beruhigt Investoren nicht

Die Märkte haben kaum auf die Verabschiedung des Sparpakets im italienischen Parlament am Freitag reagiert. Dabei ist das Paket laut Schnautz überzeugend und die Schnelligkeit, mit der es verabschiedet wurde, bemerkenswert. Spanien will am Donnerstag Anleihen mit Laufzeiten von 10 und 15 Jahren am Markt anbieten. In diesem Umfeld ist es laut Schnautz jedoch besonders schwierig, Anleihen mit langen Laufzeiten zu platzieren. Im weiteren Wochenverlauf erwartet der Experte daher eine weitere Verschärfung der Lage.

Auch die anderen Randländer der Euro-Zone wurden durch die große Verunsicherung belastet. Deutlich stiegen auch die Renditen für Anleihen aus Griechenland. Die Rendite kletterte um 0,61 Prozentpunkte auf 17,173 Prozent.

Noch deutlicher war der Anstieg im zweijährigen Bereich. Hier kletterten die griechischen Anleihen mit zwei Jahren Laufzeit um 1,46 Prozentpunkte auf 31,718 Prozent. Deutsche Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit rentierten mit lediglich 1,186 Prozent.

Portugal muss mehr als 20 Prozent Zinsen für zweijährige Anleihen zahlen

Zweijährige portugiesische Staatsanleihen kletterten erstmals über die Marke von 20 Prozent. Bei Schuldscheinen mit einer Laufzeit von zwei Jahren stieg der Zinssatz im Vergleich zum Freitag um fast einen Prozentpunkt auf 20,3 Prozent. Trotz des im Mai beschlossenen 78 Milliarden schweren Hilfspakets der EU und des Internationalen Währungsfonds für das hoch verschuldete Land hat der Druck der Märkte auf Portugal nicht nachgelassen. Die Anleger und die Ratingagenturen bezweifeln, dass es Portugal gelingen wird, die mit der EU und dem IWF vereinbarten Ziele zu erreichen.

In Europa scheinen die Fronten in Sachen Griechenland verhärtet zu sein. "Das sieht nach einem Teufelskreis aus: Merkel hält an der Beteiligung privater Gläubiger fest und die Ratingagenturen sprechen in diesem Fall von einem teilweisen Zahlungsausfall", erklärte Tom Levinson, Währungsstratege bei der ING. "Und da EZB-Chef Jean-Claude Trichet Anleihen von bankrotten Ländern nicht als Sicherheit akzeptieren will, fällt es im Moment schwer, sich einen Ausbruch aus dem Kreis vorzustellen."

Viele Investoren seien angesichts dieser Probleme extrem vorsichtig. Neben dem Gold  war der Schweizer Franken  die Währung, in der sich die meisten Anleger am sichersten fühlten. Der Goldpreis erreichte am Montag ein neues Rekordhoch.

ak/dpa-afx/rtr
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