Risikoaufschläge Entspannung in Italien, Rekordniveau in Irland

Nach der Achterbahnfahrt vom Vortag hat sich die Lage auf dem italienischen Aktien- und Anleihemarkt deutlich entspannt. Die Rendite für irische Anleihen stieg dagegen auf Rekordniveau. Die EU-Pläne zur Lösung der Schuldenkrise sind laut Bundesbankpräsident Jens Weidmann allerdings nicht dafür verantwortlich.
Händler an der Mailänder Börse: Die Anleger beruhigen sich

Händler an der Mailänder Börse: Die Anleger beruhigen sich

Foto: Matteo Bazzi/ dpa

Frankfurt am Main/Mailand- Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen des irischen Staates stieg zeitweise bis auf 14,1 Prozent und erreichte damit ein Rekordhoch. Vor der Herabstufung durch die Ratingagentur Moody's am Dienstagabend auf Ramschniveau musste Irland "nur" 13,7 Prozent zahlen. Der Renditeanstieg war am Mittwochvormittag der höchste im gesamten Euro-Raum.

Nach Griechenland gehört Irland damit zu den Staaten mit den höchsten Risikoaufschlägen der EU. In Portugal erhöhte sich die Rendite um 0,26 Punkte auf 11,81 Prozent.

Am deutlichsten waren die Renditen am Mittwochvormittag in Italien und Spanien zurückgegangen, nachdem sie am Montag und Dienstag zeitweise drastisch gestiegen waren. In Italien sank die Rendite für zehnjährige Staatstitel von zeitweise über 6 Prozent auf 5,42 Prozent, in Spanien um 0,12 Punkte auf 5,69 Prozent.

Die Höhe der Renditen für Staatsanleihen zeigt die Gefahrenzulage, die die Märkte für das jeweilige Land verlangen. Hohe Renditen sind grundsätzlich ein Zeichen für ein großes Misstrauen der Investoren. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen derzeit bei 2,7 Prozent und damit so tief wie in keinem anderen Euro-Land. Grund ist die erstklassige Bonität Deutschlands.

Mailänder Börse wieder im Plus

Die Lage auf dem italienischen Aktienmarkt hat sich heute ebenfalls etwas beruhigt. Nach Handelsbeginn legte die Börse in Mailand um 1,4 Prozent auf 18,77 Punkte zu.

Die leichte Entspannung ist offenbar eine Folge der Ankündigungen von Finanzminister Giulio Tremonti, wonach der Zeitplan für das Sparpaket zur Haushaltskonsolidierung deutlich forciert werden soll. So hofft Rom, dass das Parlament dem neuen Haushaltsplan bereits am kommenden Sonntag und nicht wie ursprünglich geplant erst im August zustimmen wird.

Auch ein Bericht der Tageszeitung "Il Messaggero" beruhigte die Märkte. Demnach glaubt der für Italien zuständige Moody's-Analyst Alexander Kockerbeck, dass das Land trotz der gestiegenen Rendite für die Staatsanleihen seine Schuldenzahlungen aufrechterhalten kann.

Die langen Laufzeiten der Schuldenpapiere dienten als "Puffer" gegen die gestiegenen Kosten, so Kockerbeck. "Das Finanzministerium hat Spielraum zum Handeln, viele Emissionen haben langfristige Laufzeiten und selbst wenn die Aufschläge steigen, ist die Zahlung tragbar", sagte der Analyst. Die Situation des Landes sei "relativ stabil", betonte Kockerbeck. Es gebe keine fundamentalen Gründe, warum sich die griechische Krise auf Italien übertragen sollte.

Bundesbankpräsident Weidmann attackiert deutsche Euro-Retter

Auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann zeigte sich zuversichtlich, dass die Lage in Italien unter Kontrolle gebracht werden kann. "Italien kann seine Probleme aus eigener Kraft lösen", sagte Weidmann im Gespräch mit der Wochenzeitung "Die Zeit". Es handle sich um eine Volkswirtschaft mit einer starken Industrie- und Exportbasis. Das Land brauche aber ein "konsequentes Sparprogramm".

Weidmann warnte auch davor, den Ratingagenturen die Schuld an der Eskalation der Krise zu geben. Die Bundesregierung hatte ebenso wie die EU-Kommission mit Unverständnis auf die Abstufung Irlands und Portugals reagiert und Moody's scharf kritisiert. Der Bundesbankpräsident meint jedoch, dass die Kritik - auch wenn in Teilen berechtigt - von den eigentlichen Problemen ablenke. "Die kritisierten Bonitätsnoten sind ja nicht willkürlich, sie spiegeln reale Probleme in den betroffenen Ländern wider. Diese Probleme und ihre oft zu zögerliche Bewältigung machen mir viel mehr Sorgen als die Urteile der Agenturen", sagte er.

Der Bundesbankpräsident kritisiert daher auch die Reaktion der Politik auf die Euro-Krise. "Die Vielstimmigkeit in den öffentlichen Diskussionen der vergangenen Wochen hat jedenfalls nicht dazu beigetragen, Vertrauen in die Problemlösungsfähigkeit der Politik zu schaffen", sagte Weidmann.

Weidmann gegen Beteiligung des privaten Sektors

Insbesondere die von der Bundesregierung betriebene Beteiligung von Banken und Versicherungen an den Kosten der Rettung sei problematisch. "Es birgt im gegenwärtigen Umfeld mehr Risiken als Chancen, die Gewährung weiterer Hilfen der Staatengemeinschaft an den Zwang zur Beteiligung des Privatsektors zu knüpfen", sagte Weidmann.

Weidmann war vor knapp drei Monaten vom Kanzleramt an die Spitze der Bundesregierung gewechselt und riskiert nun einen Konflikt mit seinem früheren Arbeitgeber. Die Bundesbank sei zwar nicht grundsätzlich gegen eine Beteiligung privater Gläubiger, sagte er. Nur so könne gewährleistet werden, dass die Finanzmärkte die Haushaltspolitik disziplinierten. Angesichts der von "Ansteckungseffekten und den daraus resultierenden Belastungen für die Steuerzahler" sei von einem solchen Weg derzeit abzuraten.

Der Bundesbankpräsident sprach sich auch dagegen aus, zur Linderung der Krise die Zinsen auf die Rettungskredite zu senken oder den europäischen Rettungsfonds zu erlauben, Staatsanleihen der Krisenländer zu kaufen wie es Brüssel plant. "Das hätte hohe Kosten, einen geringen Nutzen und gefährliche Nebenwirkungen zur Folge", sagte er.

Europa müsse sich für den Fall einer Staatspleite Griechenlands vorbereiten. Weidmann sagte: "Die Politik muss einen Plan haben, wie sich bei einem Scheitern des griechischen Programms die drohenden Ansteckungseffekte eindämmen lassen.

mg/dpa/rtr