Fotostrecke

McKinseys Private Banking Survey: Wachsende Skepsis, sinkende Margen

Foto: Corbis

Privatbanken Edelbanker verzweifeln an knauserigen Millionären

Europas Privatbanken verdienen mit reichen Kunden kaum noch Geld, zeigt eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey. Besonders schlecht läuft das Geschäft in Deutschland. Der Geiz der solventen Kundschaft verdirbt den Edelbankiers das Geschäft. 

Hamburg - Biedermeier-Besprechungstische aus Kirschbaumholz, Kaffee aus Meißner Porzellantassen, Berater mit Hermes-Krawatten: Das ist die gediegene Welt der Privatbankiers. Diese Welt ist bedroht. Denn die Gewinne der Branche sind wegen der Finanzkrise eingebrochen und haben sich seitdem kaum erholt, zeigt die Studie "2011 Private Banking Survey" der Unternehmensberatung McKinsey.

Die Privatbanken verwalten zwar viele Milliarden Euro für ihre Kunden, doch davon fällt nur noch ein sehr kleiner Teil als Gewinn für die Branche ab. In den Jahren vor der Finanzkrise brachten es Europas Vermögensverwalter auf eine Gewinnmarge von 35 Basispunkten. Sie konnten also im Durchschnitt 0,35 Prozent des verwalteten Kundenkapitals als Profit einbehalten. Im ersten Jahr nach der Lehman-Brothers-Pleite 2009 dagegen brach die Gewinnmarge auf 20 Basispunkte ein. Trotz der Wirtschafts- und Börsenerholung ist sie im vergangenen Jahr lediglich auf 24 Basispunkte geklettert, berichtet McKinsey. Damit liegt die Marge ein Drittel unter dem langjährigen Durchschnitt.

In Deutschland lohnt die Betreuung der Reichen noch weniger. Hier war die Gewinnmarge der Privatbanken 2009 sogar auf magere 12 Basispunkte eingebrochen. Im vergangenen Jahr stieg sie lediglich auf 16 Basispunkte. Das heißt: Wer das Vermögen eines deutschen Millionärs verwaltet, verdient daran pro Jahr gerade einmal 1600 Euro.

Die geschäftsführenden Gesellschafter und die angestellten Manager in deutschen Banken müssen sich fragen lassen, warum ihre ausländischen Kollegen eine um 50 Prozent höhere Gewinnmarge vorweisen können. Der Grund dafür sind nicht etwa höhere Kosten hierzulande, stellt McKinsey fest; die Kosten gemessen am verwalteten Kapital sind mit 56 Basispunkten sogar niedriger als der europäische Durchschnitt von 59 Basispunkten.

Folgenschwerer Geiz

Was den deutschen Bankern das Geschäft verdirbt, ist der Geiz und die Zurückhaltung der Kundschaft. Denn sie schaffen es viel weniger stark als andere, die Kundengelder in Umsätze für die Bank zu verwandeln. Die Umsatzmarge der Deutschen liegt nur bei 72 Basispunkten, verglichen mit 83 Basispunkten im europäischen Schnitt. "Die deutschen Banken erreichen einen geringeren Anteil an höhermargigen Verwaltungs- und Beratungsmandaten und alternativen Anlageprodukten als ihre Wettbewerber", analysiert McKinsey.

Deutsche Kunden weigern sich bisher erfolgreich dagegen, den Banken umfassende Mandate für die Verwaltung des Vermögens zu erteilen, bei denen die Berater selbst über Investments entscheiden und für diesen Service höhere Gebühren verlangen. 71 Prozent der deutschen Kunden entscheiden selbst und nutzen Banken nur zum Ausführen ihrer Käufe und Verkäufe, zeigt die McKinsey-Studie. In Europa liegt dieser Anteil der selbständig entscheidenden Kunden nur bei 61 Prozent.

Außerdem wird es immer schwieriger, die Kunden zu halten. Denn die einstmals treue Kundschaft ist aufgeschlossen wie nie zuvor, die Bank zu wechseln. "Die Kunden sind seit der Finanzkrise anspruchsvoller geworden und haben ihre Wechselbereitschaft erhöht", sagt Jens Hagel, McKinsey-Partner und Co-Autor der Studie. "Das Ausmaß der Marktanteilsverschiebungen hat ein Rekordhoch erreicht."

Jede zehnte Bank verliert Geld

Für die Studie hat die Unternehmensberatung 160 Banken befragt und untersucht. Der alarmierende Befund: Jede zehnte Bank machte 2010 Verluste. Sogar bei jeder dritten Bank sank das verwaltete Kapital, weil Kunden mehr Geld abzogen als neu anlegten und auch der starke Anstieg der Aktien- und Anleihekurse seit 2009 diesen Mittelabfluss nicht ausgleichen konnte. Beim schlechtesten Viertel der Banken betrug der Nettomittelabfluss im Durchschnitt 5 Prozent. "Solch schwache Ergebnisse sollten ein Weckruf sein, die Qualität der Dienstleistungen und der Investmentrendite zu erhöhen, um Kunden zu halten und neue anzulocken", mahnt McKinsey.

Insgesamt wuchs das verwaltete Kapital der Branche in Europa zwar um 9 Prozent, allerdings sind sieben Prozentpunkte dieses Zuwachses auf Kursgewinne in den Kundendepots zurückzuführen und nur zwei Prozentpunkte stammen von Nettozuflüssen. In Deutschland ist die Lage ähnlich: Der Anstieg von 10 Prozent stammt zu mehr als zwei Dritteln aus Kursgewinnen in den Kundendepots, nur drei Prozentpunkte sind durch Nettozuflüsse an Kundengeld verursacht worden.

Fotostrecke

McKinseys Private Banking Survey: Wachsende Skepsis, sinkende Margen

Foto: Corbis

Der erhöhte Druck der Europäischen Union auf die Steueroasen Schweiz und Luxemburg hat bisher noch nicht zu starken Geschäftseinbrüchen dort geführt: In beiden Ländern stagnierte das verwaltete Kapital der Privatbanken. Allerdings machten die McKinsey-Berater eine Veränderung der Kundschaft aus: Neues Geld stammt häufig von den neuen Eliten aus den Schwellenländern.

Eine weitere Veränderung hängt doch mit dem Ende der Schweiz als Steueroase zusammen, die das fast fertig verhandelte Steuerabkommen mit Deutschland bedeuten wird. Die Schweizer Privatbanken richten ihr Geschäft immer stärker auf die Superreichen dieser Welt aus ("Ultra High Net Worth Individuals"). "Dagegen fällt der Anteil der 'belgischen und deutschen Zahnärzte' und anderer ähnlich wohlhabender Kunden sehr schnell", so die McKinsey-Berater. Der Anteil dieser nicht reichen, sondern nur wohlhabenden Kunden sank von 37 Prozent 2009 auf nurmehr 33 Prozent im Jahr 2010.

Deutsche Zahnärzte verlassen die Schweiz

Der Grund: Wenn die Schweiz nicht mehr zum Steuern sparen taugt, ist sie für die Zahnärzte nicht mehr interessant. "Weil der traditionelle Beweggrund für Offshore-Zentren immer stärker in Frage gestellt wird, namentlich infolge von angekündigten Abgeltungssteuern, schwindet das Motiv für wohlhabende Kunden, diese Standorte zu nutzen", urteilen die Berater. Die Superreichen sind eher noch an den raffinierteren Dienstleistungen mancher Schweizer Banker interessiert - die deutschen Zahnärzte, die in der Studie angesprochen werden, lockte dagegen wohl vor allem die Steuerflucht.

Besonders schwach ist die Profitabilität bei einer Untergruppe der Anbieter: Bei den ausländischen Filialen großer Banken. So schwach, dass ein Außenstehender sich fragen muss, ob die Büros der Schweizer Großbanken in Deutschland mehr sind als Werbemaßnahmen für das Züricher und Genfer Hauptgeschäft. Auslandstöchter von Universalbanken haben europaweit nur eine Gewinnmarge von sechs Basispunkten, also 0,06 Prozent. In Deutschland dürften sie wiederum noch niedriger sein. Wer als Schweizer Privatbankier nach Frankfurt am Main, München oder Hamburg zieht, muss diese Städte sehr mögen. An den Verdienstmöglichkeiten dort kann es jedenfalls nicht liegen.

Privatbanken: Die Krisenbanker

Mehr lesen über Verwandte Artikel