Schuldenkrise Pimco kauft italienische Staatsanleihen

Der weltgrößte Anleiheninvestor Pimco nützt die Gunst der Stunde: Vereinzelt hat Pimco italienische Staatsanleihen gekauft, weil Italien eben doch nicht Griechenland ist. Der IWF fordert entschlossene Sparmaßnahmen, Berlusconi will diese durchpeitschen - den Segen der Opposition hat er.
Nach tagelangem Schweigen meldet sich italiens Premierminister Berlusconi zurück - und will nun das umstrittene Sparpaket schnell durchpeitschen

Nach tagelangem Schweigen meldet sich italiens Premierminister Berlusconi zurück - und will nun das umstrittene Sparpaket schnell durchpeitschen

Foto: Robert Ghement/ dpa

Berlin/Rom/Brüssel - Der Anleihenspezialist Pimco beurteilt die Situation in Italien positiver als viele andere Marktteilnehmer. Nach den Marktturbulenzen greift der weltgrößte Anleiheninvestor vereinzelt bei italienischen Staatsanleihen zu. "Die jüngsten Kursrückgänge halten wir aus fundamentaler Sicht für übertrieben und haben sie zu einzelnen Käufen genutzt", sagte Andrew Bosomworth, Leiter des Portfoliomanagements der Allianz -Tochter in München, der Tageszeitung "Die Welt".

Italien sei nicht Griechenland, so Bosomworth weiter. Er verwies unter anderem darauf, dass der Großteil der Anleihen von einheimischen Sparern gehalten würde. "Das reduziert die Gefahr, dass viel Geld aus dem Land abgezogen wird", so der Anleihenspezialist. Sollte sich die Situation dennoch nicht beruhigen, sieht Bosomworth die Europäische Zentralbank (EZB) in der Pflicht, um einen Dominoeffekt zu verhindern. "Sie müsste massiv Staatsanleihen kaufen und so den Zinsanstieg aufhalten." Er gehe derzeit allerdings nicht davon aus, dass die Situation außer Kontrolle gerate.

In Zusammenhang mit den Problemen in Griechenland rückte Pimco von seiner Forderung ab, dass das Land die Euro-Zone verlassen müsse. Das sei nicht mehr kontrolliert möglich. "Ein Austritt würde mit einem ungeordneten Kapitalschnitt einhergehen und die Märkte ins Chaos stürzen", so Bosomworth gegenüber der Zeitung. Er begrüßte dagegen eine geordnete Umschuldung. "Die Politik muss endlich erkennen, dass Sparen allein dort nicht hilft." Pimco ist mit einem verwalteten Vermögen von rund einer Billion Dollar die weltweite Nummer eins unter den Anleiheinvestoren.

IWF fordert Italien zu Reduzierung des Haushaltsdefizits auf

Der Internationale Währungsfonds hat von Italien entschlossene Maßnahmen zur Reduzierung seiner Staatsverschuldung gefordert. Das Haushaltsdefizit sollte bis 2012 auf unter drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zurückgeführt werden, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten IWF-Jahresbericht.

Der IWF sieht zwar eine leichte, vor allem vom Export getriebene Erholung der italienischen Wirtschaft. Die öffentliche Verschuldung bleibe aber hoch und das Wachstum verhalten. In diesem Jahr könnte Italien dem Bericht zufolge ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent erreichen. 2010 lag es bei 1,3 Prozent.

Opposition gibt Widerstand gegen Milliarden-Sparpaket auf

Italien drückt aufs Tempo und will nun mit vereinten Kräften das umstrittene Milliarden-Sparpaket bis Freitagabend durchs Parlament bringen. Überraschend versprachen Medienberichten zufolge die Oppositionsparteien am Dienstag, möglichst wenige Einsprüche im Abgeordnetenhaus vorzulegen, um das Paket bis zum Freitagabend auch durch die zweite Kammer zu bringen. Der italienische Senat, in dem der Regierungschef eine sichere Mehrheit hat, soll das Paket schon am Donnerstag verabschieden, wie es hieß.

"Wir werden alles dafür tun, um die Maßnahmen bis Ende der Woche zu verabschieden, auch wenn wir nicht einverstanden sind", erklärte Dario Franceschini, Fraktionsführer der größten Oppositionspartei PDim Abgeordnetenhaus. Sein PD-Parteichef Pierluigi Bersani hatte das Sparpaket des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi noch vor wenigen Tagen als "sozialen Kahlschlag" bezeichnet, der das "Tal der Tränen" anderen überlasse, da der Löwenanteil der Einsparungen in die nächste Legislaturperiode fällt.

Berlusconi beteuert wirtschaftliche Stabilität Italiens

Zuvor hatte Berlusconi sein tagelanges Schweigen gebrochen und die wirtschaftliche Stabilität Italiens erneut beteuert. Auch Berlusconi forderte zum gemeinsamen Handeln auf. Im Kampf gegen die europäische Schuldenkrise stehe "Italien in der ersten Reihe", sagte der skandalumwitterte Medienmogul, wenngleich die Krise der Finanzmärkte ganz Europa und die europäische Einheit als solche betreffe.

Die von der Regierung geplanten Sparmaßnahmen würden den italienischen Schuldenberg verringern - bis zum Ausgleich des laufenden Haushaltsdefizits im Jahr 2014, hieß es weiter. Italien habe ohnehin seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise 2009 eine weitere Erhöhung der Schulden stärker bekämpft als andere. Das Sparpaket in Höhe von rund 47 Milliarden war vor gut einer Woche vom Kabinett verabschiedet worden, es muss aber noch durchs Parlament.

Auch die Euro-Länder mühen sich mit allen Mitteln darum, eine Ausbreitung der Schuldenkrise auf große Länder wie Italien oder Spanien zu verhindern. Wegen der sich immer weiter zuspitzenden Lage auf den Finanzmärkten ist ein Krisentreffen an diesem Freitag geplant.

wed/dpa-afx/rtr
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